Baskenland: Hohe Einkommen trotz Unzufriedenheit

Das Baskenland verzeichnet das zweithöchste Pro-Kopf-Einkommen Spaniens, steht aber wegen Preisen und Politik in der Kritik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Baskenland: Hohe Einkommen trotz Unzufriedenheit
Baskenland: Zweithöchstes Einkommen, verbreitetes Unbehagen

Wie erklärt es sich, dass die Region mit dem zweithöchsten Pro-Kopf-Einkommen Spaniens bei Besuchern ein Unbehagen hinterlässt, das den gesamten Aufenthalt begleitet? Ein Reisender, der sie gerade durchquert hat, berichtet offen: Alles ist fortschrittlicher als im Rest des Landes, ja, aber düster und leblos, sobald man Bilbao verlässt. Die Dörfer, sagt er, erinnerten ihn an die Bilder aus den Nachrichten während der Ära der Attentate. Das Baskenland verkauft Modernität und verträgt keine Kritik. Beides trifft gleichzeitig zu.

Warum hat das Baskenland das zweithöchste Pro-Kopf-Einkommen Spaniens?

Weil sein industrieller Vorsprung fast allem vorausging. Manche behaupten, die Region war bereits vier Jahrhunderte vor der Gründung der PNV industrialisiert, und der entscheidende Schub kam im 19. Jahrhundert, als staatlicher Protektionismus Bilbao und Barcelona – liberale Städte in karlistischen Gebieten – auf Kosten der atlantischen Wirtschaften Galiziens und Andalusiens begünstigte. Diese Erzählung hat eine unbequeme Konsequenz: Ein großer Teil des baskischen Reichtums entstand nicht durch Autonomiebestrebungen, sondern durch Entscheidungen anderswo. Und dann kam der Nationalismus und schrieb sich das Ergebnis zu.

El Concierto Económico: Warum niemand an der Kasse rüttelt

Mit dem zweithöchsten Pro-Kopf-Einkommen Spaniens liegt die Schlussfolgerung auf der Hand. Wer ein funktionierendes Geschäft hat, zerlegt es nicht. Dies ist das Argument eines Teilnehmers: Niemand wird die Finanzquelle zerstören, die sowohl die Verwaltung als auch die politische Hegemonie finanziert.

Vierzig Jahre nationalistischer Kontrolle und der Vergleich mit Madrid

Hier taucht die für die offizielle Darstellung unbequemste Kritik auf: Wir haben 40 Jahre nationalistische Kontrolle hinter uns, und Madrid hat Abstand gewonnen, obwohl die Region sie längst hätte überholen müssen. Die Idee, dass identitäre Vorurteile eine Spitzenwirtschaft belasten, koexistiert mit der Gegenposition, dass sie ohne diese Lasten eindeutig die beste Zone Spaniens wäre. Und einer dritten, differenzierten Sicht: Abgesehen vom Essen, einem vernünftigen Management und den Landschaften gibt es dort wenig Positives. Drei Diagnosen, eine Region im Zentrum der Kritik.

Wohnungskosten, Gastronomie und die Behandlung durch Einheimische

Die Zeugnisse von Menschen, die dort beruflich gelebt haben – fast zwei Jahre in Bilbao in einem Fall – betonen immer wieder dasselbe: graue Menschen, teure Gastronomie und explodierende Wohnkosten. Die imaginäre Grenze liegt in Kantabrien: Der Wechsel nach Castro Urdiales, sagen sie, ändere das Gefühl. Dem gegenüber steht das Beispiel ausländischer Touristen, die die Einheimischen als aufmerksam und freundlich beschreiben. Und eine Szene in einer Sidrería in San Sebastián, wo jemand eine halbe Stunde über Franco sprach mit einem Gast, der nur zu Abend essen wollte. Das Stereotyp wirkt in beide Richtungen: Auch wer nach dem Busbahnhof fragte, erhielt überraschend freundliche Hilfe.

Ist der baskische Nationalismus geschwächt oder gewinnt er Stimmen?

Das hängt davon ab, wen man fragt, und beide Antworten stehen im Raum. Eine Strömung behauptet, der Souveränismus löse sich auf, der Punkt des Nicht-Zurückkehrens sei überschritten und die Pandemie habe ihn gone with the wind gemacht: weniger Menschen, ältere Wählerschaft, kein Impuls wie vor acht Jahren. Die andere Antwort liefert Daten anderer Größenordnung – immer mehr Stimmen in Euskadi, ein verstecktes wirtschaftliches Abkommen in Katalonien, eine zunehmend nicht-nationalistische Außenpolitik – und schlussfolgert, dass der Staat als Kontrollinstanz schwächer wird. Keine der beiden Positionen hat sich durchgesetzt.

Bleibt die alte Frage: Wenn es nur ums Geld ginge, müsste sich die Region mit dem zweithöchsten Einkommen Spaniens nicht so sehr verteidigen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (315 Antworten).

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