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Altar für in Saragossa erlegtes Wildschwein: Plage wird zur Märtyrerin
Ein in Saragossa (Spanien) erlegtes Wildschwein bekommt einen Altar, Blumen und rund fünfzig Demonstranten. Die Plage als Märtyrerin – und die Bar, die für das Spektakel zahlt.
Altar für ein erlegtes Wildschwein: Wenn die Plage zur Märtyrerin wird
Ein Wildschwein stirbt vor einer Bar in Saragossa, mitten in den Fiestas del Pilar, und jemand entscheidet, dass das einen Altar verdient. Blumen, Äpfel, Tannenzapfen und Transparente. Rund fünfzig Menschen demonstrieren anschließend für das Tier, das sie als „ermordet" bezeichnen, und skandieren, dass es kein Fest sein könne, solange es Gewalt gebe. Die Szene hat etwas Parabelhaftes: Dasselbe Tier, das wegen Überpopulation bejagt wird, wird binnen Stunden zum Symbol einer Sache.
Die Sache ist: Das Wildschwein ist keine bedrohte Art. Es ist eine Plage auf vier Beinen. Jedes Weibchen wirft acht Frischlinge pro Wurf und hat keinen natürlichen Feind, der es eindämmt – die einzige Möglichkeit, den Bestand zu kontrollieren, ist also die naheliegende: Tiere erlegen. Wer auf dem Land lebt, weiß das. Wer im Stadtzentrum lebt, offenbar nicht.
Von der Plage zur Märtyrerin in achtundvierzig Stunden
Die Abfolge folgt fast einem Drehbuch. Zuerst der improvisierte Altar vor der Bar. Dann die Kundgebung mit rund fünfzig Menschen und einer Botschaft, die tierrechtliche Trauer mit Kritik am Barbesitzer vermischt, der als Jäger beschrieben wird. Und dazwischen die laufende Untersuchung des Vorfalls, die als etwas dargestellt wird, das nicht ungesühnt bleiben wird.
Da liegt der Kern der Sache: Ein Tier, das täglich getötet wird, um die Bevölkerung zu ernähren – Millionen Tiere pro Jahr in Spanien – löst plötzlich eine öffentliche Reaktion aus, die keine Schlachtung in der Landwirtschaft je hervorruft. Der Protest geht nicht um das Wildschwein. Er geht um etwas anderes.
Das Geschäft der Bar und der Preis des Kreuzzugs
Denn der Altar hat ein Kollateralopfer, das auf den Transparenten nicht auftaucht: den Besitzer der Bar. Das Zirkus vor seiner Tür, die öffentliche Bloßstellung und das möglichst gründliche Ruinieren seines Lebens sind eine Rechnung, die irgendjemand am Ende bezahlt. Und das ist nicht das Wildschwein.
Manche halten die Reaktion für angemessen, wenn man davon ausgeht, dass das Tier grausam getötet wurde. Dagegen steht das Argument, dass Bestandskontrolle eine sanitäre und landwirtschaftliche Notwendigkeit ist, keine jagdliche Laune. Die beiden Erzählungen berühren sich nie.
Der doppelte Maßstab des Sofa-Tierschutzes
Der Vergleich, der das Gespräch überschattet, ist unbequem: Für den toten Delfin in Ceuta gab es keinen Altar. Für ein in einer spanischen Stadt erlegtes Wildschwein schon. Die Selektivität der Trauer sagt mehr über diejenigen aus, die sie praktizieren, als über das Tier.
Und währenddessen geht das Fest weiter, die Überpopulation geht weiter, und die Frischlinge kommen weiterhin zu acht auf die Welt. Der Altar wird verwelken. Die Plage nicht.
Absehbar ist, dass die Sache in ein paar Tagen abkühlt und als Anekdote der Fiestas del Pilar endet. Weniger klar ist, ob beim nächsten Mal, wenn ein Tier im Zentrum einer Stadt erlegt wird, nicht wieder jemand dasselbe Theater aufführt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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