Apfel für zwei Dollar: US-Europa-Klimadebatte entbrannt

Ein Reisebericht aus New York entfacht eine Debatte über Energieverbrauch und Lebenshaltungskosten zwischen den USA und Europa.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Apfel für zwei Dollar: US-Europa-Klimadebatte entbrannt
Apfel für 2 Dollar: Der Bericht, der die USA und Europa spaltet

Ein Frühstück für 15 Dollar, ein Burger mit 300 Gramm Fleisch und einem halben Kilo Pommes für 20 Dollar sowie ein Apfel für 2 Dollar. Drei Preise, dieselbe Stadt, dieselbe Reise. Der Bericht über einige Tage in New York hat den Vergleich zwischen dem US-amerikanischen Energieverbrauch und den europäischen Einschränkungen wieder angeheizt – und ist dabei von der Anekdote zum großen Ganzen gesprungen: vom voll aufgedrehten Klimaanlage hin zur Frage, wer zuerst verschmutzt hat.

Der Text, der von einer jungen Spanierin als Eindruckszusammenfassung veröffentlicht und später im Kontext von Reaktionen wie denen von Emilio Doménech und Ignasi Guardans zitiert wurde – Letzterer präsentierte ihn als „Sicht einer Europäerin auf die harte Realität der USA“ –, fungierte als Zündschnur. Jeder zog das Thema an sich, und das Ergebnis ist weniger eine Diagnose über New York als vielmehr ein gegenseitiges Porträt der Eigenheiten beider Kontinente.

Abfall, U-Bahn und Gesundheitswesen: Die materielle Bilanz der Reise

Der Teil, der die größte Resonanz fand, ist der prosaischste. Beschrieben wird eine Stadt ohne ausreichende Mülltonnen, mit Abfallsäcken, die auf dem Bürgersteig liegen und von Ratten umlagert werden; eine dunkle, schmutzige, teure und unsichere U-Bahn; sowie ein Gesundheitssystem, das nicht abdeckt, sodass nach dieser Darstellung Mittellose auf der Straße landen. Jeder Punkt lässt Nuancen zu, aber zusammen zeichnen sie eine soziale Rechnung, die der europäische Besucher nicht erwartet hatte.

Warum ist die Klimaanlage zum Symbol der Verschwendung geworden?

Weil es das Erste ist, was dem Besucher auffällt. Im Sommer tritt man in eine Kälte ein, die einen Jacke tragen lässt, und im Winter herrscht eine Hitze, die unangemessen für die Außentemperatur ist. Mehrere Stimmen sind sich einig: Das Problem ist nicht nur der Energieverbrauch, sondern auch die Unannehmlichkeit und das Risiko, bei ständigen Temperaturschwankungen zu leben. Manche erinnern daran, dass es in New York nicht so schlimm war, während andere verteidigen, dass man, wenn man es sich leisten kann, eine stabile Temperatur bevorzugt, statt zu Hause zu schwitzen.

Auf der anderen Seite steht die europäische Norm: maximal 27 Grad in Geschäften und Abschaltung der Straßenbeleuchtung um 22 Uhr. Der Effekt war laut einem Kommentar nicht weniger Verbrauch, sondern eine Verlagerung der Aktivität: weniger Cafés und Läden während der heißen Stunden und mehr Lieferungen nach Hause, samt ihrem Transporter, ihrer Verpackung und ihrem Plastikmüll.

Das Argument der zwei Jahrhunderte: Wer verschmutzte früher und wer verschmutzt mehr?

Das am häufigsten wiederholte Argument ist historisch: Über zwei Jahrhunderte Verbrennung von Kohle und fossilen Brennstoffen im Westen gegenüber drei Jahrzehnten beschleunigter Industrialisierung in China und Indien. Der Vergleich ist auf beiden Seiten irreführend. Für Europa spricht, dass es früher begonnen hat; dagegen steht, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in Europa weiterhin höher ist als in Russland und China, wie Befürworter dieser These behaupten, und dass niemand darauf verzichtet, zu fliegen oder Pakete zu bestellen.

Was nicht diskutiert wird, ist die Verteilung der Last. Ein Teil argumentiert, dass nur die EU sich Opfer auferlegt, während die USA, Russland und China Handlungsspielraum behalten; ein anderer Teil erwidert, dass das hierzulande Umweltbewusstsein Genannte in der Praxis verkleidete wirtschaftliche Zurückhaltung sei.

Was kostet gutes Essen in New York?

Der Bericht liefert drei konkrete und vergleichbare Referenzen: 15 Dollar für ein Frühstück, 20 Dollar für einen Burger mit 300 Gramm Fleisch und einem halben Kilo Pommes sowie 2 Dollar für einen Apfel. Die Falle der Daten besteht darin, dass große Portionen die Kosten pro Kalorie senken, aber jeden Versuch, Obst und Gemüse zu essen, verteuern.

Daraus ergibt sich die unbequemste Einwände gegen die Spar-Rhetorik: Wenn angemessenes Essen ein Luxus ist, klingt die Aufforderung an die Bevölkerung, Energie zu rationieren, wie eine Bitte, arm zu sein mit gutem Gewissen.

Fremdes Plastik und eigenes Plastik

Jeder Block kritisiert die Verschwendung des anderen, ohne die eigene zu betrachten. Man kritisiert die Einzelverpackung jedes Stück Obsts auf der anderen Seite des Atlantiks und vergisst das Portionspäckchen Zucker, Salz oder Senf, das in jedem europäischen Café weggeworfen wird, oder die Wasserflasche, die jeden Spaziergang begleitet. Zeitschriften in Folie einschlagen, Kabel vergraben oder Straßen wie Landebahnen beleuchten sind ebenfalls lokale Gewohnheiten.

Und dann gibt es noch das häusliche Recycling. Manche geben zu, dass sie immer weniger trennen, und andere setzen direkt einen Preis auf die Aufgabe: Ohne Vergütung kein Engagement. Eine Haltung, die öffentlich schwer zu verteidigen ist, privat aber weit verbreitet.

Die Diskussion, die nie über New York ging

Ein Großteil der Antworten diskutierte weder Preise noch Abfall: Sie diskutierten die Person, die den Bericht verfasste, mit ideologischen Etiketten und persönlichen Angriffen. Hier gerät das Thema auf Abwege. Man kann einer Diagnose widersprechen, ohne die Biografie oder Stipendien des Autors zu bewerten, und man sollte daran denken, dass ein Reiseeindruck genau das ist: ein Eindruck.

Mit diesen Bausteinen bleibt die Kernfrage unbeantwortet. Wenn das europäische Modell der Einschränkungen etwas bewirken soll, muss es dies beweisen, wenn die Preise in Manhattan und die ausgeschalteten Lichter einer europäischen Avenue auf derselben Waage landen. Oder war das Problem nie New York?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (169 Antworten).

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