Aldama-Affäre: Korruptionsskandal erschüttert Spaniens PSOE-Regierung

Die Aldama-Affäre belastet Begoña Gómez, Ábalos und Koldo. Die Regierung bestreitet alles, während Kritiker von einer Korruption sprechen, die den Bárcenas-Fall um ein Hundertfaches übertrifft.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Aldama-Affäre: Korruptionsskandal erschüttert Spaniens PSOE-Regierung
Horizonte und die Aldama-Affäre: Der Korruptionsskandal, der die PSOE trifft

Ist die Aldama-Affäre der endgültige Schlag gegen die Regierung von Pedro Sánchez oder nur ein weiteres Kapitel einer nie endenden Serie? Die Sendung Horizonte, die dem Korruptionsnetzwerk rund um den Vermittler Víctor de Aldama gewidmet war, hat die Debatte darüber neu entfacht, wie weit die Verantwortung der Exekutive in dem Geflecht aus öffentlichen Aufträgen, Provisionen und Vermittlungen reicht, das Begona Gómez, die Ehefrau des Präsidenten, sowie ehemalige sozialistische Politiker wie José Ábalos und Koldo García betrifft. Manche behaupten, das Netzwerk übertreffe die Korruption im Bárcenas-Fall, der die Regierung Mariano Rajoy zu Fall brachte, um das Hundertfache. Die Frage ist nicht mehr, ob es Korruption gibt, sondern wie lange es dauert, bis die Regierung stürzt.

Die Aldama-Affäre: Vom Vermittler zum Schlüsselperson

Víctor de Aldama erschien vor Gericht und wurde nach Angaben, die direkt auf Pedro Sánchez, José Ábalos und Begoña Gómez verweisen, unter Auflagen freigelassen. Berichten zufolge soll Aldama im Februar 2023 auf Bitte der Guardia Civil eine Treibjagd in Ciudad Real organisiert haben, um FBI- und CIA-Mitarbeiter in Spanien zu beeindrucken, und habe die Medaille für Verdienst erhalten, weil er „Probleme gelöst“ habe, die die bewaffnete Polizei „nicht allein lösen kann“. Dieses Detail, das zunächst anekdotisch erscheint, deutet auf eine undurchsichtige Beziehung zwischen dem Vermittler und staatlichen Institutionen hin, die viele Analysten als Spitze des Eisbergs betrachten.

Das Netz erstreckt sich auf Namen wie Koldo García, ehemaliger Berater von Ábalos, und auf Begoña Gómez selbst, deren berufliche Tätigkeit wegen ihrer angeblichen Verbindung zu öffentlichen Aufträgen infrage gestellt wird, die an Unternehmen vergeben wurden, die ebenfalls Provisionen an Aldama gezahlt haben sollen. Die verfügbaren Daten deuten auf ein Netzwerk hin, das jahrelang mit Duldung oder zumindest Kenntnis hochrangiger PSOE-Politiker und des Innenministeriums operiert haben soll.

Die Reaktion der Regierung und das Schweigen der Medien

Während die Affäre voranschreitet, leugnet die Regierung alles pauschal. Die offizielle Strategie besteht darin, die Aufmerksamkeit auf andere Themen zu lenken, wie den Streit zwischen Broncano und Pablo Motos, der laut einigen Analysen inszeniert wurde, damit niemand auf die Aldama-Affäre schaut. Diese Technik der medialen Ablenkung ist in Zeiten maximalen politischen Drucks üblich, doch diesmal macht die Menge an Informationen, die jede Woche ans Licht kommt, es schwierig, die offizielle Darstellung aufrechtzuerhalten.

Die Journalistin Bea Talegón, die in der Sendung zugegen war, deutete an, dass es absichtlich falsche oder verwirrende Informationen über die Zahl der Toten im Parkhaus von Bonaire gab, die an mehrere Medien verbreitet wurden, um diejenigen zu diskreditieren, die wahre Informationen lieferten. Nach dieser Version hätte ein Beamter der Guardia Civil gegenüber den Presseteams auf eine bestimmte Zahl bestanden, die später nicht mit der Realität übereinstimmte. Diese Manöver, falls bestätigt, wären Teil einer breiteren Strategie der Desinformation von oben.

PSOE-Korruption im Vergleich zum Bárcenas-Fall

Der Vergleich mit dem Bárcenas-Fall ist unvermeidbar. Jenes Netzwerk aus illegalen Nebeneinkünften innerhalb der PP führte dazu, dass Mariano Rajoy La Moncloa verließ und Luis Bárcenas ins Gefängnis kam. Nun sind die Namen, die in der Aldama-Affäre auftauchen, zahlreicher und schwerwiegender: Aldama, Begoña Gómez, der Bruder von Pedro Sánchez, der Präsident selbst, Koldo, Ábalos, Delcy Rodríguez, María José Montero, Óscar Puente, Santos Cerdán und Marlaska. Die Liste ist lang und vielfältig und berührt sowohl wirtschaftliche als auch institutionelle Bereiche.

Eines der auffälligsten Episoden ist die des persönlichen Leibwächters von Marlaska, der Berichten zufolge ein Dienstfahrzeug genutzt haben soll, um 368 Kilogramm Kokain nach Sevilla zu eskortieren. Es ist unklar, wie viele Kilogramm in den Monaten zuvor transportiert wurden, aber die Tatsache, dass ein Mitglied der Sicherheitskräfte des Innenministers in einen Drogenhandel dieser Größenordnung verwickelt ist, zeigt die Tiefe des Problems. Hinzu kommt der Fall eines Polizeibeamten für Geldwäschebekämpfung, der 20 Millionen Euro zu Hause hatte.

Warum gibt es kein Misstrauensvotum?

Viele fragen sich, warum kein Misstrauensvotum gegen die Regierung eingeleitet wurde, wenn die Korruption so gravierend ist. Die Antwort liegt bei den katalanischen und baskischen Parteien, denen vorgeworfen wird, wegzuschauen, weil sie nur ihre Taschen füllen und ihre Machtanteile sichern wollen. Dieser Mangel an parlamentarischer Alternative lässt die Regierung in einer Position der Schwäche, aber auch der Straflosigkeit, zumindest bis die Justiz ein Urteil spricht.

In der Zwischenzeit beobachtet die Zivilgesellschaft ungläubig, wie Enthüllungen folgen, ohne dass es unmittelbare politische Konsequenzen gibt. Das Gefühl, dass sich Straflosigkeit in den Institutionen festgesetzt hat, ist zunehmend verbreitet und schürt die Unzufriedenheit mit der politischen Klasse im Allgemeinen.



Mit diesen Voraussetzungen scheint der Sturz der Regierung nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Oder auch nicht. Denn in diesem Land haben wir gelernt, dass Korruption nicht immer diejenige zu Fall bringt, die es sollte, und dass Vergessen manchmal der beste Verbündeter der Diebe ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (161 Antworten).

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