Ausgestorbene Berufe in Spanien: Vom Suppenverkäufer bis zum Matratzenklopfer

Ein Blick auf spanische Handwerksberufe, die durch billiges Erdöl verschwanden, und jene, die noch heute existieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ausgestorbene Berufe in Spanien: Vom Suppenverkäufer bis zum Matratzenklopfer
Berufe, die billiges Erdöl aus Spanien verdrängte

Wie viele der heutigen Jobs werden in zwanzig Jahren noch existieren? Diese alte Frage steht im Zentrum einer Diskussion über Berufe, die einst das tägliche Leben in Dörfern und Städten trugen. Ein Teilnehmer nennt den technischen Schuldigen – billiges Erdöl – und listet Opfer auf, vom Suppenverkäufer (sustanciero) bis zum Matratzenklopfer.

Der Suppenverkäufer: Geschmack gegen Zeit berechnet

Es gab eine Zeit, in der man sich Proteine mieten konnte. Der Suppenverkäufer zog mit einem Schnur durch die Straßen, an der Schinken, Chorizo und Knochen baumelten; hörten Frauen sein Rufen, kamen sie mit dem Topf heraus. Der Profi tauchte die Schnur in die Brühe, stoppte die Zeit und kassierte pro Minute. Pure Nachkriegsökonomie, wo Geschmack ein Lieferservice war und Knappheit einen Preis hatte.

Zu dieser Welt gehören auch der Palanganero, der Milchmann, der frühmorgens volle Flaschen vor die Tür stellte, oder der Kolonialwarenhändler, dessen Name verrät, was er verkaufte: Produkte, die heute niemand mehr so nennt. Der Einkaufskorb war damals ein Beruf, kein Gang im Supermarkt.

Nylon und Viskoelastik beendeten Schneider- und Polstererarbeit

Die These hinter der Liste ist einfach: Als ab den 1960ern Erdöl massenhaft nach Spanien kam, entstanden neue, billigere Materialien, die handwerkliche Arbeit unnötig machten. Die Schafwollmatratzen – samt Klopfer und Polsterer – wurden durch viskoelastische Schaumstoffe ersetzt, ein Erdölprodukt. Kleidung folgte demselben Weg: Billiges Nylon und Polyester reduzierten die Nachfrage nach Näherinnen und Schneidern, damals zentrale Berufe.

Was das Material nicht tötete, erledigte die Maschine. Die Näherin, die mit einer tragbaren Kurbelmaschine von Haus zu Haus ging – deren Schwungrad noch Sekunden weiterlief und per Hand gebremst werden musste – hinterließ ein Bild, das nie wiederkehrt. Manche betonen, dass Strom meist aus Gas und Kohle erzeugt wird: Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wurde nicht gelöst, sondern total.

Fuhrleute, Sattler und Hufschmiede: Der Motor war das Maultier

Bevor Traktoren erschwinglich wurden, war Tierkraft die Arbeitsgrundlage, samt einer Kette von Spezialisten. Der Sattler (talabartero) fertigte das Geschirr für Maultiere und Ochsen; der Packledermacher und Zaumzeugmacher stellten Sättel und Geschirre her; der Fuhrmann bearbeitete das Holz der Wagen und spannte sie an Pferde und Maultiere; der Schafscherer und Hufschmied vervollständigten das Team. Dahinter stand der Treiber und seine Karawane. Es gab sogar Profis, die Gespanne vermieteten – ein heute unvorstellbares Geschäft.

Nachtwächter, Leuchtturmwärter und Schreibstuben

Die Stadt vor Telefon und elektrischem Licht schuf eigene Jobs. Es gab Leuchtturmwärter, Nachtwächter, die morgens Tore öffneten, Messerschleifer und mobile Polsterer, die noch existieren – und um acht Uhr morgens wecken –, Schuhputzer, Kinoplätze-Zuweiser, Tankwart, öffentliche Urinal-Aufsichten, Sodawasser-Hersteller, Aufzugführer und Hotelportiers. Auf den Straßen standen Kabinen wie Beichtstühle: Das waren die Schreiber (escribientes), die Formulare ausfüllten und Briefe nach Diktat für Analphabeten schrieben.

Das wirtschaftlich Verwirrendste: Jahrmarktsbesitzer und Standbetreiber hielten Bündel Banknoten in Händen, obwohl sie Analphabeten waren, und hatten einen Gehilfen nur zum Vorlesen der Papiere. Geld zirkulierte, ohne dass der Zähler es lesen konnte.

Der letzte Wetterzauberer Kastiliens und andere Relikte

Manche Berufe grenzen an Mythos. Erzählt wird, dass in den 1970ern der letzte Wetterzauberer (nubero) Kastiliens von Dorf zu Dorf zog, beladen mit Amuletten, um Regen zu machen. In Granada gab es den Eismann, der Schnee von Sierra Nevada holte und ihn in der Stadt verkaufte. Und am traurigsten Ende: die Trauerweiber, bezahlt, um für Tote zu weinen. Auch der Knochenflicker, der Schornsteinfeger, der Schmied oder der mobile Friseur, der mehreren Generationen eines Dorfes die Haare schnitt. Einige sind nicht tot: Sie existieren noch, halb versteckt, auch wenn man sie kaum findet.

Heute gibt es noch Hausmeister, Pförtner, Schmiede. Der Rest verschwand lautlos, ersetzt durch ein Erdöl-Derivat oder eine elektrische Maschine. Wenn jemand fragt, welche Berufe als nächstes sterben, sollte man daran denken: Der Suppenverkäufer schien auch ewig.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (148 Antworten).

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