Bitcoin: Wertspeicher oder Betrug? Der Streit geht weiter

Ist Bitcoin ein legitimer Wertspeicher oder ein Schneeballsystem? Experten streiten über intrinsischen Wert, Nutzen und Spekulation in dieser laufenden Debatte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bitcoin: Wertspeicher oder Betrug? Der Streit geht weiter
Bitcoin: Wertspeicher oder Schneeballsystem? Der unendliche Schlagabtausch

Ein Forum-Nutzer behauptet, dank Krypto vor dem 40. Lebensjahr in den Ruhestand gegangen zu sein, während ein anderer argumentiert, dass ein Bitcoin „absolut nichts taugt“. Die Diskussion darüber, ob Kryptowährungen legitime Anlagen oder Betrug sind, flammt mit denselben Argumenten wieder auf: intrinsischer Wert gegen digitale Knappheit, echter Nutzen gegen spekulativen Glauben.

Der Auslöser ist eine einfache These: Ein Anlagevermögen muss einen eigenständigen Wert haben. Immobilien dienen zum Wohnen, Gold zur Schmuckherstellung, Aktien zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen. Bitcoin hingegen leitet seinen Wert allein aus der Überzeugung ab, dass jemand später mehr dafür zahlt. Unter diesem Aspekt wäre sein Wert zu 100 % spekulativ und damit ein Schneeballsystem, das zusammenbricht, wenn das Vertrauen schwindet.

Hat Bitcoin einen intrinsischen Wert?

Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Dem Argument des Gebrauchswerts steht ein anderes entgegen: Bitcoin dient dazu, Schwarzgeld zu bewegen, in Ländern mit Hyperinflation oder Entwicklungsländern zu operieren und als Zuflucht vor staatlicher Konfiszierung zu fungieren. „Es kann nicht zerstört werden, überschreitet Grenzen unauffällig und leidet nicht unter Inflation“, fasst eine Position zusammen. Gold hingegen wird kaum noch für Tauschgeschäfte genutzt, außer in Schmuck und Medizin.

Die Diskussion verlagert sich auf die Natur des Werts. Manche behaupten, jeder Wert sei subjektiv und der Preis der einzige Beweis; hätten Dinge einen Eigenwert, gäbe es keine Schwankungen. Andere entgegnen, dass der allgemeine Nutzen eines Gutes – wie eines Hauses oder eines Liters Wasser – nicht subjektiv sei, auch wenn der konkrete Wert je nach Kontext variiere. Bitcoin habe Nutzen für Drogenhändler im Dark Web, aber wenig für alle anderen.

Blockchain ja, Bitcoin nein: Die Falle des Technologie-Arguments

Eine oft wiederholte Wendung trennt die Technologie von der Währung. Die Blockchain könnte revolutionär sein, mit Smart Contracts, bruchsicherer Verschlüsselung und sofortigen Transfers ohne Zwischenhändler. Das impliziert jedoch nicht, dass gerade Bitcoin einen Wert hat. Die Verwechslung beider Dinge ist laut dieser Strömung der Grundfehler der Enthusiasten.

Die Verteidiger verweisen auf objektive Eigenschaften: Es nimmt keinen Platz weg, ist überall hin transportierbar, dezentralisiert, unvergänglich und nicht der Inflation ausgesetzt. Als Zahlungsmittel werde es kaum genutzt, geben sie zu, aber als Wertspeicher reiche es. Der Vergleich mit Diamanten – die keine Wohnung bezahlen, aber ihren Wert bewahren – schließt den Kreis.

Die Rechnung, die niemand sehen will: x10 in einem Jahr, x100 in fünf

Der unbequemste Teil der Debatte sind die Zahlen. Laut einer Berechnung im Thread hätte ein Anleger vor einem Jahr das Zehnfache erzielt; wer vor fünf Jahren investierte, das Hundertfache. Es genüge, 10 % herauszunehmen und den Rest liegen zu lassen. Gold hatte im gleichen Zeitraum denselben Wert. „Wenig zu verlieren, viel zu gewinnen“, fasst die Logik des aggressiven Anlegers gegenüber der defensiven Haltung des Metallhorters zusammen.

Das Gegenargument lautet, dass diese vergangene Rendite das Asset nicht validiert. Wie bei jedem Schneeballsystem gibt es Gewinner und viele Verlierer. Der Unterschied zwischen Investieren und Lotto spielen liegt genau darin. Und sobald Regierungen die kriminelle Nutzung regulieren, bröckelt das Kartenhaus.

Geld gegen Macht: Wer entscheidet, was wertvoll ist?

Einer der schärfsten Beiträge führt eine unbequeme Unterscheidung ein: Geld besitzen die, die auf Millionärslisten stehen, aber Macht haben jene, die entscheiden, ob Gold etwas wert ist. Diese Leute tauchen auf diesen Listen nicht auf. Der Krypto-Markt wäre absolut manipuliert, und kein Herrscher würde ein Asset ablehnen, dessen Preis mit wenigen Personen ausgehandelt werden kann.

Die Antwort lässt nicht auf sich warten: 2020 wurden 20 % aller umlaufenden Dollars gedruckt. Das aktuelle monetäre System, das Schulden mit neuen Schulden bezahlt, wäre die wahre Pyramide. Die Diskussion über Bitcoin ist im Grunde eine Diskussion über Fiat-Geld.

Der nicht-monetäre Nutzen

Jenseits des Austauschs taucht ein konkreter Nutzen auf: als Existenznachweis. Ein Richter könnte mit mathematischer Gewissheit die Existenz eines Objekts zu einem bestimmten Zeitpunkt und seine Zugehörigkeit zu einer Person beweisen, was früher vom Wort eines Notars abhing. Dies sei, so diese Strömung, wertvoller als alle Nutzungen des Goldes zusammen.

Auch die Nutzung in Ländern mit Hyperinflation wird erwähnt, wo die lokale Währung weniger nützlich ist als Bitcoin, um Kaufkraft zu sichern. Die Frage – was ist in Venezuela, Argentinien oder der Türkei nützlicher? – bleibt in der Debatte unbeantwortet.

Das verwirrende Ende

Die Diskussion endet ohne Einigung, wie sie begonnen hat. Die Befürworter des Wertspeichers warten darauf, dass sich Bitcoin als Standard festigt; die Kritiker erwarten den endgültigen Zusammenbruch. Währenddessen wirft jemand ein Datum hin, das niemand widerlegt: Die Europäische Zentralbank emittiert tokenisierte Schuldverschreibungen im Ethereum-Netzwerk. Die Technologie, die manche leugnen, ist bereits in den Bilanzen der Zentralbank.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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