Amaia Montero: von kritisierten Liveauftritten zum Körper als Angriffsfläche

Amaia Montero ist wieder im Fokus: Über ihre Liveauftritte, ihr Aussehen und ihre Gesundheit wird gestritten. Respekt gegenüber zahlenden Fans trifft auf billige Spottsucht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Amaia Montero: von kritisierten Liveauftritten zum Körper als Angriffsfläche
Amaia Montero: wenn die Stimme nicht mehr das Argument ist

Eine Sängerin, die jahrelang Stadien füllte, kehrt auf die Bühne zurück, und die öffentliche Diskussion spaltet sich in zwei Lager: die einen streiten über ihre Intonation, die anderen über ihren Körper. In der Mitte steht eine Frau, die laut mehreren kursierenden Berichten seit dem Tod ihres Vaters in psychiatrischer Behandlung ist. Im Hintergrund eine unbequeme Frage: Wie viel von dem, was man von einer Künstlerin verlangt, hat mit ihrem Handwerk zu tun – und wie viel mit ihrer Verpackung?

Die Diskussion über Amaia Montero, frühere Sängerin von La Oreja de Van Gogh und später Solokünstlerin, hat sich in letzter Zeit vom Musikalischen ins Körperliche verschoben. Was als Kritik an ihrer Live-Leistung begann –"sie schreit nur", fasst eine der häufigsten Positionen zusammen– ist zu einem Urteil über ihr Gewicht, ihre Kleidung und ihre Stabilität geworden. Und dort vermischen sich sehr unterschiedliche Dinge: der Respekt vor dem zahlenden Publikum, das Mitgefühl mit jemandem, der leidet, und die Lust am Spott.

Der Liveauftritt als offene Rechnung

Das stärkste Argument in der gesamten Diskussion handelt nicht von Kilos. Es handelt vom Handwerk. Manche halten dagegen, dass das Problem nicht das Aussehen der Künstlerin ist, sondern dass das verkaufte Produkt –eine Konzertkarte– den erwarteten Standard nicht mehr erfüllt. "Es ist mir nicht egal, dass sie bei ihren Konzerten so schreit, weil sie nicht mehr singen kann und die Leute veräppelt", fasst einer der meistgefragten Kommentare zusammen. Das ist die Linie des Konsumentenrespekts: Wer kassiert, singt.

Auf der anderen Seite steht der Vergleich mit der anderen Sängerin der Band, Leire Díaz, die von denen, die finden, dass der Wechsel nicht nur nichts verschlechtert, sondern verbessert hat, als "tausendmal besser" bezeichnet wird. Der Vergleich ist ein Trick: Beide singen dasselbe Repertoire, und die Lieder stammen nicht von ihnen. Aber das Argument stützt sich auf etwas Einfacheres: Das Publikum vergleicht, was es hört, nicht, was der Autor geschrieben hat.

Der Körper als Schlachtfeld

Von da an verfällt die Analyse. Die körperliche Beschreibung nimmt einen Großteil des Materials ein: Es wird gestritten, ob sie zugenommen hat, ob es die Schilddrüse ist, ob die Tabletten sie "aufgebläht" machen, ob ihre Kleidung eine Provokation oder ein Fehlgriff ist. Ein Kommentar fasst den allgemeinen Ton in einem Satz zusammen, der für viele steht: "Dick zu sein ist nichts Unwürdiges. Unwürdig ist es, sich wie diese arme Frau lächerlich zu machen." Der erste Teil ist eine Binsenweisheit; um den zweiten wird der Kampf ausgefochten.

Manche verteidigen, dass das Aussehen irrelevant ist und nur zählt, was die Künstlerin beim Publikum bewegt. Andere, ohne das zu bestreiten, zeigen auf den Elefanten im Raum: die Industrie, die sie auf die Bühne gehoben hat und sie nun in einem Zustand zur Schau stellt, der nicht ihr bester zu sein scheint. Der Verdacht, "dort sei etwas mit Geld und Verträgen passiert", kursiert ohne jeden Beleg als Gerücht – und sollte auch als genau das behandelt werden.

Die Behandlung, über die alle sprechen und die niemand bestätigt

Das Element, das in der Geschichte am schwersten wiegt, ist die Gesundheit. Es wird behauptet, sie sei in psychiatrischer Behandlung und die Probleme hätten mit dem Tod ihres Vaters begonnen. Eine offizielle Bestätigung gibt es im Material nicht; es ist eine immer wieder wiederholte Version. Nimmt man sie als Hypothese an, verschiebt sich der Rahmen: Dann wird nicht eine schlecht performende Profi beurteilt, sondern eine kranke Person, die dem Spott ausgesetzt ist.

Genau an diesem Punkt wird die Diskussion unbequem. Denn man kann ein Konzert kritisieren und dabei trotzdem nicht den Körper einer Frau zum Witz der Woche machen. Die Grenze zwischen Qualitätsanspruch und Hetze gegen eine verletzliche Person ist schmal – und hier wird sie mehrfach überschritten.

Worum es wirklich geht: wer die Show bezahlt

Unter dem Lärm gibt es eine legitime Debatte über öffentliches Geld und das Fernsehen. Ein Kommentar bringt es ohne Umschweife auf den Punkt: Karten zu zahlen, um verunglückte Töne zu ertragen, ist das eine; mit Steuern diejenigen zu bezahlen, die sie auf den Bildschirm bringen, ist das andere. Es ist die Diskussion über die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien und darüber, wer entscheidet, was gesendet wird – sie taucht jedes Mal auf, wenn ein bekanntes Gesicht einen schlechten Tag hat.

Und dann ist da noch die Frage, die niemand ganz stellt: Warum wird sie weiterhin eingeladen? Die zynischste Antwort sind die Quoten. Die wohlwollendste ist Loyalität. Die wahrscheinlichste ist eine Mischung aus beidem mit einer Prise Morbidität – der billigste Treibstoff, den es gibt.

Am Ende ist die verstörendste Erkenntnis nicht ihr Gewicht oder ihre Intonation. Sondern dass heute über eine Künstlerin mit Jahrzehnten Karriere mehr darüber geredet wird, wie sie aussieht, als wie sie klingt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (81 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver