Keine Leichen in 99 % des Bonaire-Parkhauses
Die Durchsuchung der Tiefgarage des Einkaufszentrums Bonaire ist ohne Opfer zu Ende gegangen. Die Policía Nacional (spanische Nationalpolizei) hat 99 % der Stellplätze überprüft, und die Rettungskräfte betrachten die Fahrzeugkontrolle als abgeschlossen. Dies geschah nach Tagen, in denen dieser Keller zum Symbol der Katastrophe wurde: Dutzende, sogar Hunderte von Körpern unter Wasser, so lauteten die Gerüchte in den sozialen Medien. Die erste Gruppe von 100 Fahrzeugen hatte bereits das Ergebnis geliefert: kein einziger Toter. Bemerkenswert ist nicht nur, dass keine Leichen auftauchten. Es ist vielmehr so, dass tagelang als sicher galt, dass sie gefunden würden.
Was war wirklich in der Garage von Bonaire?
Weniger Menschen als angenommen. Das Parkhaus bietet Platz für 5.700 Autos, aber die während der Notsituation verbreiteten Schätzungen gingen von etwa 700 belegten Plätzen aus, einschließlich Mitarbeiter. Eine einzige Etage mit Einfahrtsrampe und Treppen im zentralen Bereich. Das Wasser bedeckte zeitweise eineinhalb Meter Höhe, und Schlamm verhinderte tagelang jegliche Sicht. Die erste Durchsuchung am Samstagabend erfolgte mit einem Boot und ohne sichtbare Ergebnisse. Ein Sprecher der UME (Militärische Nothilfeeinheit) bestätigte gegenüber den Medien, dass bis dahin keine Leiche lokalisiert worden sei.
Auch die Mathematik stützte die katastrophalen Erzählungen nicht. Bei einer durchschnittlichen Annahme von zwei Personen pro Fahrzeug würde das Extrem-Szenario etwa 1.500 Personen ergeben, wobei die meisten sich im Inneren des Einkaufszentrums befunden hätten, nicht im Keller. Der Zeitfaktor ist entscheidend: Die Warnung über die Lautsprecheranlage kam, bevor das Parkhaus unpassierbar wurde, und es war keine Option, mit eindringendem Wasser zum Auto hinabzusteigen. Ein Zeuge berichtete im Fernsehen, er habe das Parkhaus drei Minuten vor dem Eintreffen der Flutwelle verlassen.
Woher kam die Zahl der Hunderten von Leichen?
Aus einem sich selbst nährenden Gerücht. Die Erwartung, zahlreiche Körper zu finden, angeheizt durch Falschmeldungen in sozialen Netzwerken, die von Dutzenden oder Hunderten sprachen, machte Bonaire zum weltweiten Trending Topic auf X. Ein Audio-Clip wurde einem Bürgermeister zugeschrieben, in dem er weinend eine Zahl von 800 Todesopfern nannte. Auch die Aussage eines angeblichen Feuerwehrmanns, der Ersthandinformationen habe, kursierte. Nichts davon ließ sich mit verifizierbaren Daten belegen.
Man sollte zwischen Gerüchten und vorsichtigen Warnungen unterscheiden. Der Bürgermeister von Aldaia wies lediglich darauf hin, dass das Gefundene „verheerend sein könnte“, ohne Zahlen zu nennen. Dieser Satz wurde zum Treibstoff für jene, die eine runde und schreckliche Zahl erwarteten. Der Unterschied zwischen der Warnung vor einem Risiko und der Verbreitung einer erfundenen Bilanz ist genau der, der das Krisenmanagement vom Spektakel trennt.
Dementi der UME und widersprüchliche offizielle Berichte
Offizielle Informationen halfen nicht, die Lage zu beruhigen. Während man das Auffinden von Körpern als sicher ansah, dementierte ein UME-Sprecher gegenüber den Medien, dass überhaupt welche gefunden wurden. Die Erklärung hatte physische Logik: Soldaten konnten erst am Samstagabend bei einer ersten Durchsuchung mit Booten eindringen, und die Menge an Wasser und Schlamm erschwerte die Sicht erheblich. Das Wasser stand noch immer eineinhalb Meter hoch in der Tiefgarage, und es war unbekannt, wie viele Autos und Personen dort sein könnten.
