Bischof schlägt fünf Tage im Boot für Kritiker der Migration vor
José Mazuelos, Bischof von Canarias, sorgte auf einer Pressekonferenz der Spanischen Bischofskonferenz (Conferencia Episcopal Española) in Madrid für Empörung mit folgender Aussage: „Viele Menschen sollte man fünf Tage lang in ein Boot setzen, sie im Atlantik treiben lassen, Tag und Nacht, ohne Nahrung, damit sie sehen, wie es ankommt.“ Laut dem Bericht von El Mundo argumentiert der Prälat, dass jene, die Migranten ablehnen, das Leid derer nicht verstehen, die den Atlantik überqueren. Seiner Ansicht nach widerspricht diese Ablehnung den Grundprinzipien der Solidarität und Empathie, die er als zentral für den christlichen Glauben betrachtet.
Der Vorschlag, formuliert als Übertreibung vom Kanzel aus, löste eine Reaktion aus, die viel über den aktuellen gesellschaftlichen Humor aussagt. Es gab kaum Verteidigung des Bischofs. Stattdessen folgten symmetrische Gegenvorschläge: Er solle in der Warteschlange für Sozialhilfe zuletzt stehen, sich eine WG-Wohnung in Madrid suchen, Strom und Hypothek von seinem Gehalt bezahlen oder selbst die Überfahrt machen. Die Umkehrung der Perspektive ist das am häufigsten wiederholte Argument.
Was genau sagte der Bischof von Canarias?
Mazuelos sprach bei der Bischofskonferenz in Madrid und kritisierte Kampagnen gegen Migrantengruppen, die nach lebensbedrohlichen Fluchten in Spanien eintreffen. Seine These: Wer solche Personen mit Abneigung behandelt, entfernt sich von Solidarität, Empathie und Hilfeleistung und behandelt sie letztlich unmenschlich.
Das gewählte rhetorische Mittel – fünf Tage im Boot als erzwungene Pädagogik – war der Auslöser. Der Satz schlägt keine konkrete Politik vor, wird aber so gelesen. Und hier beginnt das Problem.
Dominierender Gegenvorschlag: Er soll es selbst tun
Die Mehrheit reagierte mit einer Rückgabe des Balles. Man solle ihn beim Zugang zu Hilfen zuletzt stellen. Er solle in einem Zimmer einer Wohngemeinschaft leben. Er solle einen Job finden und Heizung, Strom und Essen aus eigener Tasche zahlen. Er solle die Überfahrt selbst machen. Diese Symmetrie ist kein Zufall: Sie ist der schnellste Weg darauf hinzuweisen, dass wer predigt, selten derjenige ist, der die Kosten trägt.
Ein wiederkehrender Aspekt, den man vom Lärm trennen sollte: Die Kritik richtet sich nicht gegen Nächstenliebe, sondern gegen die Verteilung ihrer Kosten. Der grundlegende Verdacht lautet, dass der Aufruf zur Aufnahme von einer Position aus erfolgt, die die alltäglichen Konsequenzen der Aufnahme nicht übernimmt.
Das Geschäft der Aufnahme und der Verdacht gegen Subventionen
Ein Teil der Debatte verschiebt den Fokus vom Bischof auf die Strukturen. Es wird argumentiert, dass die Kirche ein Hilfsnetzwerk aufgebaut hat, das ihr jährliche Einnahmen durch Subventionen für Organisationen, die mit Migranten arbeiten, beschert, was den Diskurs kontaminiere. Dies ist eine Anschuldigung, die ohne Beweis vorgebracht wird und daher im Bereich des Verdachts bleibt.
Solider begründet ist die These, dass sich die Kirche, ähnlich wie Arbeitgeberverbände, an die jeweilige Macht anpasst, um zu überleben. Dies ist eine zynische Lesart, aber dennoch eine Lesart.
Die theologische Kluft: Was sagt die Bibel über Arbeit und Klugheit?
Der Gegenangriff war nicht nur ökonomisch, sondern auch schriftgelehrter Natur. Man zitiert den zweiten Thessalonicherbrief: „Wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen.“ Zudem werde hinzugefügt, dass Müßiggänger ihr Brot durch ruhiges Arbeiten verdienen sollten.
Parallel werden Sprichwörter über Klugheit bei Gefahr („Der Kluge sieht das Unheil und versteckt sich“) und Sirach über die Grenzen der Gastfreundschaft herangezogen: Einen Fremden aufzunehmen kann Turbulenzen und Feindschaft innerhalb des eigenen Haushalts bringen. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist, dass die Doktrin eine bedingungslose, unüberlegte Aufnahme nicht unterstützt.
Das Zweite Vatikanische Konzil als Ausgangspunkt der Entwicklung
Große Teile des Unmuts verankern sich in den Jahren 1962-1965. Das Zweite Vatikanische Konzil wird als Nullpunkt eines Prozesses markiert: Es habe dogmatische Lasten abgeworfen, um mit der modernen Welt zu dialogisieren, und die moderne Welt habe es absorbiert. Dokumente wie Gaudium et Spes erscheinen in dieser Lesart als Kapitulationsurkunde.
Daraus leitet sich der Vorwurf der Unterwanderung – Logen, Freimaurerei, fremde Agenda – ab, der viele Antworten durchzieht. Dies ist eine unbegründete Behauptung, die man als das behandeln sollte, was sie ist: eine interne Verschwörungshypothese.
Die realen Kosten der Bootsfahrt: Benzin, Banden und Mutterschiffe
Es gibt eine materielle Einwand, der nicht ideologisch fundiert ist. Wenn die Reise fünf Tage dauert, woher kommt dann das Benzin? Die Frage deutet auf eine Realität hin, die in der Debatte selbst beschrieben wird: Viele Überfahrten sind keine fünf Tage Rudern allein, sondern Transport per Mutterschiff, wobei die letzten Stunden an Bord eines Rettungsschiffs der Küstenwache (Salvamento Marítimo) verbracht werden.
Daraus ergibt sich das unbequemste wirtschaftliche Argument: Wer Tausende Euro an ein Schlepper-Netzwerk zahlt, finanziert dieses Netzwerk. Dies ist kein Argument gegen den Migranten, sondern gegen das Modell. Und es ist das einzige Argument, das keinen Glauben an andere voraussetzt.
Der Satz des Bischofs hatte die Absicht, sarracena aufzurütteln. Er funktionierte jedoch als Spiegel: Jeder sah darin, was er bereits dachte. Eine unbeantwortete Frage bleibt – würden all jene, die Mitgefühl von der Kanzel fordern, die Aufteilung ihrer Rechnung akzeptieren? – sowie eine Tatsache, die niemand bestreitet: Keiner derer, die darüber sprechen, hat je fünf Tage in einem Boot verbracht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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