BRICS: Sechs neue Mitglieder und eine Währung, die es nicht gibt

Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die VAE treten den BRICS bei. Es gibt keine gemeinsame Währung, aber Gold dient als Sicherheit im bilateralen Handel.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

BRICS: Sechs neue Mitglieder und eine Währung, die es nicht gibt
BRICS wächst um sechs Länder, bleibt aber ohne gemeinsame Währung

Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate treten mit Wirkung ab Januar 2024 den BRICS bei. Der Block, den der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa auf dem Gipfel in Johannesburg ankündigte, repräsentiert nach aktuellen Berechnungen 47 % der Weltbevölkerung und 36 % des BIP. Das Bild ist eindrucksvoll: Iran und Saudi-Arabien, erklärter Feind, sitzen am selben Tisch. Doch das Kleingedruckte der Erklärung enthält weder eine neue Währung, noch eine gemeinsame Zentralbank oder ein Freihandelsabkommen. Was diese Länder verbindet, ist laut der vorherrschenden Analyse der Wille, eine globale Governance zu schaffen, die den Machtmissbrauch der USA über den Dollar und die Erben von Bretton Woods, den IWF und die Weltbank, umgeht. Alles andere ist reine Inszenierung.

Was haben Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die VAE gemeinsam?

Wenig, und genau das nährt die Skepsis. Es gibt Stimmen, die behaupten, der Klebstoff des Blocks sei ein gemeinsamer Groll: Länder, die durch das Ende der Öl-Ära unter Druck geraten, wie Russland, Saudi-Arabien, Iran und die VAE; ein China, das die Explosion seiner Immobilienblase und den Rückzug westlicher Unternehmen spürt; überbevölkerte Staaten am Rande des Bankrotts wie Äthiopien und Ägypten; und wirtschaftlich angeschlagene Nationen wie Argentinien und Südafrika. Sie sind untereinander zerstritten. Die Aufnahme Argentiniens wurde sogar spöttisch aufgenommen: Ein Land, das seine Währung an den US-Dollar koppelt und politisch mit Washington harmoniert, wird kaum ein Projekt zur Desdollarisierung unterstützen.

Das Gegenargument hat jedoch Gewicht. Die Geopolitik folgt seit jeher Regeln, und eine davon ist das Streben nach einem Machtgleichgewicht. Die Angst anderer Akteure vor einem Souveränitätsverlust gegenüber der dominierenden Macht treibt sie zum Zusammenschluss. Das Überleben ist das Hauptziel eines jeden Staates. Es war nur eine Frage der Zeit, dass sich eine Gruppe von Ländern formiert, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, das mit dem Fall der UdSSR verloren ging. In diesem Kontext ist es kein diplomatisches Wunder, dass Iran und Saudi-Arabien ihre Differenzen beiseiteschieben: Es ist eine strukturelle Notwendigkeit.

Handel in Lokalwährungen und Gold als Sicherheit

Dies ist der technische Kern der Angelegenheit, an dem die Analyse am interessantesten wird. Es wird keine gemeinsame Währung geben. Es wäre zu komplex, Nationen zu einigen, die ihre Souveränität – einschließlich der monetären – bewahren wollen. Was stattdessen ausgearbeitet wird, ist ein System des bilateralen Handels in den jeweiligen Landeswährungen, mit einer gemeinsamen Sicherheit zur Begleichung von Defiziten. Diese Sicherheit ist Gold.

Das Modell, das Russland und der Iran bereits nutzen, ist das fortschrittlichste. Jedes Land behält seine Fiat-Währung für den internen Gebrauch und die Steuerzahlung. Für die Außenhandelsbuchhaltung existiert eine private kryptografische Datenbank, deren Recheneinheiten zu einem festen Kurs in Gold rückführbar sind. Es handelt sich nicht um gesetzliches Zahlungsmittel und das soll es auch nicht sein. Es ist ein in Echtzeit prüfbares Kontobuch, das gleichzeitig die emittierten Token und die Bestände an physischem Gold in Verwahrung verifizieren kann. Wenn ein Land ein Handelsdefizit hat, liefert es Gold. Wenn es einen Überschuss hat, erhält es Gold. Der Mechanismus erzwingt die Anpassung: Ein Land ohne Gold kann nur so lange exportieren, bis seine Bilanz wieder positiv ist.

