Benzinpreise fressen Lohn: Arbeit lohnt sich kaum noch

Zwei von zehn Euro des Monatslohns eines Geringverdieners gehen für Benzin drauf. Da die Miete bereits 54 % des Gehalts verschlingt, lohnt sich der Weg zur Arbeit oft nicht mehr.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Benzinpreise fressen Lohn: Arbeit lohnt sich kaum noch
Arbeiten, um das Benzin zu bezahlen: Die Rechnung geht nicht mehr auf

Tausend Euro im Monat verdienen und zwei von zehn davon für Benzin ausgeben. Dann bleiben 800 Euro für alles andere, doch in Katalonien frisst die Miete bereits 54 % des Gehalts. Mit diesen Zahlen ist es keine Pose, wenn Arbeitnehmer mit niedrigen Löhnen überlegen, ihren Job zu kündigen: Es ist reine Arithmetik. Mehr als 80 Kilometer täglich mit dem Auto zurückzulegen, kostet über 400 Euro pro Monat – eine Rechnung, die fast die Hälfte des spanischen Mindestlohns (Salario Mínimo Interprofesional) auffrisst. Diese Paradoxie besteht seit Jahren. Neu ist nur, dass immer mehr Menschen sie laut aussprechen.

Was kostet der tägliche Arbeitsweg mit dem Auto pro Monat?

Der tägliche Pendelverkehr ist der erste Posten, der das Gehalt sprengt. Über 80 Kilometer am Tag bedeuten allein für Kraftstoff mehr als 400 Euro monatlich. Bei Benzinpreisen nahe zwei Euro pro Liter ist die Subtraktion gnadenlos: Für ein Gehalt von tausend Euro nimmt das Auto einen großen Teil dessen weg, was nach Steuern tatsächlich verfügbar bleibt.

Manche argumentieren, dass viele Unternehmen dies bereits erkannt haben und bezuschusste Busse zu abgelegenen Industriegebieten anbieten – nicht aus Großzügigkeit, sondern damit die Belegschaft nicht kündigt. Andere erinnern daran, dass ein eigenes Auto zum Arbeitsplatz bei niedrigen Löhnen nie wirklich rentabel war und dass die steigenden Spritkosten nur die Rechnung erzwingen, die man früher vermied. Ein Beispiel, das in solchen Diskussionen kursiert: Eine Stelle ablehnen, die 55 Minuten Fahrzeit pro Strecke erfordert, und stattdessen eine nehmen, die nur eine halbe Stunde entfernt ist. Die Zeit und das Benzin, die unterwegs verloren gehen, kommen nie zurück.

Warum wiegt die Miete schwerer als das Benzin in der Haushaltsrechnung?

Die Kraftstoffkosten schmerzen, aber es gibt einen größeren Posten, der selten Schlagzeilen macht. Die Mietkosten verschlingen 54 % des Gehalts katalanischer Arbeitnehmer, der höchste Anteil in ganz Spanien. Für einige Teilnehmer ist genau das der Grund, warum man 80 Kilometer bis zur Arbeitsstelle fahren muss: Wohnraum in der Nähe von Beschäftigungszentren ist unbezahlbar.

Die Folge ist, dass Wohnungen, die über dreißig Jahre alt sind, ohne Aufzug und damals für den Gegenwert weniger Tausender Pesetas gekauft wurden, heute für 800 oder 1.000 Euro pro Monat vermietet werden. Demgegenüber steht die Ansicht, dass der Kaufkraftverlust weder vom Spritpreis noch von der internationalen Konjunktur herrührt, sondern vom Mietmarkt. In der härtesten Version, die in Foren wiederkehrt, transferiert der Vermieter jeden Monat eine feste Rente von denen, die arbeiten, zu denen, die die Immobilie bereits besitzen.

