Britannica von 1911: Argument zur Herkunft der Ukraine

Die Britannica von 1911 ordnete die Ukraine Russland zu, laut Erzählung über den Ursprung des ukrainischen Staates und die NATO-Erweiterung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Britannica von 1911: Argument zur Herkunft der Ukraine
Was die Encyclopædia Britannica von 1911 über die Ukraine sagte

Was besagte die Encyclopædia Britannica von 1911 darüber, was die Ukraine war? Die verbreitete Antwort lautet, dass diese Ausgabe das Territorium als Teil Russlands darstellte. Auf diesem Zitat – und dem begleitenden Foto – basiert eine weitergehende These: Der ukrainische Staat sei ein jüngeres Konstrukt, von außen gesteuert, und schon der Name verrate dies. Ukraine bedeute Grenze.

Daran knüpfen sich die Daten an. Das Ostufer des Dnepr wäre 1686 auf russischer Seite geblieben, das Westufer 1793. Betont wird der Sprung zwischen dieser Vergangenheit und der Gegenwart: 1991 wurde ein Staat ausgerufen, der in der kursierenden Version als Jahrtausende alt dargestellt wird. Das Argument wird von einem Verdacht begleitet, der kaum verheimlicht wird: Die Encyclopædia Britannica sei ein von Freimaurern verfasster Leitfaden gewesen, und ihre Kartenlesart habe den Autoren gedient.

Es lohnt sich, den Status dieses Zitats festzulegen. Es erscheint weder wörtlich noch mit exakter Seitenangabe. Es dient als Munition für eine Erzählung, nicht als Dokument. Dies ist der erste relevante Punkt der ganzen Angelegenheit: Die Quelle wird wegen ihrer Autorität angerufen, nicht wegen ihres Textes.

Ukraine bedeutet Grenze: Das Argument des Namens

Der etymologische Strang durchzieht die gesamte Diskussion. Es wird behauptet, das Wort habe ursprünglich Grenzgebiete bezeichnet – das Äquivalent zu „Mark“ im Deutschen – und es habe mehrere „Ukrainen“ gegeben, wo immer eine zu verteidigende Grenze existierte. Genannt werden die Nowgoroder Annalen von 1517, in denen Krim-Tataren in der Ukraine des Großfürsten von Moskau nahe Tula auftauchen, sowie Dokumente von 1625, die vor der bevorstehenden Ankunft von Tataren in „unseren Ukrainen“ warnen.

Von hier bis zur politischen Schlussfolgerung ist es nur ein kurzer Schritt: Wenn der Name nur einen Streifen beschrieb, wäre der Nationalismus, der ihn als Identität beansprucht, spät entstanden. Gegen diese Lesart steht das offensichtliche und zugleich stärkste Gegenargument: Ein grenzüberschreitender Ortsname sagt nichts über den Willen der dort lebenden Menschen aus. Die Türkei hätte kein Recht, den Kaukasus zu beanspruchen, weil er zum Osmanischen Reich gehörte, noch hätte Spanien das Recht, Mexiko zu invadeiren, weil Kalifornien und Texas einst spanisch waren.

Eine Kuriosität, die einer Überprüfung standhält, wird oft angeführt: Als Louisiana von Spanien an Frankreich überging, geschah dies mit einer Klausel, die den Verkauf verbot. Napoleon verkaufte sie dennoch an die Vereinigten Staaten für 15 Millionen. Das geschriebene Recht hielt so lange wie es dauerte, einen Käufer zu finden.

Von Galizien zu den Habsburgern: Woher kommt der westliche Nationalismus?

Der harte Kern der Erzählung liegt nicht in Kiew, sondern im Westen. Österreich erhielt Galizien bei den Polnischen Teilungen und verwaltete es unter dem Namen Königreich Galizien und Lodomerien. Vor der Annektion bestand die Region aus den polnischen Woiwodschaften Krakau und Ruthenien, mit einer polnischen Aristokratie und einer städtischen Bürokratie, die Wien durch seine eigene ersetzte.