Der klassische Einwand ist David Ricardos Theorie der komparativen Kostenvorteile. Wenn man zwei Ländern mit unterschiedlichen Produktionsstrukturen dieselbe Währung und einen festen Wechselkurs gibt, bricht eine der beiden Volkswirtschaften zusammen. Als historisches Beispiel wird das britische Pfund der 1920er Jahre angeführt, das an einen Teilgoldstandard gebunden war, der die britische Wirtschaft erstickte. Das Gegenargument lautet, dass es hier keinen festen Wechselkurs zwischen Rubel und Rial gibt: Jeder schwankt, und Gold fungiert lediglich als Recheneinheit für den Außenhandel. Das sind zwei verschiedene Dinge, die oft verwechselt werden.

Wie viel Gold gibt es und wo befindet es sich?

Die Debatte über Gold als Sicherheit stößt auf eine unangenehme Frage: Gibt es genug zugängliches Gold? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Es wird geschätzt, dass bisher etwa 220.000 Tonnen Gold abgebaut wurden. Die Summe aller Zentralbanken weltweit liegt bei etwa 35.000 Tonnen. Der Rest befindet sich in privater Hand. Allein in Indien schätzt man, dass die Bevölkerung mehr als 20.000 Tonnen hortet, während die Zentralbank nicht einmal 900 Tonnen besitzt. In der Türkei halten Privatpersonen mehr als 5.000 Tonnen, das Zehnfache der Bestände der Zentralbank. Deutsche Bürger besitzen etwa 9.000 Tonnen, das 2,7-fache der Bundesbank, die die zweitgrößte Goldreserve der Welt hält.

Der Gegeneinwand ist, dass dieses private Gold nicht in prüfbaren Tresoren liegt und nicht auf Reinheit „vier Neun“ raffiniert ist. In Ländern mit entwerteten Währungen ist Gold privater Sparwert und häusliche Hortung, keine monetäre Sicherheit. Im Westen ist das anders. Der Dollar, der Euro und das Pfund konzentrieren 85 % der weltweiten Zentralbankreserven. Die Frage ist, wie lange sie dieses Gewicht halten können.

Der Dollar fällt nicht, aber die anderen steigen

Der Dollar bleibt der liquideste Markt der Welt und die am weitesten verbreitete Währung: Mehr als 60 % der physischen Banknoten befinden sich außerhalb der USA, und zwischen 80 % und 90 % der internationalen Handelsgeschäfte werden in Dollar abgewickelt. Der Yuan macht zwischen 6 % und 8 % der globalen Reserven aus. Die Strategie ist nicht, dass der Yuan steigt, sondern dass die anderen fallen. Man muss nicht aufsteigen, wenn die anderen zurückgehen.

Die Entwicklung eines alternativen Systems impliziert bereits einen Wertverlust des Dollars, da er für den internationalen Handel nicht mehr unverzichtbar ist. Es ist ein sich selbst verstärkender Prozess: Sobald das Risiko wahrgenommen wird, Dollar im neuen Umfeld zu halten, werden Dollar gegen Gold getauscht. Die Dynamik nährt sich selbst. Hier kommt der Cantillon-Effekt ins Spiel, der erklärt, wie neues Geld zuerst demjenigen zugutekommt, der es erhält, und denjenigen schadet, der es erst spät erhält. Die Weltwirtschaft funktioniert seit Jahrzehnten nach diesem Effekt, wobei der Dienstleistungssektor den Primär- und Sekundärsektor parasitiert. Ein Wechsel des monetären Musters würde diesen Fluss neu verteilen, und es ist unklar, wem dies zugutekommt.

Was nicht auf dem Tisch liegt

Es wird keinen klassischen Goldstandard geben. Es wird keine einzige BRICS-Kryptowährung geben. Es wird keine gemeinsame Zentralbank geben. Was es gibt, ist ein Netzwerk bilateraler Abkommen, eine Entwicklungsbank, die genutzt werden soll, um Sanktionen zu umgehen, und eine Warteliste von 23 Ländern, die beitreten wollen. Der Block wächst, weil die USA mehr Feinde bekommen, nicht weil die BRICS einen geheimen Plan in der Schublade haben.

Die Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern löst den grundlegenden Widerspruch nicht: Argentinien und China werden niemals eine gemeinsame Währung teilen, und Südafrika ist weder das zukünftige Simbabwe noch Deutschland. Was sich jedoch ändert, ist die Wahrnehmung. Wenn 47 % der Weltbevölkerung und 36 % des BIP am selben Tisch sitzen, auch wenn es nur ist, um nichts zu unterzeichnen, ist die Botschaft an die Märkte, dass der Dollar nicht mehr die einzige Tür ist. Und das bewegt in der Finanzwelt mehr Geld als jeder Vertrag.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

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