Bukele und die 80 %, die in Spanien Neid auslösen

Bukeles Rückhalt in El Salvador weckt Neid in Spanien: harte Hand, Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel und ein Staatsanwalt unter Verdacht

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bukele und die 80 %, die in Spanien Neid auslösen
Der Neid auf Bukele: harte Hand, Bitcoin und ein Staatsanwalt unter Verdacht

Nayib Bukeles Sicherheitsmodell in El Salvador ist längst keine lokale Nachricht mehr, sondern ein unbequemer Spiegel. Ein Präsident ohne gefestigte Partei im Rücken prahlt mit leeren Gang-Gefängnissen, mit dem Konfrontationskurs gegenüber dem IWF und mit einer Zustimmung, die seine Anhänger auf 80 % seiner Wähler beziffern. Die Reaktion hierzulande mischt Bewunderung mit Missgunst. „Was für ein Neid“, beginnt das Gespräch, und jeder schiebt seine eigene Pointe nach.

Was folgt, ist kein Urteil über den Mann. Es ist eine Bestandsaufnahme: was das Modell verspricht, was es kostet und was bislang niemand beantworten kann.

Was Bukele getan hat, um diesen Neid zu wecken

Es ist weniger die Politik als die Haltung. Man sieht ihn mit Botschaftern debattieren, Rivalen mit Zahlen in der Hand kontern und – das ist es, was verunsichert – Diskussionen am Küchentisch aus einem Ozean Entfernung gewinnen. Manche haben es klar entschieden: Würde er in Spanien antreten, würde er gewinnen. Und andere erwidern im selben Atemzug, hier würden ihm vier Wähler und der Gitarrist ihre Stimme geben. Beides kann nicht gleichzeitig wahr sein, aber beides hält sich mühelos.

Die Anziehungskraft liegt nicht im technischen Detail. Sie liegt darin, dass er den IWF, die Pogre und die Drogenkartelle im selben Auftritt beleidigt, und darin, dass keiner derjenigen, die sich eigentlich unwohl fühlen sollten, ihn auszuschalten vermag. Diese Frechheit hat in jedem Land Kurswert. Und sie erklärt, warum ihm das Etikett „Führer“ besser steht als das des „Verwalters“.

Ist Bukele ein Populist oder hält er nur, was er verspricht?

Hier spaltet sich die Debatte in zwei Lager. Die eine Strömung sagt: Ja, das ist reiner Populismus, und Populismen verkrümmen sich früher oder später und zeigen das übliche Gesicht. Die andere fragt, warum das Etikett nur für diejenigen reserviert ist, die nicht zum Club gehören: Die offiziellen Reden der Regierungsparteien seien genauso populistisch, würden aber mit anderen Augen betrachtet und bekämen den Stempel nicht verpasst.

Das Grundargument ist älter als Bukele selbst. Man kann alles, was nicht ins Bild passt, populistisch nennen, so wie man jeden Andersdenkenden Leugner schimpft. Wenn ein Wort für alles herhält, erklärt es nichts mehr. Genau dort taucht der Vergleich mit Singapur auf: ein Land, das jahrzehntelang dieselben Vorwürfe ertragen hat und trotzdem da ist, ohne dass jemand zögert, es als wirtschaftlichen und ordnungspolitischen Erfolg zu zitieren.

Was in El Salvador geschieht, wenn Bukele nicht mehr da ist

Das ist der Einwand, der sich nicht mit Slogans beantworten lässt. Wenn das Modell von einem Mann mit eiserner Hand über 30 Jahre abhängt, ist das Problem nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben. Kommt eines Tages ein Schwächerer und öffnen sich die Gefängnisse, kehrt der Gang-Mitglied, das freikommt, an seine gewohnte Ecke zurück – und mit ihm die Rechnung.

Manche halten dagegen, dass die Alternative – das Problem an der Wurzel auszurotten – ebenfalls nichts garantiert, weil Verbrechen nicht in den Köpfen endet. Und es schwebt eine kältere These mit: dass der Staat, nicht der Mann zu handeln begann, als die Maras aufhörten, ein Problem der Nachbarschaft zu sein, und begannen, diejenigen zu bedrohen, die wirklich das Sagen haben. Die harte Hand kam, als das organisierte Verbrechen die Geldbörse der Oberen berührte. Keine Minute früher.

Bitcoin, Wale und ein Paradies, das niemand bestellt hat

El Salvador ist eines der wenigen Länder, in denen Bitcoin gesetzliches Zahlungsmittel ist, und das ist kein kosmetisches Detail. Manche sehen darin eine mögliche Erklärung im Hintergrund: Große Kryptowährungsinvestoren brauchen ein Territorium, das sauber genug ist, um sich dort anzusiedeln, und ein kleines, ordentliches Land passt ins Profil.

Die Chronologie spricht allerdings gegen die Theorie. Die Bedeutung von Bitcoin geht der von Bukele voraus, und die Großinvestoren bewegten sich bereits, bevor er das Präsidentenamt antrat. Er mag einer fremden Roadmap gefolgt sein, ohne es zu wissen. Wer den Präsidenten verteidigt, braucht diese Ausrede nicht: Ihm genügt, dass er Wahlen gewinnt und populär bleibt.

Der Staatsanwalt, die Theatralik und die offene Rechnung

Der unbequemste Punkt ist die Justiz. Man wirft ihm vor, einen Staatsanwalt vorgeführt zu haben, der öffentlich forderte, ihn selbst zu untersuchen – in 1080p aufgezeichnet –, als wäre die Bildauflösung eine Garantie für irgendetwas. Die eigene Untersuchung anzuordnen ist kein Mut; es ist Inszenierung. Und eine Inszenierung, die umsonst ist, schenkt den Gegnern Argumente.

Von der anderen Seite kommt eine berechtigte Gegenfrage: Woher will man wissen, dass dieser Staatsanwalt zu seinem Lager gehört? Präsidenten, die ohne parlamentarische Struktur ins Amt kommen – der Fall El Salvador und der Argentiniens ähneln sich hier –, erben Apparate, die sie nicht kontrollieren. Dem zu misstrauen, der einen untersucht, ist leicht; zu beweisen, wem er gehorcht, deutlich schwerer.

Warum diese Begeisterung in Spanien keine Stimmen bringt

Hier liegt das Paradox, das den Kreis schließt. Dasselbe Land, das nach einem Bukele seufzt, wählt mehrheitlich die Parteien, die ihn niemals zulassen würden. Die zynischste Rechnung zielt auf die Nichtwähler: Wer nicht wählt, hat kein Recht, sich über das zu beschweren, was andere wählen. Die wohlwollendere Deutung: Ein gewaltiger Teil der Bevölkerung verbindet die Stimme schlicht nicht mit der Konsequenz.

Und dazwischen schwebt der alte Verdacht: dass das System darauf ausgelegt ist, dass die Debatte eher einem Fußballklassiker gleicht als einem Austausch darüber, wie man ein Land organisiert. Wenn jemand Vernünftiges seine eigenen roten Linien zieht und sich selbst zensiert, ist das kein Zufall. Es ist das Ergebnis jahrelangen Trainings.



Die Prognose, mit aller gebotenen Vorsicht: Hält El Salvador den Kurs noch ein paar Jahre, fällt das Etikett „Experiment“ von selbst durch Erschöpfung weg. Ändert er ihn, kehren dieselben Fragen an den Startpunkt zurück. In beiden Szenarien wird man hier weiter von der Tribüne zuschauen – mit demselben Neid und demselben Grundproblem: Niemand will der Erste sein, der mit gutem Beispiel vorangeht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (80 Antworten).

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