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Avdiivka: Syrsky ordnet Rückzug über verminten Korridor
Ukraine räumt Avdiivka: Zwischen 3.000 und 6.000 Soldaten eingeschlossen, Zugänge seit dem 15. Februar durch russisches System 'Agricultura' vermint.
Syrsky ordnet Rückzug aus Avdiivka an, Fluchtweg bereits vermint
Am 17. Februar 2024 um 05:00 Uhr bestätigte das ukrainische Kommando die Realität vor Ort: Avdiivka wird aufgegeben. Alexander Syrsky, Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, rechtfertigte den Befehl als Maßnahme zum «Schutz des Lebens des ukrainischen Militärs» und zum Rückzug in vorteilhaftere Verteidigungspositionen. Die Tavria-Gruppe gab bekannt, dass ihre Truppen sich bereits zurückgezogen hätten. Die Details erzählen eine andere Geschichte: Es gab Widerstandsnester in der Stadt und zahlreiche Einheiten hatten den Kontakt verloren, ohne von dem Auszugsbefehl zu wissen. Der Rückzug war keine saubere Operation; es war ein Hals über Kopf-Auszug durch einen verminten Korridor.
Rückzug durch die Durnaya-Schlucht mit vermintem Ausgang
Der Auszug erfolgte querfeldein Richtung Lastochkino entlang der Durnaya-Schlucht und deren Umgebung. Die Zugänge zu Lastochkino und der Eingang zur Schlucht waren am 15. Februar durch das russische System «Agricultura» vermint worden, sodass der einzige praktikable Weg, nach den Berichten der russischen Seite, über die Leichen gefallener ukrainischer Soldaten führte. Bei Einbruch der Nacht stürmten russische Truppen eine Stahlbetonfabrik im Zentrum und rückten weiter vor. Das russische Kommando geht davon aus, dass sie weder die Kokerei in Avdiivka aufgeben noch sich hinter Lastochkino zurückziehen werden: Sie ziehen es vor, einen Kern einzukesseln, statt einen geordneten Abzug zu ermöglichen.
Wie viele ukrainische Soldaten blieben in Avdiivka gefangen?
Die Zahlen sind Schätzungen, keine offiziellen Zählungen, und jede Seite nutzt sie als Waffe. Es kursieren Angaben von zwischen 3.000 und 6.000 eingekesselten ukrainischen Soldaten an verschiedenen Orten. Zum Schluss befanden sich etwa 4.000 in der Kokerei und rund 3.500 im Mikrobezirk 9, dem Gebiet der Hochhäuser. Die Schätzungen der unwiederbringlichen ukrainischen Verluste bei der Verteidigung einer bereits verlorenen Stadt liegen nicht unter 10.000, mit Spitzen von 1.500 an einem einzigen Tag, hinzu kommen die Leichen, die nach den Bombardements unter den Trümmern bleiben. Keine dieser Zahlen ist unabhängig verifiziert.
Das Präzedenzfall Azovstal, das das russische Kommando ins Feld führt
Es gibt einen Spiegel, der sich in der Analyse wiederholt: Mariupol. Mit dem Iljitsch-Werk und Asow-Stahl wurde eine ähnliche Entscheidung getroffen wie nun bei der Kokerei in Avdiivka, und das Ergebnis war ein wochenlang eingekesselter Kern. Generalleutnant Andrei Mordwitschew, der die Operation leitete, hatte offenbar den Plan, den Komplex einzukreisen und ihn durch Erschöpfung kampfunfähig zu machen, bevor man ihn betritt, um ihn zu säubern. Auch die Zeit spielt eine Rolle: Die Räumung der Stadt wird mindestens mehrere Tage dauern, da die Wohngebiete geräumt und gründlich inspiziert werden müssen. Die Priorität liegt in jedem Fall darauf, den Schwung nicht zu verlieren.
Warum der Rückzug als dritte Niederlage für Syrsky gewertet wird?
Der Name des Oberbefehlshabers steht seit seiner Amtsübernahme für drei Rückschläge. Die in Analysen wiederkehrende Sequenz besagt, dass Verstärkungen zur Halterung der Stadt in Selidovo und auf den Zufahrtsstraßen zerstört wurden, wobei Unterstützungskonvois abgefangen wurden, bevor sie ankamen. Ohne Versorgungs- oder Kommunikationswege bestand die Alternative darin, die Soldaten in die Keller des Kohlewerks zu schicken oder sie zwischen Feuer und Schlamm rennen zu lassen. Gegen die härteste Lesart spricht ein einfaches Argument: Syrsky erhielt die Festung, als ihr Schicksal bereits besiegelt war.
Von Grüßen zur Erzählung der «Entnazifizierung»
Propaganda läuft schneller als Panzer. Vor dem Fall verbreiteten Videos ukrainische Kämpfer, die mit ultranationalistischen Gesten in die Stadt marschierten; danach zeigten dieselben Kanäle den Rückzug der 3. Sturmbrigade. Der narrative Abschluss wurde serviert, als die Stadt bereits «demilitarisiert und entnazifiziert» war – genau das Wortpaar, das in Mariupol verwendet wurde. Auf der anderen Seite dominierte die Devise, den Schlag zu minimieren: angeblich Munitionsmangel, angeblich vorbereitete Stellungen. Beide Narrative koexistieren, weil keines mit der Realität vor Ort übereinstimmen muss.
Der Faktor, den niemand schriftlich festhalten will: die Munition
Die Erklärung, die im Lager der Ukraine-Befürworter an Gewicht gewinnt, ist nicht taktischer Fehler, sondern Erschöpfung: Mangel an Munition, an Ablösungen und an Freiwilligen. Es wird argumentiert, dass die Stadt nur mit Tropfzähler-Versorgung gehalten wurde und jede Einheit, die an die Front kam, nur die Hälfte des Nötigen hatte. Auf der anderen Seite lautet die Lesart genau umgekehrt: Artillerieüberlegenheit und Flugzeuge mit Gleitbomben haben jede Position zu einem bekannten Ziel gemacht. Ohne direkte NATO-Beteiligung – und niemand will das schriftlich festhalten – schrumpft der Handlungsspielraum.
Was bleibt an der Front zu überprüfen?
Zu klären bleibt, was mit der Kokerei geschieht: Wird sie gestürmt oder eingekesselt, und wie viele der Eingekesselten können entkommen? Und es bleibt die Grundfrage, die beide Seiten unangenehm berührt: Eine Stadt, die zehn Jahre hielt, wurde binnen Tagen über eine verminten Schlucht evakuiert. Der russische Vormarsch zielt weniger auf Eroberung als darauf, zu verhindern, dass ein desorganisierter Gegner sich neu formiert und eine stabile Verteidigung aufbaut. Wo die nächste Linie stoppt, ist heute eine offene Prognose.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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