Betriebswirtschaftslehre: Karrierechancen, Gehälter und Streit im Forum

Absolventen von BWL und Volkswirtschaftslehre in Spanien konkurrieren um dieselben Jobs, die Konkurrenz ist brutal. Manche geben Gehälter von 50.000 bis 500.000 Euro an, und niemand glaubt ihnen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Betriebswirtschaftslehre: Karrierechancen, Gehälter und Streit im Forum
BWL: Lohnt sich das Studium oder ist es ein Ticket in die Prekarität?

Führt ein BWL-Studium wirklich zu einem Job? Die Frage, gestellt von einem Studenten der EHU/UPV (Universität des Baskenlandes) mit C1-Englischzertifikat des British Council und C2 als Ziel, hat rund tausend Antworten hervorgerufen, die von Verachtung bis zu leidenschaftlicher Verteidigung reichen. Was dabei zutage tritt, ist keine eindeutige Antwort, sondern ein unbequemes Porträt des spanischen Arbeitsmarktes für Absolventen der Wirtschaftswissenschaften.

Gibt es einen Unterschied zwischen BWL und VWL?

Praktisch gesehen: fast keinen. Die Überschneidung ist enorm: Verwaltung, Personal, Finanzkontrolle und – nur für BWL-Spezialisierungen – Marketing. Die Unterschiede zeigen sich in sehr konkreten Nischen – Banken und der öffentliche Sektor bevorzugen tendenziell VWL –, aber darüber hinaus konkurrieren beide Studiengänge um dieselben Stellen. Die häufigste Antwort lautet: Auf den Abschluss kommt es weniger an als auf das, was man daraus macht.

Die Mauer der Konkurrenz

Die härteste Diagnose lautet: Übersättigung. "Tritt gegen einen Stein, und 30 BWL-Absolventen springen heraus", fasst ein Teilnehmer zusammen, der sein Studium mit Wirtschaftsinformatik ergänzt hat und sagt, es sei ihm gut ergangen. Das breite Profil ist ein zweischneidiges Schwert: Es öffnet viele Türen, vervielfacht aber auch die Konkurrenz um jede Stelle. Englisch unterscheidet niemanden mehr: Es ist das absolute Minimum. Wer auffallen will, braucht eine zweite Sprache – Deutsch, Arabisch, Chinesisch – oder eine klare Branchenspezialisierung: Tourismus, Gesundheitswesen, Technologie, Pharmaindustrie.

Die Gehälter, die angegeben werden, und die, denen man glaubt

An diesem Punkt kippt der Austausch. Ein Absolvent behauptet, sein Gehalt liege bei rund 50.000 Euro – im Homeoffice. Ein anderer antwortet, er bekomme 40.000 fest plus 40.000 variabel und komme, wenn er seine Nebentätigkeiten einrechne, auf über 500.000. Der Unglaube ist sofort da: "Ehrlich gesagt glaube ich euch eure Gehälter nicht", stellt ein Skeptiker fest. Der Gegenangriff kommt mit Lebenslauf: CPE, 120 im TOEFL, 750 im GMAT, CFA Level 3. Die Diskussion verläuft sich in der Frage, wer recht hat – ohne dass jemand einen Gehaltszettel vorlegt.

Der Weg in den öffentlichen Dienst und die Drehtür

Das Staatsensstaat für den Técnico de Hacienda (spanisches Auswahlverfahren für Steuerinspektoren) taucht immer wieder als Zufluchtsort auf. "Wenn du es mit dem Examen kombinierst, hast du ein Top-Profil", meint jemand, der angeblich im Schlafanzug arbeitet. Andere relativieren: Das ist kein einfacher Weg – manche sind bei zwei Anläufen durchgefallen und suchen weiter eine Stelle in der Privatwirtschaft. Steuerfachliches Wissen wertet allerdings in jedem Unternehmen auf, selbst wenn man das Examen nicht besteht.

Vitamin B als universelle Erklärung

Der häufigste Vorwurf ist Nepotismus: Studiengänge, die dazu dienen, den Sohn, Neffen oder Cousin des Chefs in Positionen mit wenig Verantwortung unterzubringen. Die Verteidigung folgt umgehend: "Gibt es Ihrer Meinung nach überhaupt einen ehrlichen Beruf?" Der Ton wird schärfer, aber es bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Der Eindruck, dass Leistung weniger zählt als Beziehungen.

Selbstständigkeit: der Ausweg, den niemand erwähnt

Nach mehreren Seiten wirft jemand die fehlende Binsenweisheit ein: "GRÜNDE EIN UNTERNEHMEN." Ein Thread über Berufsaussichten eines BWL-Studiums – und niemand war auf die Idee gekommen, selbst eines zu führen. Die Antwort kommt sofort: Sich in Spanien selbstständig zu machen, ist schwieriger als eine Runde auf dem Nürburgring im Hagelschauer. Ein anderer Teilnehmer rechnet vor, dass 1.000 Euro, ein Computer und ein Internetanschluss reichen müssten, um etwas aufzubauen; man antwortet ihm, 990 davon seien zu viel.

Die letzte Wendung: der Studiengangswechsel

Der ursprüngliche Fragesteller kehrt Jahre später mit einem Update zurück: Er ist auf VWL gewechselt und ist "überglücklich mit dem Wechsel". Er plant ein Masterstudium in den Grundlagen der ökonomischen Analyse – Ökonometrie, Mikro und Makro –, bevor er sich dem Arbeitsmarkt stellt. Das Geständnis verblüfft: Wer nach den Berufsaussichten von BWL gefragt hat, suchte sie am Ende durch eine andere Tür. Und der Thread hat, 4.651 Tage später, immer noch keine Antwort, die für alle gilt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (57 Antworten).

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