BASF-Erbin verzichtet auf Milliarden

Marlene Engelhorn lehnt 90% eines 4-Milliarden-Dollar-Erbes ab. Die Zahlen passen nicht, die Geschichte stützt sich auf ein Zitat.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

BASF-Erbin verzichtet auf Milliarden
Sie verzichtet auf 90% eines 4-Milliarden-Dollar-Erbes und behält 200 Millionen

August 2022. Marlene Engelhorn ist 29 Jahre alt, studiert Germanistik in Wien und lehnt 90% eines Erbes im Wert von 4 Milliarden US-Dollar ab, das ihre Familie über mehr als ein Jahrhundert in der Chemie- und Pharmabranche aufgebaut hat. Sie behält 200 Millionen. Die Schlagzeile, die die Nachricht begleitet, stammt von ihr: „So viel Geld macht dich nicht glücklich.“ Die runde Zahl ist das am wenigsten Plausible an der Sache. Das zweite ist das Zitat.

Was ist über das Erbe der Engelhorns bekannt?

Das Vermögen stammt von BASF, dem größten Chemieunternehmen der Welt. Ihre Großmutter Traudl Engelhorn steht laut Forbes auf Platz 687 der reichsten Menschen der Welt. In der Erzählung tauchen auch Curt Clover Engelhorn, gestorben 2016, und der Verkauf von Boehringer Mannheim an den Schweizer Roche-Konzern 1997 als Ursprung eines großen Teils des Vermögens auf.

Engelhorn bezeichnet sich als privilegiert und hat kein Problem mit dem Begriff „reichem Mädchen“. Ihr öffentliches Anliegen ist eines: Reiche sollen mehr Steuern zahlen, um eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Dies vertrat sie im Mai 2022 beim World Economic Forum in Davos und in einem BBC-Interview mit einem Argument, das die Dimension der Debatte zeigt: 250 Millionen Menschen, die in diesem Jahr in extreme Armut gestürzt wurden.

Warum sind 10% von 4 Milliarden keine 200 Millionen?

Weil die veröffentlichte Arithmetik nicht aufgeht. 10% von 4.000 sind 400, nicht 200. Die häufigste Erklärung lautet, dass die 200 Millionen Bargeld sind – und zwar nach Steuern –, während der Hauptteil des Vermögens aus Aktien besteht: Milliarden in Wertpapieren zu haben, entspricht nicht dem Halten dieser Summe in liquiden Mitteln. Die Rechnung, bei der 200 von 4.000 übrig bleiben, ist kein 10%-Anteil, sondern ein Zwanzigstel. Und das klingt seltsam in einer Nachricht über Großzügigkeit.

Kann man nur 200 Millionen eines Erbes annehmen?

Der Artikel klärt dies nicht, und hier liegt einer der Brüche in der Sache. Es wird behauptet, Erbschaften ließen keine teilweise Annahme zu: Man nimmt an oder schlägt aus, es gibt keinen Mittelweg. Wenn diese Regel auch hier gilt, benötigt die Transaktion eine juristische Erklärung, die nirgendwo auftaucht. Hinzu kommt eine weitere berechtigte Zweifel: Solange die Großmutter noch lebt, ist die Nachfolge nicht abgeschlossen, und von einem angenommenen oder ausgeschlagenen Erbe zu sprechen, ist zumindest verfrüht.

Rentierin mit 200 Millionen oder Managerin mit 4 Milliarden?

Es gibt zwei Lesarten, und keine ist naiv. Die erste: Sie behält das liquide Geld und entledigt sich der Aufsichtsräte, Spannungen und unbequemen Entscheidungen, die sie selbst im Interview beschreibt. Keine Verwaltung eines Unternehmens mit mehr als 100.000 Mitarbeitern. Nur vom Vermögen leben.

Die zweite: Wer die Kontrolle über einen Industriekonzern erbt, erhält nicht nur Dividenden, sondern entscheidet auch über Beschäftigung, Investitionen und Standorte. Geld verschenken baut nichts auf, so das Argument; was Familien trägt, ist die produktive Tätigkeit. Eine dritte Gruppe widerspricht: Niemand spreche vom Verschenken. Das Unternehmen würde weiterhin unter seiner Geschäftsführung und mit einem anderen Familienmitglied an der Spitze operieren.

Der Verdacht auf Schleichwerbung

Es mangelt nicht an Stimmen, die die Nachricht als verdeckte Propaganda lesen. Der Satz, der dieses Misstrauen zusammenfasst, ist einfach: Wenn der Artikel kostenlos ist, bist du das Produkt. Es wird vermutet, dass die Darstellung den Weg für strengere Erbschaftssteuern für mittlere und niedrige Einkommen ebnet, während große Vermögen tausend Wege finden, sie zu umgehen. Es ist ein Verdacht, kein Beweis, und sollte als solcher behandelt werden.

Aber die Darstellung nährt das Misstrauen: Wer auf 4 Milliarden verzichtet und 200 behält, ist kein Beispiel für Askese. Es ist, bestenfalls, ein Beispiel für Bequemlichkeit.

Was würden andere mit 3,8 Milliarden tun?

Alles annehmen und die Differenz spenden, wie man entscheidet. Eine Stiftung gründen und jeden Euro verteilen. Eigene Projekte finanzieren. Jeder dieser Wege bewahrt die Kontrolle darüber, wohin das Geld fließt – etwas, das der reine Verzicht der Familie und ihrer Struktur überlässt. Die Kernfrage ist nicht, wie viel man behält, sondern wer entscheidet, was mit dem Gespendeten geschieht.

Und genau dort stockt alles. Es ist unklar, wie viel Vermögen sie bereits zuvor besaß, welche exakte Formel für den Verzicht galt und wer die hinterlassenen 3,8 Milliarden kontrolliert. Der einzige harte Fakt bleibt die Schlagzeile: 200 Millionen und ein Satz über Glück.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (140 Antworten).

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