Brüssel unterstützt Gaspreisdeckel, Markt reagiert nicht
Der Käufer betritt das Geschäft, schaut auf das Preisschild und gibt an, wie viel er zahlen wird. Er verhandelt nicht: Er informiert. Das ist im Wesentlichen der neue Preisdeckel für russisches Gas, den Brüssel unterstützt und die EU durchsetzen will. Die Kommission begründet dies mit einem Satz: „Es ist an der Zeit, den Preis für das nach Europa kommende Gas zu begrenzen.“ Der Kreml hat bereits geantwortet, dass die Maßnahme „absurd“ sei und nur dazu diene, den Rohstoffmarkt zu destabilisieren. Ab diesem Punkt hört es auf, Diplomatie zu sein, und wird zu einem Problem von Angebot und Nachfrage.
Was Brüssel vorschlägt und was Moskau antwortet
Der Vorschlag besteht darin, eine Obergrenze für den Preis festzulegen, den Europa für Gas aus Russland zahlt. Das erklärte Ziel ist es, den Preis zu begrenzen, den Europa für dieses Gas zahlt. Bis hierhin reicht die offizielle Darstellung.
Eine alternative Lesart kursiert stark: Wenn der Höchstpreis auf alles Gas angewendet wird, egal woher es kommt, würde der Mechanismus auch als Grenze für das fungieren, was andere Anbieter verlangen, einschließlich der USA. Ein Deckel, der keine Nationalitäten unterscheidet. Und eine wiederholte Warnung: Wenn die Obergrenze unter dem Marktpreis liegt, wird die Reaktion des Verkäufers nicht sein, billiger zu verkaufen, sondern weniger zu verkaufen.
Wer den Hahn hat: Warum der Preis nicht dekretiert werden kann
Die am häufigsten zitierte Erklärung passt in zwei Zeilen: „Angebot und Nachfrage. Setzt ihr einen Höchstpreis, der unter dem Optimum liegt? Kein Problem, ich reduziere das Angebot. Knappheit garantiert.“ Es ist keine rhetorische Formel. Es ist das Lehrbuch. Wer das Produkt hat, entscheidet, zu welchem Preis er es abgibt, und wenn ihm der Preis nicht passt, behält er es ein.
Das zweite Argument ist das des Käufers, der Glaubwürdigkeit verliert. Wenn der Markt bei 10 zahlt und der wichtigste europäische Käufer damit prahlt, seine Einkäufe beim Lieferanten reduziert zu haben, welchen Spielraum hat er dann, zu fordern, dass man ihm für 7 verkauft? Die wiederholte Antwort: keinen. Die am häufigsten verwendete Analogie ist die des Bäckers: Niemand hat bisher diese mysteriöse Bäckerei gefunden, die das Brot billiger verkauft und zu der alle strömen würden. Eine andere Version ist die des Supermarkts: Man zahlt, was man für fair hält, für ein Kilo Tomaten und sieht, ob die Kassiererin akzeptiert.
Manche ziehen es sogar ins Private: Wenn das funktioniert, müsste man nur dem Stromversorger, der Tankstelle oder der Stromrechnung den Betrag mitteilen, den man bereit ist zu zahlen. Niemand hat es versucht, heißt es.
Gas verdirbt nicht und der Verkäufer hat Kunden im Überfluss
Ein Punkt, der oft wiederholt wird und meist in den Schlagzeilen fehlt: Gas und Erdöl verderben nicht unter der Erde. Sie sind keine Äpfel oder Tiefkühlfleisch. Der Produzent kann jahrelang auf seinen Reserven sitzen bleiben und warten, bis sich der Markt bewegt. Der Käufer nicht.
Wie ein Teilnehmer anmerkt, während der Preis festgelegt wird, organisiert sich der Fluss neu: Die Türkei, Ungarn, Indien und China kaufen weiter und verkaufen mit Provision weiter. Das Ergebnis wäre dasselbe Gas, teurer, mit einem Zwischenhändler dazwischen, der seinen Anteil nimmt. Die am meisten verbreitete Zusammenfassung: Du setzt den Deckel, sie drehen dir den Hahn zu, weil du nicht zahlst, und am Ende kaufst du es draußen teurer, als du nicht zahlen wolltest. Ein weiterer Hinweis: Russland ist auch Nettoexporteur von Lebensmitteln, so dass die Karte der Knappheit in beide Richtungen spielt.
Die gegenteilige Haltung liegt ebenfalls auf dem Tisch. Russland ist keine diversifizierte Wirtschaft: Seine Energiekarte ist die von Nigeria, und daher stellt sich die Frage, wo man besser lebt. Es ist das Argument, dass die Zeit gegen denjenigen arbeitet, der von einem einzigen Produkt abhängt.
Das Vorbild Öl und die, die den Deckel nicht anwenden
Manche erinnern daran, dass dies schon einmal mit Öl versucht wurde und nicht funktionierte. Keine Regierung hat es geschafft, den Preis eines Gutes festzulegen, das global gehandelt wird, geschweige denn ohne Kontrolle des Angebots, so das wiederholte Argument. Die operative Frage ist einfach: Wenden indische und chinesische Käufer denselben Deckel an? Wenn nicht, dient die Maßnahme für das Foto und die Pressemitteilung, nicht aber, um den Preis zu bewegen.
Die andere Zweifel betrifft die kumulierte Glaubwürdigkeit. Europa hatte bereits angekündigt, dass es Gas nicht in Rubel bezahlen werde. Das Ergebnis wurde in einem Satz zusammengefasst, der kursiert: „Von den Machern von ‚Wir zahlen nicht in Rubel‘ kommt die neue Episode ‚Wir zahlen, aber was wir wollen‘.“
Bleibt das Detail, das verwirrt. Der Markt stimmt nicht ab, klatscht nicht und liest keine Pressemitteilungen: Er kreuzt nur Kauf- und Verkaufsorder. Mit einem Preis unter dem Optimum zieht sich das Angebot zurück und das Produkt wandert in ein anderes Schaufenster. Die Frage ist nicht, ob man den Deckel ankündigen kann. Die Frage ist, wer verkauft, wenn der Preis nicht überzeugt. Vorläufig hat niemand die günstige Bäckerei gefunden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (196 Antworten).