Bormann schrieb 1941, dass Nationalsozialismus und Christentum nicht zusammenpassen
War das Regime, das 10.000 katholische Schulen schloss, christlich? Im Juni 1941 hielt Martin Bormann, ein führender nationalsozialistischer Funktionär, schriftlich fest, dass „der nationalsozialistische Begriff und der christliche Begriff unvereinbar sind“. Dies war keine Entgleisung: Er behauptete, Kirchen lebten von Unwissenheit, Theologie funktioniere als Pseudowissenschaft und eine Jugend, die außerhalb des Christentums erzogen werde, würde dessen Aussterben allein erleben. Mehr als acht Jahrzehnte später ist die Frage noch offen.
Was sagte der Text, der die Debatte auslöste?
Das Dokument vom Juni 1941 beschuldigt die Kirchen, wissenschaftliche Forschung zu unterdrücken oder zu fälschen, weil exaktes Wissen ihre Existenz bedroht. Bormann fügt hinzu, dass die nationalsozialistische Weltanschauung weit über Doktrinen steht, die größtenteils aus dem Ntumntumntumntum stammen, und diese daher unnötig seien. Sein Gottesbild ist nicht das eines Herrn mit menschlichem Aussehen in einer Ecke des Universums, sondern einer Kraft, die Himmelskörper nach Naturgesetzen bewegt.
Der Text bleibt nicht bei spekulativer Theologie. Er argumentiert, dass niemand das Christentum kennen würde, wenn Pastoren es nicht seit der Kindheit eingeimpft hätten, und stellt fest, dass die meisten Bewohner der Erde nie davon gehört haben. Die Schlussfolgerung, geschrieben mit der Sicherheit jemandes, der aus einem hohen Amt heraus signiert, lautet, dass das Christentum von selbst erlöschen wird, wenn es nicht mehr gelehrt wird.
Schließung von Schulen und Hinrichtung von Freidenkern: Daten stützen die These
Die Chronologie spricht für Bormann. Am 16. März 1939 wurde die Schließung von 10.000 Schulen angekündigt: In Oldenburg fielen 180 katholische Schulen, und es wurde berichtet, dass in Bayern, Württemberg, Baden, Sachsen oder Thüringen keine mehr übrig waren. Nonnen wurden aus ihren Institutionen vertrieben, und konfessionelle Schulen kamen unter nationalsozialistische Kontrolle.
Zuvor war eine andere Front gefallen. Der Deutsche Freidenkerbund erreichte 1930 500.000 Mitglieder und wurde 1933 mit einer harten Rede Hitlers dagegen geschlossen. Sein Anführer, Max Sievers, wurde von der Gestapo verhaftet und hingerichtet. Und auf der christlichen Seite steht die Enzyklika, mit der Pius XI. den Nationalsozialismus wegen genau dieser Fragen verurteilte. Der Hierarchie musste Bormann nichts erklären.
„Gott mit uns“: Beweise für ein Reich mit christlicher Liturgie
Die andere Seite der Akte ist ebenso konsistent. Gürtelschnallen trugen das Motto „Gott mit uns“, ein Spruch, den Preußen seit dem 18. Jahrhundert nutzten, sodass der Verweis nicht neu war. 1933 unterzeichnete das Regime ein Konkordat mit dem Vatikan, das heute noch gültig ist und der Regierung Legitimität gab sowie der Kirche die Kontrolle über die Kindererziehung überließ.
Nach Angaben eines Beteiligten feierten 1939 viele deutsche Bischöfe Hitlers 50. Geburtstag. Hitler war auch gegenüber protestantischen Kirchen großzügig, und eine Rede von Goebbels wird zitiert, in der er den Heidentum verspottet und eine christliche Apologie vorträgt. Die offizielle Version des Regimes war also kein militanter Säkularismus: Es war ein interessiertes Zusammenleben.
War Hitler katholisch?
In einem Brief an Gerhard Engel von 1941 schrieb Hitler: „Ich bin jetzt wie früher katholisch und werde es immer bleiben.“ Er betrachtete sich als von der göttlichen Vorsehung berührt und dankte dieser Vorsehung jedes Mal, wenn er ein Attentat überlebte. Das hinderte ihn nicht daran, Himmlers Neopaganismus zu tolerieren – und privat lächerlich zu machen –, dessen Rituale in der SS dokumentiert sind.
Bei der Partei wird das Bild zu einem theologischen Gulasch: Katholiken, Atheisten und Neopaganer teilten Tisch und Parolen. Die Mehrheit war jedoch christlicher Herkunft. Daher der permanente Widerspruch zwischen dem improvisierten Altar und der beschlagnahmten Schule.
Degrelle und der Nationalkatholizismus: Passten beide zusammen?
Léon Degrelle, von Jesuiten erzogen, präsentierte sich als Katholik und Nancy, ohne einen Konflikt zu sehen. Für einen Teil der Analyse verkörperte er den mittelalterlichen „streitenden Katholiken“, der das Christentum als Tradition, Kultur und europäisches Band lebte. Für andere drang er einfach nie in den nationalsozialistischen Kern vor: Seine Haltung war Nationalkatholizismus mit geliehener Uniform.
Das Argument hat Substanz, denn nach einigen Beteiligten verwies der NS in seiner sektiererischsten Schicht auf eine Rückkehr zum Heidentum und ein Blutvaterland über den Staaten. Dieses Detail bricht das Zusammenleben, wenn es nicht mehr praktisch ist.
Das Quellenproblem: „Tischgespräche“
Der Text von 1941 trug jahrzehntelang einen Formverdacht. Seine Sekretäre erklärten später, dass Bormann während der abendlichen Diskussionen kaum lose Sätze auf Servietten notierte und sie das Diktierte jeden Abend ausarbeiteten, ohne klar zu trennen, wo Hitlers Meinung endete und Bormanns Anteil begann. Zudem war er der einzige im Kreis mit anhaltender antichristlicher Kampfeslust und gelangte durch seinen Bruder, den Fahrer und Leibwächter des Führers von Anfang an, in die intime Umgebung.
Wir haben also ein Regime, das Konkordate unterzeichnet, Schulen schließt, Gott auf Gürtelschnallen anruft und schließlich seinen wichtigsten Freidenker hinrichtet. Beide Thesen halten mit Daten stand, weil beide gleichzeitig geschahen, je nachdem, durch welches Fenster man blickte. Bormann unterschrieb, dass es keine Übereinkunft gab. Die Geschichte gab ihm halb recht, mit ihrer üblichen Eleganz: Das Christentum verschwand nicht, aber er musste es auch nicht sehen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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