Ausbleibende Krisen: Weder Immobiliensturz noch S&P 500-Einbruch
Es gibt eine Szene, die sich jedes Mal wiederholt, wenn der Nahe Osten brennt: Jemand blickt auf die Karte, sieht die Straße von Hormus und rechnet laut vor sich hin, wie lange es dauern wird, bis der S&P 500 ein PER von 5 erreicht und eine Penthouse-Wohnung am Paseo de la Castellana für 50.000 Euro verkauft wird. Dieses Warten dauert nun schon 17 Jahre an, seit der Krise von 2009. Während sich der Countdown in die Länge zieht, werden in einer durchschnittlichen Gegend von Madrid Einzimmerwohnungen für 1.800 Euro im Monat und Zweizimmerwohnungen für 2.500 Euro vermietet, so ein im Forum veröffentlichtes Angebot. Der Immobilienabsturz existiert momentan nur in der Vorstellung.
Das Öl aus Hormus und die Realität
Das geopolitische Detail, das das Narrativ entlarvt, ist die tatsächliche Verteilung des Rohöls. Nach einer im Forum kursierenden Berechnung macht das Öl, das die Straße von Hormus passiert, 4,6 % des europäischen Verbrauchs und 3,5 % des US-Verbrauchs aus. An China gehen 35,7 %. Angesichts dieser Zahlen hält die Vorstellung, dass eine Sperrung der Meerenge die europäischen Bilanzen sprengt, eher aus Gewohnheit als aus Arithmetik stand. Einige fügen hinzu, dass ein Engpass dort die Nachfrage nach anderen Routen ankurbelt und den Barrelpreis ebenfalls in die Höhe treibt, und dass China und Indien russisches Öl als Alternative haben. Die Nuance ist nicht unerheblich: Der Markt reagiert auf die Erwartung, nicht auf den Prozentsatz.
Warum ist die Börse am Montag nicht eingebrochen?
Die kurze Antwort lautet, dass der Angriff seit Wochen angekündigt war. Eine so weit im Voraus erwartete Bewegung erreicht die Börse selten unvorbereitet; der Markt preist sie ein, bevor sie eintritt. Dennoch wiederholt sich das Ritual eines „Schwarzen Montags“: Die einen prognostizieren einen BTC-Kurs unter 60.000 bei Tagesanbruch, die anderen erinnern daran, dass der Ibex (spanischer Aktienindex) im Plus schließt, und wieder andere weisen darauf hin, dass das Casino einen Besitzer hat, und das ist nicht gerade der Kleinanleger. Der Anstieg von Bitcoin wird als Symptom und nicht als Zufluchtsort gelesen: „Das ist ein Casino“, fasst ein Forennutzer zusammen.
Spanische Schulden und die Milde der EZB
Dies ist der Punkt, den fast niemand bestreitet. Spanien macht seine Budgets davon abhängig, dass die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin als Käuferin letzter Instanz für seine Schulden fungiert. Durch Programme wie PEPP oder APP garantiert die EZB, dass es immer eine Nachfrage nach spanischen Anleihen gibt, was die Preise hoch und die Zinsen niedriger hält, als sie in einem freien Markt wären. Diese Präsenz beruhigt private Investoren und hält die Risikoprämie auf handhabbaren Niveaus.
Das Ergebnis ist, dass der durchschnittliche Zinssatz der Schulden im letzten Jahrzehnt sehr niedrig blieb und Spanien weniger Geld für Zinszahlungen und mehr für andere Posten aufwenden konnte. Im März 2026 übersteigen die Zinsausgaben 40.000 Millionen Euro jährlich, da sich die Zinsen über dem Nullzins-Niveau stabilisiert haben. Die EZB pumpt keine neuen Gelder mehr in den Markt und reduziert ihr Portfolio auf „maßvolle und vorhersehbare“ Weise, reinvestiert aber weiterhin Teile der Fälligkeiten. Der Einlagensatz liegt bei etwa 2,00 %. Das Vertrauen hält: Im Februar 2026 erhielt eine 30-jährige Anleihe eine Rekordnachfrage von 75.000 Millionen.
Immobilien: Preise verdoppelt, ohne dass sich etwas änderte
Die Immobilien-Anekdote hat ihre eigene Logik. Ein Forennutzer berichtet, dass er vor Jahren gekauft hat und sieht, dass sich der Preis seiner Wohnung im Vergleich zum Kaufpreis verdoppelt hat. Das Problem ist, dass sich der Preis aller anderen Wohnungen ebenfalls verdoppelt hat, sodass sich die relative Position nicht einen Millimeter bewegt. Einige behaupten, dass der strukturelle Wohnungsmangel und die Ankunft ausländischer Käufer die Nachfrage in fast jedem Szenario stützen. In derselben Straße, in der Mieten von 1.800 und 2.500 Euro ausgeschrieben werden, bietet ein Verkaufsangebot nur noch Dreizimmerwohnungen an, und die günstigste kostet eine Million Euro.
Laut einem Forennutzer gab es Rückgänge von 40 % und 50 %, aber in eher wohlhabenden Arbeitervierteln, nicht in Barrio de Salamanca, La Sarracena oder an der Promenade von San Sebastián. Wer vor kurzem verkauft hat, fasst es sarkastisch zusammen: Möge ein anderer das letzte Euro nehmen.
Der Chip, den niemand herstellt, und die Inflation, die kommt
Das industrielle Argument ist das unbequemste. Laut einem Forennutzer benötigt eine Elektronikplatine für 0,85 Euro, die eine Konservenmaschine in Galicien oder ein Stahlwerk in Asturien steuert, einen Chip, den nur China herstellt. Und so ist es mit der gesamten Industrie. Ein Problem in China hat einen Dominoeffekt auf den gesamten Planeten. In diesem Zusammenhang warnen einige davor, dass die Inflation ihre stille Arbeit verrichtet: Das Geld auf dem Girokonto verliert an Kaufkraft, während die Ölpreise an den Tankstellen mit Lichtgeschwindigkeit steigen und fallen – allerdings nur in eine Richtung.
Der Tourismus ist die andere Schwachstelle. Laut einem Forennutzer: Wenn das Reisen teurer wird, kommen weniger Besucher, die Geld ausgeben, die Einnahmen sinken, die Arbeitslosigkeit steigt und die Rezession verstärkt sich selbst. Es ist der klassische Mechanismus, und dieses Mal hat niemand einen Weg gefunden, ihm zu entkommen.
Am Ende ist der Wert, der verwirrt, nicht der ausbleibende Absturz, sondern die Nachfrage nach 30-jährigen Anleihen in Höhe von 75.000 Millionen im Februar 2026. Bei diesem Durst nach spanischen Schulden muss der große Krieg warten, bis jemand aufhört zu kaufen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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