9. Mai: Russlands Generalmobilmachung oder nur eine Parade

CNN berichtete, der 9. Mai sei Tag der russischen Generalmobilmachung. Russland rief sie nicht aus, Europa reagierte nicht, die Analyse bleibt offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der 9. Mai: Generalmobilmachung oder nur eine Parade

Wochenlang kursierte in geopolitischen Kreisen ein bestimmtes Datum: der 9. Mai, Jahrestag des sowjetischen Sieges über das nationalsozialistische Deutschland. Die von US- und westlichen Beamten zugeschriebene und von CNN verbreitete Hypothese besagte, dass Wladimir Pilingui die Parade nutzen würde, um formal den Krieg gegen die Ukraine zu erklären, das Etikett „militärische Spezialoperation“ fallen zu lassen und die Generalmobilmachung von Millionen Reservisten anzuordnen. Der Bericht wurde mit Zahlen untermauert: 190.000 russische Verluste als Abschluss des ersten Kapitels und 950.000 Soldaten, die Moskau nicht an die Front schicken konnte, ohne das Land ungeschützt zu hinterlassen.

Das Datum verstrich. Und die Welt drehte sich weiter. Dieses kleine Detail, das der enthusiastische Mai-Titel ignorierte, beschreibt den Informationszyklus des Krieges am besten: ein hochrangiges Gerücht, eine Flut von Grafiken und eine Realität, die sich weigert, ins Bild zu passen.

Was eine Kriegserklärung technisch bedeutet

Der technische Kern der Sache ist nicht kosmetisch. Eine Kriegserklärung anstelle einer „Spezialoperation“ legalisiert rechtlich die Mobilmachung von Reservisten und die Schließung der Reihen um den Staat. Ein Teil der Analyse sah dies als logischen Schritt: Wenn Russland seine 950.000 Soldaten nicht einsetzen kann, ohne seine Grenzen zu entblößen, ist der einzige Ausweg, auf den Pool von Millionen Reservisten zurückzugreifen.

Dagegen spricht das bodenständigere Argument. Eine Armee aus Wehrpflichtigen, ohne Ausbildung, schlecht bewaffnet und noch schlechter geführt, taugt nicht dazu, einen modernen Krieg zu gewinnen. Wie eine der meistzitierten Analysen des Vorfalls zusammenfasst, können Rekruten nicht schießen, befolgen keine komplexen Befehle unter Feuer und müssen trotzdem versorgt und ausgerüstet werden. Massenhafte Mobilmachung ist kein militärischer Vorteil: Sie ist ein Teppich aus Leichen.

Das immer wiederkehrende Parallell: Der Zweite Weltkrieg

Der am häufigsten wiederholte Teil der Analyse blickt in die Vergangenheit. Die vorherrschende These lautet, dass die USA abwarten: Sie lassen Russen und Europäer sich gegenseitig ausbluten und greifen dann ein, um die Überreste einzusammeln, genau wie im Zweiten Weltkrieg, als 20 Millionen Russen und ebenso viele Chinesen fielen, bevor Washington handelte. Mehrere Teilnehmer veranschaulichen dies mit der Landung in der Normandie und dem Bombardement von Dresden.

Die daraus gezogene Schlussfolgerung: Wenn Europa zum Rammbock wird, der Russland auszehrt, wenn die Ukraine es nicht mehr kann, ist der Endnutzer nicht Europa. Es ist der Beobachter jenseits des Ozeans. Und dafür, so wird betont, muss Europas Führung wegsehen.

Die Frage, die niemand klärt: Marschieren Europäer ein?

Hier ändert sich der Ton. Niemand bei Verstand beschreibt eine europäische Wehrpflicht als wahrscheinliches Szenario, aber ganz ausgeschlossen wird sie auch nicht. Ein Teil behauptet, wenn Russland seine Bevölkerung mobilisiert, werde Europa aus purer Trägheit nachziehen. Ein anderer Teil verneint dies mit Verachtung: Sechs von zehn sagen, sie würden sich nicht bewegen, sie würden nicht für ein Land sterben, das sie nicht einmal kennen.

Auf dem Tisch liegt sogar das Etikett National Security Law, das nach einer Version Zwangsrekrutierungen ermöglichen würde. Harte Daten fehlen glänzend; die Angst hingegen ist reichlich vorhanden. Und darin liegt die Paradoxie: Für einen Krieg, in den fast niemand will, werden hunderte Nachrichten verfasst.

Widerspruch an der Spitze und letzte Wette

Der Vorfall hinterließ zwei unvereinbare Nachrichten über dasselbe Datum. Auf der einen Seite wurde verbreitet, dass ein hochrangiger Beamter einigen Außenministerien bereits die Warnung übermittelt hatte, dass am 9. Mai alles vorbei sein würde. Auf der anderen Seite deutete die Leckage an CNN genau das Gegenteil an: Kriegserklärung und Mobilmachung. Beides konnte nicht wahr sein.

Das Ergebnis des Vorfalls fasst ein Satz zusammen, den niemand widerlegte: „Wo stehen wir, endet es am 9. oder beginnt es? Ich wette, wir bleiben gleich.“ Die Analyse steckt genau dort fest, bei dem Datum, das alles hätte ändern sollen und nichts geändert hat. Oder fast nichts.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (126 Antworten).

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