996: 72 Wochenstunden, die den Arbeitgeber reich machen
Arbeitsbeginn um neun Uhr morgens, Feierabend um neun Uhr abends, sechs Tage pro Woche. Siebzig zwei Stunden. Wer dieses Tempo verteidigt, behauptet, damit sei der Stress vorbei: Indem man auf Auto, großes Haus und frühe Rente verzichtet, verschwinden die finanziellen Sorgen. Die Paradoxie besteht darin, dass diese Kennzahl kein Wohlbefinden misst. Sie zeigt, wem es nützt, wenn andere diese Stunden ableisten.
Auf den Kalender übertragen bedeutet der sogenannte „996“-Zeitplan mehr als 300 Stunden im Monat bei nur fünfzehn Urlaubstagen pro Jahr. Seine Befürworter stellen ihn als Lebensform bis ins Alter von achtzig Jahren dar, sofern der Körper mitmacht, und als hierarchischen Sieg über jene, die weniger arbeiten. Dabei wird auf kostenpflichtige Freizeit verzichtet: Die Unterhaltung besteht aus günstigen Science-Fiction-Büchern und reduzierten Videospielen.
Die These des „Supermanns“, der alles aufgibt, um zu produzieren
Der Ansatz ist keine Beschwerde, sondern eine Feierlichkeit. Wer ihn vertritt, beschreibt sich als Supermann des Liberalismus, jemand, der nicht konkurriert, um zu imponieren, und nichts für Marken ausgibt. Er nimmt einen Ersatzshake zum Mittagessen ein, ohne die Arbeit zu unterbrechen, und gönnt sich gelegentlich ein Nickerchen ohne Reue. Die Grundidee lautet: Wenn man akzeptiert, 72 Stunden pro Woche bis zum Ende zu arbeiten, verschwindet der Stress, weil man weder nach einer Jacht noch nach einem großen Haus strebt, das man ohnehin nicht genießen würde. Das angerufene Idol ist Elon Musk, dem der Autor selbst ähnliche Arbeitszeiten zuschreibt.
Unter dieser Epik verbirgt sich eine fragwürdige Behauptung – die Gleichsetzung von angesammelten Stunden mit Selbstwertgefühl und Glück – sowie eine klassische Verwechslung: die Annahme, der Wert der Arbeit werde in Zeit und nicht in Ergebnis gemessen.
Die Rechnung, die die Epik der 72 Stunden infrage stellt
Hier taucht die unbequeme Arithmetik auf. Ein Volumen von mehr als dreihundert Stunden monatlich ergibt nach gängigen Schätzungen eine hohe Bruttojahreszahl, die sich zusammenzieht, wenn man sie durch die Stundenzahl teilt und Benzinkosten sowie Verpflegung abzieht. Die Aufschlüsselung erscheint nicht einzeln im Thread; es handelt sich um Schätzungen der Teilnehmer. Dies ist das Szenario, das jene beschreiben, die von Montag bis Freitag zwölf-Stunden-Schichten ansammeln: Bei der Division und Abzug der Ausgaben wandelt sich der Enthusiasmus in etwas anderes.
Die zweite Korrektur betrifft das Eigentum. Der Supermann ist nicht derjenige, der am meisten arbeitet, sondern der Inhaber des Unternehmens, für das dieser Mitarbeiter sich anstrengt, so die These eines Teilnehmers. Wer für andere arbeitet und diese Stunden nicht proportional vergütet bekommt, begünstigt hauptsächlich das Unternehmen. Was manche als individuellen Heroismus darstellen, lesen andere als Umverteilung von Einkommen nach oben.
Wer seine Arbeit liebt, braucht keine 72 Stunden
Es gibt eine feinere Einwände: Es kommt nicht auf die Stunden an, sondern darauf, was man mit ihnen tut. In dem zu arbeiten, was einem gefällt, ist Leidenschaft; dies in etwas zu tun, das man hasst, ist eine Verurteilung, auch wenn es nur acht Stunden sind. Die Erfahrung bestätigt dies. Wer körperliche und geistige Anstrengung kombiniert hat, indem er 72 Stunden pro Woche als Selbstständiger arbeitete, versichert, dass er es gegen nichts eintauschen würde, und dass ein Bürojob mit 45 Stunden und besserem Gehalt ihn weniger anzieht. Autonomie wiegt schwerer als die Uhr.
Das Gegenteil ist die Gastronomie. Vier Monate in der Küche eines Restaurants, elf oder zwölf Stunden täglich in geteilten Schichten und sechs Tage pro Woche, lassen sich in einem Satz zusammenfassen: verlorene Lebensmonate und ein Körper, dessen Wiederherstellung Mühe kosten wird. Der Unterschied zum vorherigen Fall sind nicht die Stunden, sondern die Kontrolle über die eigene Zeit.
„Es ist eine Phase, kein Leben“: Alter, Wohnen und Ziel
Der generationsspezifische Nuance ordnet die Positionen. Mehrfachbeschäftigungen (Pluriempleo) ergeben als Phase Sinn: Mit achtzehn Jahren, ohne Wohnung, wobei ein Teilnehmer den Kaufpreis einer ersten Immobilie auf 250.000 Euro schätzt, wird vorübergehendes Arbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang als rationale Strategie betrachtet. Niemand hält dies vierzig Jahre lang aus, denn man verliert die Kindheit der Kinder und das Leben insgesamt.
Gegen die reine Akkumulation steht die gegenteilige These: Nicht wer am meisten hat, ist glücklicher, sondern wer am wenigsten braucht. Jede zusätzliche Immobilie bringt mehr Grundsteuer (IBI), mehr Versorgungskosten, mehr Sonderumlagen und mehr Erbschaftssteuern. Und eine ältere Lesart: Arbeit als Routine, fast ein Laster, die die Sicherheit gibt, jeden Tag dasselbe zu wiederholen. Den Genuss auf eine unsichere Zukunft zu verschieben, ist ihrer Meinung nach die riskanteste Wette von allen.
Bleibt die Frage, die keines der beiden Lager beantwortet: Wenn das Arbeiten von 72 Stunden pro Woche vor allem demjenigen zugutekommt, der es bezahlt, wer verkauft dann wirklich die Idee, dass dies Freiheit ist?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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