AfD-Kandidatin Weidel bezeichnet Hitler als Kommunisten

Alice Weidel behauptet in einem Chat mit Elon Musk, Hitler sei sozialistisch gewesen; die AfD sei das Gegenteil. Die Sendung erreichte 209.000 Zuschauer.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

AfD-Kandidatin Weidel bezeichnet Hitler als Kommunisten
Weidel: „Hitler war ein Kommunist“ und die AfD sein Gegenstück

Die Partei, die den Staat auf ein Minimum reduzieren will, behauptet, ihr historischer Feind habe ebenfalls einen riesigen Staat gewollt. Um dies zu beweisen, griff ihre Kandidatin auf eine Bezeichnung zurück: Hitler war sozialistisch. Und der reichste Mann der Welt leihte ihr dafür seine Plattform.

Elon Musk rief die Deutschen während einer Live-Unterhaltung mit Alice Weidel, der Kanzlerkandidatin der Partei, dazu auf, bei den Wahlen am 23. Februar die Alternative für Deutschland (AfD) zu wählen. Die Übertragung erfolgte über das von ihm besessene soziale Netzwerk. „Nur die AfD kann Deutschland retten, sonst wird es viel schlimmer“, erklärte sie. Das Gespräch, das auf Englisch und ohne Bilder stattfand, erreichte seinen Höhepunkt mit 209.000 Accounts auf X. Dies ist kein Detail: Die Europäische Kommission prüfte die Übertragung im Rahmen ihrer laufenden Ermittlungen gegen X wegen möglicher Verstöße gegen das Digitale-Dienste-Gesetz.

„Hitler war ein Sozialist, ein Kommunist“: Was genau sagte Weidel?

Die Kandidatin argumentierte, das Dritte Reich, „das nationalsozialistisch war, erhob enorme Steuern und verstaatlichte die Industrie“. Sie fügte hinzu, dass der größte Erfolg des Landes darin bestanden habe, Hitler als konservativ abzustempeln, obwohl er in ihrer Darstellung nichts anderes als „ein Sozialist, ein Kommunist“ gewesen sei. Im Gegensatz zu diesem vermeintlichen Staatssozialismus stellte sie die AfD als „eine konservative und libertäre Partei“ dar, die das Volk vom Staat befreien und ihm „Freiheit zum Vermögensaufbau“ geben wolle.

Im selben Gespräch verglich sie die deutsche Presse mit dem nationalsozialistischen Regime selbst und beschuldigte Brüssel der Zensur: „EU-Bürokraten verfolgen unser Gespräch aufgrund eines Gesetzes, das schlichtweg Zensur der Meinungsfreiheit ist“, sagte sie. Musk seinerseits deutete an, die Partei werde „in den westlichen Medien massiv verzerrt dargestellt“.

Hat Hitler die Industrie verstaatlicht oder unter Parteifreunden verteilt?

Hier wird die Diskussion interessant, denn die ideologische Einordnung hängt von den Fakten ab. Eine Argumentationslinie besagt, dass das Regime eine beachtliche Anzahl von Unternehmen an private Hände verkaufte: Preussag AG, die Commerz-und Privatbank — die heutige Commerzbank, gegründet 1870 und 1937 privatisiert —, die Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, zwischen 1935 und 1937 privatisiert, sowie die Golddiskontbank, die 1924 zur Stützung der deutschen Exporte geschaffen wurde. Die Golddiskontbank diente zudem dazu, emigrierende Nnnn zu zwingen, ihr Vermögen auf ein Konto der Institution zu übertragen.

Die Gegenargumente kommen mit Namen und Daten: Viele dieser Unternehmen waren nicht staatlich, sondern privat, und wurden 1931 vom damaligen Bundeskanzler Brüning gerettet. Das Regime gab sie lediglich an regimetreue Besitzer zurück. Auf dem Papier war das Eigentum privat; in der Praxis, so diese Lesart, war der Empfänger verpflichtet, Personal nach Anweisung der Partei einzustellen, Vorgeschriebenes herzustellen, zu festgelegten Preisen des Reichskommissars für Preisbildung zu verkaufen und in gedrucktem Papiergeld der Zentralbank bezahlt zu werden.

Es gibt eine dritte Erzählung, die für Weidels These unbequemer ist: Enteignung ohne dieses Wort zu benutzen. Unternehmen, die Inspektionen und Bußgeldern ausgesetzt waren, die ihren Wert überstiegen, bis sich ein NSDAP-Mitglied fand, das sie für einen Spottpreis kaufen wollte. Danach verschwanden die Sanktionen wie durch Zauberhand. Mit diesem Mechanismus wechselten Hunderte von Unternehmen den Besitzer, ohne dass jemand das Wort Verstaatlichung in ein Amtsblatt schrieb. Die vollständige Aufschlüsselung dieser Transaktionen, Unternehmen für Unternehmen, ist Material, das man ganz lesen sollte, bevor man eine der beiden Bezeichnungen akzeptiert.

Die Deutsche Arbeitsfront und das Geschäft mit Zwangsarbeitern

Weniger Raum erhält in der öffentlichen Debatte ein anderer Fakt, der im Kern der Diskussion auftaucht: die Beteiligung privater Unternehmen an der Ausbeutung von Gefangenen. Anfang 1941 wurden einige hundert Häftlinge aus Auschwitz an IG Farben und 300 Häftlinge aus Mauthausen an Steyr-Daimler-Puch vermietet. Beide Firmen nutzten diese Arbeitskräfte, um den Personalmangel zu decken, zunächst für ungelernte Bauarbeiten, während die SS die Kontrolle über die Häftlinge behielt und Profit machte. Auch die Rolle des DAF, der Gewerkschaft der Partei, und der NSDAP-Führungskräfte bei der Verwaltung der angeblich privatisierten Unternehmen wird erwähnt.

Kann die AfD nach dem 23. Februar regieren?

Nein, basierend auf den Daten, die in der eigenen Debatte genannt wurden. Eine Umfrage des Instituts INSA sah die AfD bei 21,5%, hinter den Konservativen der CDU/CSU (31%) und deutlich vor Olaf Scholz' SPD (15,5%). Die Partei liegt auf Platz zwei, aber das von anderen Parteien auferlegte „Brandmauer“-Prinzip macht ihren Eintritt in eine Regierungskoalition praktisch unmöglich. Der Leiter von INSA, Hermann Binkert, war der Ansicht, dass Musks Aussagen dazu beigetragen hätten, das Stigma der Partei zu verringern. Darum ging es in dem Gespräch – nicht um ein Wirtschaftsprogramm.

Das Label als politische Waffe

Der Kern der Sache ist, dass die Diskussion darüber, ob der Nationalsozialismus extremen Kapitalismus, Staatssozialismus oder eine dritte Position darstellte, seit Jahrzehnten ungelöst ist und auch nicht in einer Live-Übertragung gelöst werden wird. Was sich ändert, ist die Nutzung dieser Diskussion: Wenn Hitler nicht mehr exklusiv der Rechten zugeschrieben wird, verliert das häufige Mittel, den Gegner mit einem Label zu versehen, an Schärfe. Die AfD liegt in den Umfragen auf Platz zwei, während ihre Kandidatin das 20. Jahrhundert nach Belieben umschreibt. Funktioniert die Beleidigung noch, wenn sie vom politischen Gegner wiederverwendet wird?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (286 Antworten).

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