Asowstal: Ukrainische Soldaten kommen zu Verhandlungen mit den Russen heraus

Am 7. Mai 2022 verließ eine Gruppe ukrainischer Soldaten das Stahlwerk Asowstal, um mit den Russen zu verhandeln – der erste direkte Kontakt seit Beginn der Belagerung von Mariupol.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Asowstal: Ukrainische Soldaten kommen zu Verhandlungen mit den Russen heraus
Asowstal: Erster Kontakt zwischen Ukrainern und Russen seit Beginn der Belagerung

Am 7. Mai 2022 verließ eine Gruppe ukrainischer Soldaten den Perimeter des Stahlwerks Asowstal in Mariupol, um mit den russischen Kräften zu verhandeln. Nach Angaben von Alexander Chodakowski, Kommandeur des Bataillons „Wostok“ der Volksmiliz der selbstproklamierten Volksrepublik Donezk, handelte es sich um den ersten direkten Kontakt zwischen beiden Seiten seit Beginn der Blockade der Stadt und des Werks. Die Meldung, von russischen Medien verbreitet und sofort in Foren zur Konfliktbeobachtung aufgegriffen, kam mit einer Zahl, die die Geste einordnete: Am selben Tag hatten 50 weitere Zivilisten das Werk verlassen, womit sich die Gesamtzahl der Evakuierten aus dem Komplex auf 176 belief.

Die Szene – Soldaten, die zu Verhandlungen herauskommen, Zivilisten, die in einem Rinnsal herauskommen – fasste den Punkt zusammen, an dem sich die Belagerung befand. Weder bedingungslose Kapitulation noch endgültiger Sturmangriff: ein teilweiser Auszug, den beide Seiten als Teilsieg darstellen konnten. Einen Tag zuvor waren 51 Menschen, darunter 11 Kinder, über humanitäre Korridore in die vorübergehende Auffangstelle von Bezymenny gebracht worden; die Busse fuhren zwischen 18:00 und 21:00 Uhr unter Eskorte des russischen Militärs ab.

Was verhandelt wird und wer drinsteckt

Das Stahlwerk Asowstal war nach wochenlanger Belagerung zum letzten Rückzugsort des organisierten Widerstands in Mariupol geworden. Unter seinen Anlagen – Tunnel, Keller, Gänge – hielten sich Kämpfer und eine unbekannte Zahl von Zivilisten auf. Das Hervorkommen der Soldaten zu Verhandlungen öffnete die Tür zu einem Szenario, das bis dahin nur angedeutet worden war: die Möglichkeit einer verhandelten Evakuierung, nicht einer Kapitulation.

Manche halten die Bewegung für eine Reaktion auf Versorgungsmängel und die körperliche Erschöpfung der Eingeschlossenen. Dagegen steht das Argument, dass ein Herauskommen die Verhandlungsposition dessen schwächt, der sich damit zeigt. Die optimistischste Rechnung für Kiew geht davon aus, dass es ein Manöver ist, um Zeit zu gewinnen und Verwundete zu evakuieren; das pessimistische Szenario sieht darin den ersten Schritt einer Kapitulation in Etappen.

Der Kampf der Erzählungen: Helden, Geiseln und Propaganda

Die öffentliche Debatte verlagerte sich rasch auf das Terrain der Symbole. Ein Teil der Beobachter bezeichnete die Verteidiger des Werks als Helden; andere beschrieben sie als Kämpfer, die Zivilisten als Schutzschild benutzten. Die gegenseitigen Vorwürfe – über angebliche Verbrechen, angebliche Geiseln – kursierten ohne unabhängige Überprüfung, wie es in jedem Krieg mit strenger Informationskontrolle auf beiden Seiten üblich ist.

Das Detail, das das größte Unbehagen auslöste, waren die Zivilisten. Wenn an einem Tag 50 herauskamen und am Vortag 51, lag die naheliegende Frage auf der Hand: Wie viele waren noch drin, und warum tröpfelte es so langsam? Die offizielle Antwort jeder Seite zeigte auf die andere. Keine der beiden Seiten veröffentlichte eine überprüfbare Zahl.

Der 9. Mai und der symbolische Kalender

Der zeitliche Kontext war nicht neutral. Russland feiert am 9. Mai seinen Tag des Sieges über das nationalsozialistische Deutschland, und die Übereinstimmung mit der Belagerung von Asowstal nährte allerlei Spekulationen über Fristen. Es wurde spekuliert, Moskau wolle vor diesem Datum irgendein Ergebnis vorweisen. Das Herauskommen zu Verhandlungen passte in diesen Rahmen: eine Geste, die als Fortschritt gelesen werden konnte, ohne dass ein kostspieliger endgültiger Sturmangriff nötig war.

Die ukrainische Propaganda hatte ihrerseits detaillierte Erzählungen über konkrete Kämpfer aufgebaut. Ein Reportage des kanadischen La Presse wiedergab das Zeugnis eines ausländischen Scharfschützen, der als „einer der besten der Welt“ präsentiert wurde und in zwei Monaten nur zwei Schüsse aus Fenstern heraus abgegeben hatte. „Dieser Krieg ist eine komplette Farce“, fasste er zusammen. Die meisten internationalen Söldner, so dieser Bericht, kehrten enttäuscht zurück, ohne jemals an die Front gelangt zu sein.

Was die verfügbaren Zahlen sagen

Die konkreten Daten, mit denen zu diesem Zeitpunkt gerechnet wurde, waren spärlich und stammten fast alle von einer der Seiten. Das Hauptquartier der Territorialverteidigung der selbstproklamierten VRD meldete 50 evakuierte Zivilisten am 7. Mai und insgesamt 176. Am Vortag waren 51 Menschen herausgekommen, darunter 11 Kinder. Die Busse fuhren zwischen 18:00 und 21:00 Uhr in Richtung Bezymenny ab.

Es gab keine verlässliche Zahl für die Kämpfer im Werk, weder für Verluste noch für verbliebene Zivilisten. Dieses Fehlen von Daten ist selbst die eigentliche Information: In einer Belagerung mit totaler Informationskontrolle auf beiden Seiten sind die Zahlen, die nach draußen dringen, genau die, die passen.

Das Szenario, das offen blieb

Das Herauskommen zu Verhandlungen beendete nichts. Es öffnete allenfalls einen schmalen Weg: Teil-Evakuierungen, Austausche, vielleicht ein weiterer Korridor. Das Werk blieb unter ukrainischer Kontrolle, und die russische Belagerung war nicht aufgehoben. Jedes Ende – Kapitulation in Etappen, endgültiger Sturmangriff, vollständige Evakuierung – stand noch auf dem Tisch, als die Nachricht verbreitet wurde.

Das einzige Überprüfbare waren das Rinnsal der Zivilisten und der erste direkte Kontakt zwischen Militärs beider Seiten. Der Rest war zu diesem Zeitpunkt Interpretation.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (77 Antworten).

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