Bachmut und Dnepr-Staudamm: Krieg gemessen in Monaten, nicht Kilometern

Russland brauchte elf Monate für die 20 Kilometer zwischen Popasna und Bachmut. Die Donbass-Front wird durch Abnutzung definiert, nicht durch eroberte Gebiete.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Bachmut und Dnepr-Staudamm: Krieg gemessen in Monaten, nicht Kilometern
Elf Monate für 20 Kilometer: Die Arithmetik, die Russland in Bachmut bremst

April 2023. Die Donbass-Front ist zu einem Belastungstest geworden, bei dem jedes Dorf zählt und jeder Monat schwerer wiegt als jeder eroberte Kilometer. Die ukrainische Verteidigung in Bachmut hält stand, die Ukraine hat den Staudamm am Dnepr geschlossen, und der russische Vormarsch, gemessen mit der Stoppuhr, ergibt eine unbequeme Zahl: Zwischen Popasna und Bachmut liegen 20 Kilometer, und Russland hat elf Monate gebraucht, um sie zurückzulegen. Die Stadt ist noch nicht gefallen.

Die Frage, die über jeder Analyse schwebt, lautet nicht mehr, wer Gelände gewinnt, sondern wer zuerst durchhält. Und die Zahlen lächeln niemandem zu.

Von Popasna nach Bachmut: 20 Kilometer und elf Monate

Die häufigste Berechnung in Frontanalysen geht von einer konkreten Distanz aus. Zwischen Popasna und Bachmut liegen 20 Kilometer, und alles, was den russischen Vormarsch aufhielt, war eine Stadt mit etwas mehr als 10.000 Einwohnern. Die Russen haben elf Monate benötigt, um diese Strecke zurückzulegen, und Bachmut fällt immer noch nicht. Würde man dieses Tempo auf den nächsten Abschnitt übertragen, zwischen Bachmut und Kramatorsk-Slowjansk – fast 27 Kilometer, mit Tschassiw Jar, einer Stadt mit mehr als 12.000 Einwohnern, dazwischen –, könnte der Vormarsch mehr als anderthalb Jahre dauern.

Manche behaupten, diese Berechnung ignoriere den Kontext. Als Popasna am 7. Mai fiel, gab es einen schnellen Vorrücken nach Westen von etwa 12 Kilometern in einem Monat und 15 bis 20 Kilometern in zwei Monaten. Nach vier Monaten standen die russischen Streitkräfte bereits vor den Toren von Bachmut. Ab September verlangsamte sich der Vormarsch, weil Kräfte abgezogen werden mussten, um die ukrainische Gegenoffensive aufzuhalten. Das Grundargument: Der Fehler Russlands war die fehlende Mobilisierung zu Beginn der Invasion, und dieses Problem ist nun gelöst.

Warum ist Bachmut wichtig, wenn dahinter keine großen Städte liegen?

Zwischen Bachmut und Kramatorsk-Slowjansk gibt es nur kleine Siedlungen, so eine der gängigsten Lesarten. Die strategische Bedeutung liegt nicht in der Urbanisierung, sondern in der Höhe: Bachmut liegt auf etwa 200 Metern über dem Meeresspiegel, während die beiden verbleibenden Großstädte in Donezk bei rund 100 Metern liegen. Dieser Höhenunterschied verschafft demjenigen, der die Anhöhe kontrolliert, einen Artillerievorteil und erklärt die Beharrlichkeit Russlands, sie einzunehmen.

Die andere Seite ist die Abnutzung. Die ukrainische Verteidigung in Bachmut zielt nicht darauf ab, Gelände zurückzugewinnen, sondern den Gegner zu verbrauchen. Hier kommt die Zeit ins Spiel, die laut einigen Analysen aufgrund der reinen Demografie für Russland spricht: Eine Bevölkerung von 25 Millionen gegenüber 160 Millionen. Die Ukraine kann nicht mehr als eine Million Soldaten stellen und hätte bereits die Hälfte davon eingesetzt. Russland kann ohne allgemeine Mobilmachung weitere Truppen rekrutieren.

Der Dnepr-Staudamm und die exponierte Nordfront

Die Schließung des Staudamms am Dnepr durch die Ukraine bringt eine hydrologische und territoriale Variable hinzu. Der Verlust der befestigten Linie legt die Nordfront offen, sodass nur noch die weiter nördliche Linie in Richtung Siwersk bleibt. Das Manöver überflutet zudem zivile Gebiete im eigenen ukrainischen Staatsgebiet, ein Kostenfaktor, der auf Vormarschkarten fehlt, aber in der Kriegsrechnung auftaucht.

Der wirtschaftliche Puls: Kein russischer Kollaps, keine europäische Kriegswirtschaft

Die wirtschaftliche Front wird mit mehr Leidenschaft als Fakten diskutiert. Das russische Wirtschaftsministerium hob seine Prognose für das BIP 2023 auf 1,2 % Wachstum an, statt eines Rückgangs von 0,8 %, senkte jedoch die Erwartung für 2024. Die Exporte von Rohöl und Erdölprodukten stiegen im März auf den höchsten Stand seit April 2020, ein Plus von 600.000 Barrel pro Tag, und die Ölexporterlöse erreichten in diesem Monat 12,7 Milliarden Dollar, so die IEA.

Dem gegenüber steht das Gegenargument: Russland ist weder eine Industrie- noch eine Militärmacht, und die Ukraine wird von Industrienationen unterstützt, darunter der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Sanktionen haben den Rubel nicht zum Einsturz gebracht; er fiel von 84 Rubel pro Dollar vor der Invasion auf 154 am 7. März 2022, bevor er sich auf 96,5 erholte. Und Europa geht keine Kriegswirtschaft ein: Infrastruktur zur Waffenproduktion entsteht nicht über Nacht. Spanien beispielsweise hat die Importe von russischem Gas trotz Sanktionen um 151 % gesteigert.

Zeit als Waffe: Gibt es eine Grenze?

Die zentrale Frage der Analyse ist, ob dieser Krieg eine Uhr hat. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace warnte, dass die Invasion über 2023 hinausgehen werde und Russland nicht magisch kollabieren werde. Für andere ist die Grenze materiell: Wenn der Konflikt sich hinzieht, könnte die Ukraine fortgeschrittenere Waffen erhalten, einschließlich Flugzeugen mit Präzisionsmunition, und bis 2024 möglicherweise nicht über ausreichende Kampfkraftreserven verfügen.

Verlustzahlen kursieren ohne mögliche Überprüfung. Ein Bericht, der dem Mossad zugeschrieben wird, datiert auf den 15. Januar 2023, spricht von 18.480 getöteten und schwer verwundeten Russen gegenüber 157.000 Ukrainiern, einem Verhältnis von 1:7. Andere Quellen erhöhen die russischen Verluste auf 200.000 und die ukrainischen auf 400.000 innerhalb eines Jahres. Dieselbe Nachricht, die den Bericht zitiert, räumt unbekannte Quellen ein. Mit solchem Material ist jede Schlussfolgerung Glaube.

Genau hier gerät die Analyse ins Stocken: Wenn die Zeit für Russland spielt, wie manche behaupten, lautet die Frage nicht, wie viel Land verloren geht, sondern wie lange die westliche Unterstützung anhält. Das beantwortet keine Karte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (54 Antworten).

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