Aliança Catalana: Spaniens Rechtsnationalisten auf elf Sitze

Das CEO-Barometer sieht Aliança Catalana bei zehn bis elf Sitzen, während Junts unter dreißig fällt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Aliança Catalana: Spaniens Rechtsnationalisten auf elf Sitze
Aliança Catalana springt von zwei auf elf Sitze im CEO-Barometer

Das letzte Barometer des Centre d'Estudis d'Opinió (CEO), veröffentlicht am 16. Juli, bescheinigt Aliança Catalana zwischen zehn und elf Sitzen, falls die katalanischen Wahlen heute stattfänden. Die Partei von Sílvia Orriols würde sich von 3,77 Prozent der Stimmen vom 12. Mai 2024 auf eine Spanne von sechs bis acht Prozent in der Wahlabsicht steigern. Aus zwei Abgeordneten würden im besten Fall elf. Die Feldforschung fand zwischen dem 30. Mai und dem 28. Juni statt; die Umfrage zeigt Junts unter dreißig Sitzen.

Dies ist ein Sprung, der eine Neukartierung der politischen Landschaft erzwingt. Eine Bewegung, die gestern niemand unterschrieben hätte, aber seit Monaten brodelte.

Woher kommt das Wachstum: Junts, Vox und Protestwähler

Keine einzelne Umfrage erklärt einen Wählertransfer allein, aber die Summe der Indizien deutet in eine Richtung. Die verbreitetste Analyse besagt, dass Aliança Catalana die Unzufriedenheit eines Teils der Junts-Wählerschaft auffängt, insbesondere jener, die die jüngsten Koalitionen nicht teilen, sowie eines Segments der Vox-Wählerschaft, das sich mit der Marke nicht mehr wohlfühlt. Manche nennen eine dritte Quelle: enttäuschte Unabhängigkeitsbefürworter, die von ERC und CUP nichts mehr erwarten und eine nuancenlose Rhetorik suchen.

Das häufigste Argument lautet, dass die verbleibenden Vox-Wähler in Katalonien ein gefestigtes, wenig mobiles Publikum sind, während die Wut über Migration wächst. Daher spricht man weniger von Transfer als von der Besetzung einer lange leeren Nische.

Regional- und Nationalwahlverhalten getrennt betrachtet

Ein Phänomen verwirrt jede katalanische Umfrage: das Doppelwahlverhalten je nach Urnengang. Es gibt Wähler, die bei Regionalwahlen Aliança Catalana und bei Bundestagswahlen Vox ankreuzen. Dies wirkt zunächst widersprüchlich – eine separatistische Kraft neben einer offen spanientreuen –, hat aber Präzedenzfälle. Jahrelang wählte ein Großteil der Bevölkerung in Katalonien CiU und bei nationalen Wahlen PSC, ohne dass dies als Identitätskrise gedeutet wurde.

Die Logik war damals dieselbe wie heute: Jede Wahl hat ihren Rahmen und ihre Zweckmäßigkeitserwägungen. Der Unterschied liegt darin, dass diese Berechnung früher territorial geprägt war und sich heute um Migration dreht. Das ist die verschobene Achse.

Ripoll als Labor für die Rhetorik

Ripoll dient als Testlauf für das, was später in den Umfragen auftaucht. Bürgermeisterin Sílvia Orriols schloss Lokale aus hygienischen Gründen oder wegen Zugangsverboten für Frauen, so ihre Darstellung, und erließ eine Verordnung, die den Burkini im städtischen Schwimmbad aus Sicherheitsgründen verbietet, mit einer ausdrücklichen Empfehlung an andere katalanische Rathäuser. Die Burkini-Affäre bündelt genau jene Art von Kontroverse, die ihr außerhalb ihrer Gemeinde Sichtbarkeit verschafft hat.

Ihr persönliches Profil wird oft als Beweis für Bürgernähe angeführt: 39 Jahre alt, fünf Kinder, Kellnerin und Fabrikarbeiterin vor dem Wechsel in die Politik, seit über zwanzig Jahren mit derselben Partnerin zusammen. Ihre Rede sucht keine Vermittler. Sie spricht über Hygiene, Sicherheit und Ordnung und überlässt Nuancen anderen.

Was bleibt vom Unabhängigkeitsblock?

Das Wachstum hat interne Kosten. ERC und die CUP haben klargemacht, dass sie nicht mit Aliança Catalana koalieren wollen, was jede mögliche souveränistische Mehrheit zerbricht. Junts hat es zudem schwer: Verliert es Sitze rechts, wird die Arithmetik noch komplizierter. Das Ergebnis ist eine Gemeinschaft, die durch kreuzweise Vetos zunehmend regierungsunfähig wird.

Dies geschieht parallel zu den Entwicklungen in Madrid, mit dem Unterschied, dass dort laut einer im Diskurs kursierenden Rechnung eine alternative Mehrheit zwischen den beiden großen Parteien locker reicht. In Katalonien ist das Spielfeld so fragmentiert, dass selbst unwahrscheinliche Mehrheiten nicht aufgehen.

Kann Aliança Catalana mit elf Sitzen regieren?

Nein. Zehn oder elf Abgeordnete bringen niemanden in die Nähe einer absoluten Mehrheit, und die Koalitionsisolierung tut ihr Übriges. Die relevante Frage ist nicht, ob sie regiert, sondern wie sehr sie bestimmt. Eine Fraktion dieser Größe zwingt alle anderen, sich bei jeder Abstimmung zu positionieren, und zieht die öffentliche Debatte zu ihren Themen. Dieser Effekt – Agenda setzen ohne Machtübernahme – ist im Parlament bereits spürbar, wo andere Parteien ihre Redepraxis geändert haben.

Mit den Zahlen auf dem Tisch ist das wahrscheinlichste Szenario keine Regierung von Aliança Catalana, sondern ein noch stärker fragmentiertes Parlament und ein Dauerwahlkampf um Migration. All dies natürlich nur, wenn die Befragten des CEO tatsächlich wählen gehen. Umfragen zwei Jahre vor der Wahl treffen meist die Richtung, aber selten die Größenordnung.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (256 Antworten).

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