Audio belegt Kampagne gegen UCO-Chef in Spanien

Ein Audio zeigt ein Treffen von Leire Díez mit einem Beschuldigten, um kompromittierende Informationen über Oberstleutnant Balas zu sammeln.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Audio belegt Kampagne gegen UCO-Chef in Spanien
Audio belegt Kampagne gegen UCO-Chef in Spanien

Was taten eine ehemalige hochrangige Sozialistin, ein wegen Betrugs angeklagter Unternehmer und mehrere Anwälte in einer Videokonferenz mit einem bei der Nationalen Audiencia untersuchten Industriellen? Sie suchten Material, um die den Regierungskreis umgebenden Skandale zu neutralisieren, wie El Confidencial berichtet. Das im Februar stattgefundene und von diesem Medium veröffentlichte Gesprächsaufnahme zeigt die ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin der PSOE, Leire Díez Castro, dabei, wie sie kompromittierende Informationen über den Oberstleutnant der Guardia Civil Antonio Balas anfordert. Balas leitet die Abteilung für Wirtschaftskriminalität der UCO (Central Unit of Operational Response) und ist verantwortlich für die Ermittlungen gegen die Frau und den Bruder von Pedro Sánchez, den Generalstaatsanwalt sowie den Fall Ábalos/Koldo.

Laut dem verbreiteten Audio ist im Gespräch der Satz „Wenn Balas tot ist, besser“ zu hören. Die sozialistische Gesandte unterbricht den Unternehmer Alejandro Hamlyn — 2019 im Rahmen der Operation Drake wegen Betrugs beim Kraftstoffverkauf mit einem vermuteten Steuerschaden von 154 Millionen Euro verhaftet — um das Gespräch wieder auf Kurs zu bringen: „Wir werden uns nicht in die Geflechte einmischen, denn es gibt 200.000 Unternehmen.“ Was interessant sei, so sagt sie, sei „zu wissen, woher diese Genesis kommt“.

Wer ist Leire Díez und warum ihre Agenda relevant ist

Díez ist kein einfaches Parteimitglied. Sie wurde von der Regierung Sánchez zwischen 2018 und 2021 als Kommunikationschefin beim öffentlichen Unternehmen Enusa und anschließend zwischen 2022 und 2024 als Direktorin für Philatelie und institutionelle Beziehungen bei Correos installiert. Laut veröffentlichten Berichten sammelt sie seit mehr als einem Jahr sensible Informationen über Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen, die von der Exekutive als Feinde identifiziert wurden. Die PSOE bestritt zunächst, dass sie für Ferraz (das Hauptquartier der PSOE) arbeite; später wurde sie jedoch fotografiert, wie sie das Hauptquartier der Partei betrat und verließ.

In der Videokonferenz wurde sie von dem Unternehmer Javier Pérez Dolset, angeklagt wegen Subventionsbetrugs und Mitarbeiter von Ferraz, sowie dem Anwalt Jacobo Teijelo begleitet. Auf der anderen Seite des Bildschirms, aus Dubai, war Hamlyn. Der Industrielle wollte wissen, was er davon habe. „Ich kann viele Informationen beschaffen, aber ich muss wissen, was mit meinem Fall passiert“, bat er. Die Antwort von Díez war eine Vorwegnahme des Drehbuchs: „Wenn dies über Balas bewiesen wird, ergibt sich alles andere automatisch.“

Die „Camorra der Guardia Civil“ und das eigentliche Ziel

Der Anwalt rechts neben Díez brachte den Punkt auf den Tisch: „Was wissen wir über Balas? Erzählt uns etwas über Balas.“ Die ehemalige hochrangige Beamtin sprach von einer korrupten Struktur, die ihrer Meinung nach im bewaffneten Institut nistet: „Du bist Opfer der Camorra geworden, aber der Camorra innerhalb der Guardia Civil.“ Und fügte hinzu: „Die Sicherheitskräfte des Staates sind nicht dazu da, Bürger in diesem Land zu erpressen.“

Das erklärte Ziel war es, den Oberstleutnant zu demontieren. „Ich habe keinerlei Lust, dass dieser Herr Antonio Balas zum Henker von uns allen wird. Und im Moment macht er genau das: Er verwandelt uns alle in seine Gefangenen und Wärter.“ Der abschließende Satz lässt keine Zweifel an der Priorität offen: „Wenn man diesen demontiert, ist noch nicht alles gesagt, denn dann werden viele andere Dinge demontiert.“

Die Zahlen hinter dem Fall

Das behandelte Material bringt verschiedene Größenordnungen auf den Tisch. Die Operation Drake hinterließ einen vermuteten Steuerschaden von 154 Millionen Euro. Hamlyn beziffert die Kosten seines Rechtsstreits mit dem baskischen Finanzamt (Hacienda Foral del País Vasco) auf 60 Millionen Euro. Und Díez soll laut veröffentlichten Berichten über 250.000 Euro in öffentlichen Ämtern erhalten haben, die ihr durch die PSOE zugewiesen wurden. Der Beginn der mündlichen Verhandlung gegen Hamlyn und die übrigen Beteiligten im Fall Drake war für denselben Montag festgelegt, an dem das Audio veröffentlicht wurde.

Was danach geschah: Reaktionen und Folgen

Díez bestätigte die Echtheit der Audios, bestritt jedoch, für die PSOE zu arbeiten: „Es war ein investigativer Bericht“, sagte sie. Laut veröffentlichten Berichten beschleunigte die PSOE das Disziplinarverfahren gegen die „Fontanera“ (die Strippenzieherin), um der Veröffentlichung des Audios zuvorzukommen. Die Staatsanwaltschaft hätte bis wenige Tage vor der Veröffentlichung mit Hamlyn über eine Vereinbarung verhandelt. Im Innenministerium wird von Spannungen aufgrund der Manöver gegen die UCO gesprochen, die als „Tritt nach oben“ interpretiert werden.

Hamlyn gestand nach der Veröffentlichung „Angst“ ein. Die Direktorin der Guardia Civil war durch den Fall in die Enge getrieben: „Im Innenministerium wussten sie davon“, so die Berichte. Das Netzwerk der Fontanera umfasste zudem einen Kommissar, der wegen der Einfälschung von Beweisen in einem Polizeibericht suspendiert wurde, sowie einen bereits pensionierten Agenten, der vor einigen Jahren entlassen worden war.

Der Hintergrundlärm: Rücktritte, Anklagen und ein Land, das nicht zusammenbricht

Parallel dazu lässt die institutionelle Aktualität keine Ruhe. Der vom Innenminister Francisco Pardo Piqueras ernannte Generaldirektor der Nationalpolizei und der Chefkommissar Luis Guillermo Carrión müssen als Beschuldigte aussagen wegen Amtsmissbrauchs, Belästigung und Nötigung gegen den aktuellen Sicherheitssprecher von VOX, Samuel Vázquez. Innerhalb von nur drei Monaten wurden fünf aufeinanderfolgende Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet, alle ohne jegliche Anzeige.

Die schwebende Frage ist einfach: Wird es Verhaftungen geben? Wird die Guardia Civil nach Ferraz kommen, um Handschellen anzulegen? Die Antwort bleibt zum Zeitpunkt dieser Diskussion dieselbe wie immer: Nichts. Der Fall bleibt offen, die Anklagen nehmen ihren Lauf und die offizielle Darstellung hält stand. Als ob das System eine Lebensversicherung hätte, die niemand abgeschlossen hat, von der aber alle profitieren.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (176 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver