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Mercadonas 'Kantabrische' Sardellen in Marokko abgefüllt
Mercadona behauptet, seine Sardellen stammten aus der Biskaya, doch sie werden in Marokko abgefüllt. Die Verpackung zeigt die FAO-Zone 34 statt der kantabrischen Zone 27.
Die Kontroverse begann mit einer Nachricht auf den Social-Media-Kanälen von Mercadona: "Die Sardellen stammen aus dem Kantabrischen Meer und unser Lieferant verfügt über Herkunftszertifikate. Diese Filets werden im marokkanischen Werk des Lieferanten Francisco Gil Comes (Castellón) abgefüllt, weshalb als Abfüllort Marokko angegeben ist, wie es die Vorschriften verlangen." Die Antwort des Unternehmens, veröffentlicht neben einem Bericht von Vozpópuli, löst eine seit Jahren wiederkehrende Debatte aus: Der Fisch mag zwar aus dem Kantabrischen Meer stammen, aber die Dosen kommen aus einer Fabrik in Marokko, die einem Anbieter aus Castellón gehört. Diskutiert wird nicht die Herkunft des Fisches, sondern was der Kunde im Regal liest.
Was das Etikett genau aussagt
Der entscheidende Befund ist, dass das Wort "Kantabrisch" nicht auf der Dose selbst steht. Es erscheint nur auf dem Preisschild und dem Regalaufsteller. Auf der Verpackung ist lediglich der Abfüllort vermerkt: Marokko. Manche fassen dies präzise zusammen: "Das Kuriose ist, dass auf der Dose nichts vom Kantabrischen steht... nur auf dem Preisschild, aber die Dose lügt nicht." Diese Unterscheidung zwischen Schild und Produkt trägt einen Großteil des Falls.
Die europäische Gesetzgebung verpflichtet zur Angabe des Fanggebiets anhand des FAO-Codes. Hier liegt das technische Detail, das am häufigsten genannt wird: Das Kantabrische Meer entspricht der FAO-Zone 27, während die Verpackung die FAO-Zone 34 anzeigt, die nicht das Kantabrische Meer ist. Diese Behauptung beruft sich auf baskische Vorschriften, die nur die FAO-Zone 27 als Kantabrisches Meer identifizieren und festlegen, dass Santoña-Sardellen in Kantabrien verarbeitet werden müssen.
Evokative Markenführung und rechtliche Grenzen
Die stärkste Verteidigung des Unternehmens lautet, dass keine formale Lüge vorliegt. "Sie lügen schon. Aber sie tun es legal", fasst eine Analyse zusammen, die zwischen vertraglich gültigen Angaben – Zutatenliste und FAO-Zonen – und dem restlichen Etikett unterscheidet, wo fast alles erlaubt ist. Würden sie "g.U. Cantábrico" schreiben, wäre es Betrug, da diese Bezeichnung nicht existiert; auch "Sardellen aus dem Kantabrischen" wäre problematisch. Der Schlüssel liegt in der evokativen Marke: ein Name, der eine Herkunft suggeriert, ohne sie zu behaupten.
Im Gegensatz dazu definiert das Werbegesetz irreführende Werbung als jede Darstellung, die Empfänger in die Irre führt oder führen kann und ihr wirtschaftliches Verhalten beeinflussen oder Wettbewerber schädigen könnte. Das bedeutet, dass die Präsentation – das Schild, die Platzierung, der Name – ebenso entscheidend sein kann wie das Kleingedruckte. Die Diskussion dreht sich genau darum, ob die bloße Evokation ausreicht, um Irrtümer zu wecken.
Wie man erkennt, wer Konserven wirklich abfüllt
Die nützlichste Methode in der Diskussion ist das ovale Gesundheitszeichen. Alle tierischen Produkte, die innerhalb der Europäischen Union hergestellt werden – Fleisch, Eier, Milch, Fisch – tragen ein ovales Zeichen mit dem Land oben und der Zulassungsnummer sowie der Provinz in der Mitte. Mit dieser Nummer kann man die offizielle RGSA-Datenbank durchsuchen und das Unternehmen finden, das Joghurt, Milch, Wurstwaren oder Eigenmarkenkonserven herstellt. Fehlt dieses ovale Zeichen, wurde das Produkt außerhalb eines EU-Landes hergestellt. Bei den Sardellen ist das Fehlen des Siegels der erste Hinweis.
Das Geschäft der Verlagerung der Konservenindustrie
Der Hintergrund ist industrieller Natur, nicht nur etikettenbezogen. Die Konservenfabriken im Kantabrischen Gebiet verlagern ihre Werke seit Jahren nach Marokko, um höhere Gewinne zu erzielen. Der Fisch wird im Kantabrischen Meer gefangen, zum Abfüllen ins Ausland geschickt und kehrt dann nach Spanien zurück, um dort verkauft zu werden, sogar in Kantabrien. Die Paradoxie wird ungeschminkt zusammengefasst: Das Problem der Umweltverschmutzung besteht darin, mit einem zehn Jahre alten Auto in die Madrider M30 einzufahren, während der Fisch zweimal die Straße von Gibraltar überquert, um im selben Regal zu landen.
Manche berichten von direkten Einkaufserfahrungen im Industriegebiet von Estepona, wo der Lieferant 50-Kilo-Fässer erhält, die später in 3- und 5-Kilo-Formate abgefüllt werden, mit sichtbarem Herkunfts-Etikett. Früher konnte man online kaufen; jetzt wird nicht mehr versandt.
Verpackung, Preis und der alte Verdacht
Die Kritik beschränkt sich nicht auf die Herkunft. Angezweifelt werden das Format – eine Plastikverpackung, die angeblich teurer ist als das Glasjar – und der Inhalt: "Sie sagen, es sei Olivenöl, aber der Brei ist praktisch transparent." Das Misstrauen erstreckt sich auf die gesamte Kette: Der Thunfisch, der in Spanien ankommt, stammt laut dieser Sichtweise von weit entfernten Fanggründen, und sein Preis hat sich verdreifacht, bis er dem von kleinen Fischen gleicht.
Es gibt eine gewisse Wiederholermüdung. "Diese Geschichte mit den Mercadona-Sardellen wiederholt sich öfter als Knoblauch. Die Sache mit Fangzone und Abfüllzone ist seit Jahren dieselbe und wird immer als neue Nachricht verkauft." Die Kontroverse kehrt regelmäßig zurück, mit denselben Daten und denselben Etiketten.
Warum Mercadona und nicht andere Supermärkte?
Der Verdacht einer ungleichen Behandlung schwebt über dem Fall. Die unbequemeste Kritik richtet sich nicht gegen das Unternehmen, sondern gegen den Fokus: Nur Mercadona taucht bei solchen Themen auf, während andere Ketten mit anderen Eigentümern der Medienaufmerksamkeit entgehen. Wenn das Problem das Etikett ist, betrifft es die ganze Branche; wenn es die Marke ist, ist die Diskussion eine andere.
Offen bleibt die Berechnung, wie viel dieses Differentials der Herkunft in den Endpreis fließt und wie viel in der Kette verbleibt. Eine vollständige Aufschlüsselung, Posten für Posten, fehlt weiterhin.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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