Dieser stark antirussische Nationalismus, so argumentiert diese Linie, entstand nicht am Dnepr: Er wurde am Hof der Habsburger als Werkzeug gegen den großen Nachbarn geschmiedet. Der Zweite Weltkrieg dient zur Illustration: Als die Deutschen Lwiw (Lemberg) betraten, hissten ukrainische Nationalisten ihre Flagge in Erwartung der Unabhängigkeit, und die von Berlin organisierte Freiwilligen-Einheit hieß nicht „Ukraine“, sondern „Galizien“.

Die gegenteilige Lesart weist darauf hin, dass dieser Einwand zirkulär sei: Die Existenz eines Volkes zu leugnen, weil der Besatzer dem Regiment einen anderen Namen gab, würde dazu führen, das palästinensische Volk zu leugnen, weil Zionisten ihr Land Israel nennen. Stil Adelaide.

Jens Stoltenberg, die NATO und die veränderte Version

Hier liegt der am häufigsten wiederholte Punkt. Laut dem Video, das beim Öffnen des Themas verlinkt wird, behauptete der damalige NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Jahr 2023, die Invasion sei durch die Erweiterung des Bündnisses ausgelöst worden. Die gestellte Frage lautet, was man 2022 sagte: dass man eingriff, um den Verlust der Demokratie in der Ukraine zu stoppen.

Zwei offizielle Versionen, zwei Jahre, derselbe Sachverhalt. Für jene, die die These des doppelten Maßstabs vertreten, ist diese Wendung der Beweis dafür, dass Regeln nicht existieren: Es gibt für jeden Moment eine Erzählung, und wer die Macht hat, ändert sie nach Belieben. Der zugrunde liegende Ansatz lässt sich in einer unbequemen Idee zusammenfassen: Die Starken diskutieren nicht mit den Schwachen, sie setzen sich durch.

Der Einwand gegen diesen Rahmen ist ebenso einfach und lässt sich nicht mit Ironie entkräften: Eine Sache ist, wer die Figuren auf dem Schachbrett bewegt, eine andere, wer den Abzug drückt. Dass die NATO ihren Radius erweiterte, macht jeden subsequenten Tod nicht zu einem geopolitischen Unfall. Hier stockt die Debatte, und keine der beiden Seiten weicht zurück.

Der doppelte Maßstab: Marokko, Israel, Saudi-Arabien

Der am häufigsten wiederholte Gegenschlag diskutiert nicht die Geschichte, sondern die Anwendung. Wenn die internationale Ordnung respektiert wird, wann kommen dann Sanktionen gegen jene, die die Annektion der Westsahara unterstützen, Gaza bombardieren oder in Jemen intervenieren? Die gezogene Schlussfolgerung lautet, dass Grenzen nach Zweckmäßigkeit festgelegt werden und wer protestiert, automatisch außerhalb des Gesetzes steht.

Hinzu kommt das Kapitel Krim, wo daran erinnert wird, dass es einen legalen Weg des Austritts gab, der im ukrainischen Rechtsrahmen anerkannt war. Und der Fall des aktuellen Oberbefehlshabers der ukrainischen Armee, Oleksandr Syrskyi, ausgebildet an der Moskauer Generalstabakademie, der als Beweis dafür dient, dass der Krieg größtenteils ein Konflikt zwischen Russen ist. Eine Verwandte der Romanows fasste dies einst so zusammen: Ein Bürgerkrieg zwischen Russen.

Die Angelegenheit endet dort, wo sie begann, mit einem nicht überprüfbaren Zitat und einem unbestrittenen Datum.



Zwischen 1686 und einem Foto der Britannica liegen anderthalb Jahrhunderte Argumentationsstoff, ohne auch nur einen Absatz der Originalquelle reproduziert zu haben. Es dient demselben Zweck.

Stimmen zum Thema:

Die Starken wollen nicht mit den Schwachen diskutieren. Das ist etwas für Filme; in der realen Welt wird die Ordnung aufgezwungen, nicht verhandelt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (146 Antworten).

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