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Bachmut: Der Fall, der sich elf Monate verzögerte
Die Stadt Bachmut hielt elf Monate lang Ankündigungen einer baldigen Übergabe stand, bevor sie am 20. Mai 2023 ihre Kontrolle wechselte.
Bachmut fiel eines Tages. Es war keine bloße Phrase, sondern ein Ritual: Wochenlang kündigte jede Woche die baldige Übergabe der Stadt an, doch die Front blieb unverändert stehen. Die Festung hielt so lange durch, dass „Lla“ zur offiziellen Antwort auf jede Prognose wurde. Eine feine Ironie für ein Thema mit Tausenden von Toten im Hintergrund.
Was als Spott über Ankündigungen eines bevorstehenden Sieges begann, entpuppte sich als Spiegel beider Seiten des Konflikts. Sowohl Daten der Übergabe als auch unmögliche Verlustzahlen kursierten während elf Monaten, ohne dass kaum jemand sie mit den gezeigten Bildern abglich.
Von August 2022 bis Mai 2023: Der Sieg, der nie kam
Die Stadt wurde zum Symbol, lange bevor sie zum Ziel wurde. Seit August gab es jene, die ihre Eroberung als sicher ansahen, und andere, die behaupteten, sie sei wertlos. Beides je nach Bedarf. Wenn der Fall als „Tagesfrage“ galt, tauchte eine neue Berechnung auf, die ihn um einen Monat verschob; wenn die Monate vergingen, hieß es, die Festung habe nie Bedeutung gehabt.
Der tatsächliche Standpunkt kam spät. Am 20. Mai 2023 wechselte die Stadt – von russischer Seite in Artemowsk umbenannt – ihre Hände, elf Monate nach den ersten Prognosen. Weder Tage noch Wochen.
Warum hieß es, Russland wolle Bachmut nicht erobern?
Die meistwiederholte These hatte ihre Logik: Wenn der Angreifer die Eroberung nicht abschloss, lag es daran, dass er kein Interesse daran hatte. Jeder Sturmangriff ohne definitive Einnahme diente dazu, Verteidigungseinheiten in einem urbanen Trichter zu zermürben, wo die Abnutzung auf der Seite lag, die aushielt. Die Stadt als Fleischwolf, nicht als Preis.
Das Argument hatte ein grundlegendes Problem: Es wiederholte fast wortgetreu das, was die Führung der Wagner-Gruppe selbst vertrat. Ein Teil der Analyse nutzte dies monatelang als Ausrede: Wenn es nicht fiel, wollten sie es nicht. Die Widersprüchlichkeit fasste jemand sarkastisch zusammen: Die Festung war gleichzeitig stark und schwach, und die Verteidiger waren gleichzeitig klug und dummt.
Munition: Patronenhülsen aus 2022 und leere Lager in Belarus
Die Hinweise eines Forumsnutzers waren konkret: Munitionsreste aus Chargen datiert auf 2022, wo früher Hülsen aus den 90ern lagen; Depots in Belarus, vor der Invasion vorbereitet, nun ohne Zu- oder Abfluss; und eine Bombardierungsintensität, die auf 25–30 % ihres Höhepunkts gesunken war. Zusammen gelesen, deuteten diese Indikatoren laut demselben Nutzer eher auf ein Bestandsproblem hin als auf eine taktische Entscheidung.
Der Winter, der niemanden einfrieren ließ
Es gab eine übergreifende Prognose: Die Kälte würde entscheiden. Man prophezeite, dass die Gräben einfrieren würden und Europa ohne Gas dastünde, inklusive Vorhersagen von rohem Hamster. Die Realität dessen, der die Sache Monat für Monat verfolgte, war prosaischer: „Wir sind im April und ich friere immer noch nicht und esse keinen rohen Hamster.“ Eine weitere Prognose, die ohne Aufsehen verfiel.
Kramatorsk und der Streit um das Tor zum Donbas
Für manche war Bachmut das Tor zum Donbas: Fiel die Festung, wäre die nächste starke Bastion Kramatorsk und damit die Region verloren. Für andere war es ein Ort der Abnutzung ohne reale Tragweite, und das Symbol hatten genau jene aufgebaut, die auf seine Bedeutung pochten. Zum Abschluss des Zeitraums kontrollierte Russland laut der Berechnung eines Forumsnutzers 99 % der Stadt, wobei die Verteidiger in den letzten 1 % verschanzt waren, die am stärksten vermint und am besten versorgt waren.
Was nach Bachmut kommt, ist Spekulationsgebiet. Ein Vorrücken Richtung Kramatorsk würde erfordern, ein Tal mit feindlichen Stellungen ringsum und eine gleich große Stadt daneben zu durchqueren: Weitere neun Monate vielleicht, genug Zeit, um Piloten für F-16 auszubilden. Wenn dieser Zyklus etwas lehrte, dann dass der nächste „bevorstehende Fall“ wieder lange vor seinem Eintreten angekündigt werden wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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