Die „Great Resignation“ erreicht Spanien mit Stundenlöhnen von 22,9 Euro

Das Phänomen hat einen importierten Namen. Es heißt Great Resignation (Große Kündigungswelle) und beschreibt Arbeitnehmer, die ihren Job aufgeben – oder ihn gar nicht erst suchen –, wenn das Gehalt die Kosten der Ausübung nicht deckt. In Spanien klafft eine doppelte Lücke: Die Arbeitskosten pro geleisteter Stunde betragen 22,9 Euro, verglichen mit 37,9 Euro in Frankreich, was dazu führt, dass Unternehmen hier etwa 1,6-mal weniger zahlen. Gleichzeitig ist Benzin teurer als in Frankreich oder Deutschland, und Industriestrom ist der teuerste in Europa.

Hinzu kommt eine akkumulierte Inflation von nahezu 14 %, die die Kaufkraft auf das Niveau von 2015 zurückgeworfen hat. Als Reaktion wurde ein Gesetzesvorschlag eingereicht, um die Gehälter aller Arbeitnehmer, die weniger als das Dreifache des Mindestlohns verdienen, an die Inflationsrate (IPC) anzupassen. Dies würde einen Teil der Diskrepanz korrigieren. Es würde jedoch weder die Mieten noch die Spritpreise berühren. Für jene, die es können, liegt der Ausweg woanders: In den Threads berichten Menschen, die in andere europäische Länder gezogen sind – einer sogar nach Polen – und beschreiben dort sogar privatärztliche Versorgung, die vom Arbeitgeber bezahlt wird. Das ist keine Option für jemanden, der mit einem Tausend-Euro-Gehalt an sein Auto und seine Wohnkosten gebunden ist.

Lohnt sich öffentliche Unterstützung mehr als ein Gehalt von tausend Euro?

Eine Nebenwirkung dieses Themas ist der Vergleich zwischen Arbeiten und Leben von Sozialleistungen. Mit einer Hilfe wie dem Ingreso Mínimo Vital (Mindesteinkommen), das in diesen Berechnungen bei etwa 550 Euro liegt, ohne Benzinkosten, ohne Essen außer Haus und ohne Pendelzeiten, berechnen manche, dass die Waage sich ausgleicht oder sogar zugunsten des Nichtarbeitens ausschlägt. Diese Berechnung berücksichtigt jedoch nicht das, was eine Beschäftigung tatsächlich bringt: Beiträge zur Rentenversicherung, Ansammlung zukünftiger Ansprüche und eine Karriere, die sich nicht improvisieren lässt.

193 Tage gratis arbeiten und das Auto als unerwünschtes Gut

Laut der Fundación Civismo (Civismo-Stiftung) benötigen Spanier 193 Tage – bis zum 29. Juli des Geschäftsjahres 2023 –, um ihre Steuerpflichten zu erfüllen. Mehr als sechs Monate Arbeit fließen vollständig in Steuern. Diese Statistik ist zum wiederkehrenden Argument für jene geworden, die behaupten, das Problem sei nicht nur das Verdiente, sondern das, was unterwegs abgezogen wird.

Parallel dazu hat sich die offizielle Mobilitätsrhetorik gewandelt. Die Regierung hat Kürzungen beim Privat-Pkw in ihrem Energieplan angekündigt, mit der Begründung, dass er „Kosten verursacht, die die Gesellschaft nicht tragen kann“, und hat sogar angeregt, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Der Kontrast wird immer wieder durch Zahlen unterstrichen, die in den Threads kursieren: Spanien besitzt rund 40.000 Dienstwagen, während es in den USA nur 412 sind; es wurden 36 zusätzliche Fahrer für eine Flotte von 638 Fahrzeugen eingestellt und drei Elektrofahrräder für 13.800 Euro angeschafft.

Bei zwei Euro pro Liter im Tank, einer Miete, die die halbe Lohnabrechnung frisst, und einer der niedrigsten Arbeitskosten im Umfeld stellt sich nicht mehr die Frage, ob sich das Strampeln lohnt. Sondern: Wie stark muss der Benzinpreis steigen – oder wie stark müssen die Mieten fallen –, damit wir aufhören, uns diese Illusion zu machen.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (216 Antworten).

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