Dieses Informationsvakuum, das mehrere Stunden andauerte, füllte das Gerücht. Wenn es keine offiziellen Daten gibt, füllen die Lautesten die Lücke. Die praktische Konsequenz war ein ganzes Land, das von einem Friedhof überzeugt war, der angesichts der vollständigen Inspektion nie existiert hatte.
Warum war das Parkhaus an einem Dienstag während des Sturms fast leer?
Weil Tag und Uhrzeit ungünstig waren. Dienstagnachmittag, Regen und Monatsende führen dazu, dass die Besucherzahlen in einem solchen Einkaufszentrum stark zurückgehen. Hinzu kommt ein häufig beobachtetes Verhalten: Menschen parken lieber im Freien und fahren nicht in die Tiefgarage. Das Parkhaus ist übersichtlich, mehr als hundert Meter lang, und die Treppen befinden sich in der Mitte. Wer parkt, sucht daher Nähe zu den Treppen und bleibt nicht in inneren Gängen stecken.
Unter diesen Bedingungen dauert es lange, bis das Areal vollständig geflutet ist. Und es gab eine Warnung über die Lautsprecher. Das Ergebnis war, dass sich die Mehrheit der von den Rettungskräften vorgefundenen Fahrzeuge dort befand, wo man sie erwartet hätte: leer, mit Schlamm und Wasser, aber ohne Insassen.
Videos des leeren Parkhauses kamen zu spät
Hier liegt der bittere Nachgeschmack. Es gab Aufnahmen, die das Parkhaus zum Zeitpunkt der Evakuierung praktisch leer zeigten, und einige dieser Bilder wurden erst veröffentlicht, als das Wasser bereits abgelaufen war und die Durchsuchung fast beendet war. Die Frage ist unbequem: Hätten diese Videos am Freitag oder Samstag, als alle vom schlimmsten Szenario ausgingen, veröffentlicht werden sollen, hätten sie einen Großteil der Desinformation sofort gestoppt.
Es gibt keine abschließende Antwort, und man sollte keine konstruieren. Es könnte einfache mangelnde Koordination sein, Angst vor Fehlern oder das Interesse, die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt zu lenken. Fakt ist jedoch, dass die zeitliche Abfolge der öffentlichen Information in beide Richtungen katastrophal war: Zuerst ließ man das Gerücht wachsen, dann gab man die Richtigstellung nur häppchenweise heraus.
Vermisste: Die Liste, die niemand in Ordnung bringen kann
Die andere offene Front sind die nicht auffindbaren Personen. In den ersten Stunden einer Katastrophe melden sich viele Menschen, weil sie keinen Kontakt zu Angehörigen oder Freunden herstellen können; wenn die Person auftaucht, meldet sich niemand erneut, um dies mitzuteilen. Es gibt Fälle von zwei oder drei Anrufen für dieselbe Person, die in der Zählung als drei verschiedene Fälle geführt werden. Nur wenn wieder etwas Ordnung herrscht, können diese Listen bereinigt werden.
Die Folge ist, dass es keine zuverlässige Zahl der Vermissten gibt, die der der Toten entspricht. Für Familien ist dies schlimmer als eine Zahl: Ein Toter wird beerdigt und die Trauer abgeschlossen, ein spurlos Vermisster lässt die Tür unbegrenzt offen. Die Leichen zu finden, falls sie vorhanden sind, ist für die Wartenden das Wichtigste. Und wenn sie nicht im Parkhaus sind, bleibt die Frage, wo sie sind, unbeantwortet.
Da die Inspektion als abgeschlossen gilt und die Fahrzeuge überprüft wurden, ist zu erwarten, dass die Zahl der mit diesem Parkhaus verbundenen Todesfälle bei null oder sehr niedrig bleibt. Die berechtigte Zweifelfrage lautet anders: Sollte die Durchsuchung vollständig abgeschlossen sein, ohne dass Spuren der noch Gesuchten auftauchen, wird sich der Fokus auf andere Gebiete und unverarbeitete Listen verlagern. Dort muss die offizielle Darstellung ohne den Vorwand des Schlamms bestehen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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