Bezos verspricht Millionen im All: Vision oder heiße Luft?

Jeff Bezos sagt voraus, dass in 20 Jahren Millionen Menschen im Weltraum leben werden. Physik und Ökonomie sehen das anders. Daten, Skepsis und das Geschäft mit dem Weltraumversprechen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bezos verspricht Millionen im All: Vision oder heiße Luft?
Bezos verspricht Millionen Menschen im Weltraum: Vision oder heiße Luft?

Jeff Bezos hat es wieder getan. Auf der Italian Tech Week in Turin, vor dem Stellantis-Verwaltungsratsvorsitzenden John Elkann und mit dem Ernst eines Mannes, der eine Gewissheit verkauft, erklärte er: „In den nächsten zwei Jahrzehnten werden Millionen Menschen im Weltraum leben." Das ist kein spontaner Einfall: Er rahmte es in seine These der „zivilisatorischen Fülle" ein, eine Zukunft, in der KI, Robotik und Weltraumwirtschaft zusammenwirken, um die Menschheit von der Erde zu holen. Ehrgeizig. Oder verrückt. Je nachdem, wen man fragt.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die Anlegergemeinschaft und überzeugte Skeptiker richteten den Blick dorthin, wo es wehtut: Physik, Ökonomie und Biologie. Denn vom Mond als Transitplattform zu träumen ist etwas ganz anderes, als ihn innerhalb von zwanzig Jahren in ein Wohnviertel zu verwandeln.

Bezos' Traum: Orbitale Rechenzentren und Mondkolonien

Bezos sprach nicht nur von Häusern im All. Der Kern seiner Vorhersage ist die Infrastruktur: In 10 bis 20 Jahren werden Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab die Erde umkreisen, rund um die Uhr mit Solarenergie versorgt und durch massive Radiatoren gekühlt. Die Logik ist einwandfrei: Die Rechenleistungsnachfrage wächst unbegrenzt, und die Erde hat ein Energie- und Wärmeproblem. Der Weltraum hingegen ist kalt und sonnig.

Die seriösesten Analysen räumen ein, dass die Debatte von „ob" zu „wann" kippen wird, wenn die Kosten pro gestartetem Kilo weiter sinken. Aber die Massenbilanz ist brutal: Millionen Quadratmeter Paneele, Zehntausende Tonnen, die in die Umlaufbahn gebracht werden müssen. Andere rechnen vor, dass der Mond derzeit nur als „Weltraumtankstelle" interessant ist, als Zwischenstation Richtung Mars oder Asteroiden. Die massenhafte Kolonisierung sei, so diese Denkrichtung, ein Projekt auf 100 Jahre, nicht auf 20.

Die Thermodynamik, diese Sture

Hier kollidiert die Erzählung mit der Physik. Manche bringen es auf einen Satz: „Die Thermodynamik ist sehr stur." Etwas im Weltraum herzustellen wird immer teurer sein als auf der Erde: Die Energie, die nötig ist, um die Schwerkraft zu überwinden, ist nicht verhandelbar. Deshalb klingt die Idee, im Orbit hergestellte Waren zu „importieren", nach einer lächerlichen Volkswirtschaft. Und auch die Biologie hilft nicht: Der menschliche Körper ist weder für Mikrogravitation noch für kosmische Strahlung gemacht. Ohne Magnetfeld und dichte Atmosphäre ist Leben im offenen Weltraum unmöglich. Man müsste in unterirdischen Kolonien oder gepanzerten Strukturen leben, und selbst dann sind die Kosten, einen Menschen außerhalb der Erde gesund zu halten, heute untragbar.

Wahn oder Finanzierungsstrategie?

Die Skepsis ist nicht nur wissenschaftlich. Eine Denkrichtung sieht darin reines interstellares Marketing: Tech-Milliardäre müssen eine glänzende Zukunft verkaufen, um ihre Megaprojekte vor Staat und Großkapital zu rechtfertigen. Es ist kein Zufall, dass Amazon und Blue Origin seit Jahren öffentliches und privates Geld für „die neue Grenze" einsammeln. Das Geschäft ist nicht der Weltraum, sondern das Versprechen des Weltraums.

Und währenddessen bleiben die Probleme auf der Erde irdisch: Wohnungsbau, Staatsschulden, Ungleichheit. Fragt mal diejenigen, die sich angesichts der explodierten Quadratmeterpreise fragen, ob es in zwanzig Jahren billiger sein wird, im Orbit zu kaufen als in einem einfachen Arbeiterviertel Madrids wie Carabanchel.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (85 Antworten).

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