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9 d'Octubre: Senyera am Balkon und Ringen um die Identität
Der 9 d'Octubre in Valencia verbindet Senyera am Balkon, Jaume I, den Cid und einen Streit um die valencianische Sprache, den die offizielle Feier jedes Jahr meidet
Tag der Valencianischen Gemeinschaft: Senyera am Balkon und Ringen um die Identität
Der 9 d'Octubre wird gefeiert, mit der Senyera an den Balkonen gehisst und einer unbequemen Frage im Hintergrund: Was wird da eigentlich genau commemoriert? Der valencianische Feiertag vermischt in diesem Jahr drei Ebenen, die selten ohne Reibung zusammenkommen — der historische Anspruch von Jaume I. dem Eroberer, die Figur des Cid Campeador als gemeinsames Symbol und der Konflikt zwischen denen, die den Feiertag als Identitätsbekennung lesen, und denen, die ihn als junges politisches Konstrukt sehen. Im Zentrum der Debatte steht die Sprache. Ein Kommentar fasst das Missbehagen eines Teils zusammen: «Angustia de idioma» ("Ekel vor der Sprache"). Ein anderer antwortet spöttisch: «A ver estvdiao» ("Na dann, Herr Akademiker").
Was am 9 d'Octubre gefeiert wird und warum es Spannungen erzeugt
Das Datum erinnert an den Einzug Jaumes I. in die Stadt Valencia im Jahr 1238, einen Meilenstein, den die klassische Historiographie als Geburt des Königreichs Valencia darstellt. Diese Gründungserzählung trägt die offizielle Feier. Doch die Festlichkeiten bergen einen Widerspruch, den niemand verheimlicht: Dasselbe Gebiet, das als historisches Königreich beansprucht wird, gehört heute zu einem Spanien, das manche der Feiernden im selben Atemzug beschwören. «VIVA EL REGNE DE VALENCIA» und «ARRIBA ESPAÑA» erscheinen nebeneinander, ohne dass jemand die Spannung zu bemerken scheint.
Die Figur des Cid wirkt als rhetorischer Klebstoff. Der kastilische Held, der Valencia als christlicher König nie betreten hat, bevor er 1094 kam, wird als Vorläufer des Projekts angerufen. «El Cid es el mayor trinc del reyno» ("Der Cid ist der größte Maurenverehrer des Königreichs"), fasst eine Nachricht zusammen — eine Mischung aus Stolz und Provokation, die mehr über die Gegenwart sagt als über das Mittelalter.
Die Senyera als politisches Thermometer
Die Geste, die Regionalflagge am Balkon zu hissen, ist zu einem politischen Positionszeichen geworden. «Nada más levantarme» ("Kaum war ich aufgestanden"), bestätigt jemand, der seine bereits aufgehängt hat. Ein anderer dehnt die Praxis auf die Nachbarschaft aus: «y mi vecino también» ("und mein Nachbar auch"). Die Anekdote, scheinbar banal, zeigt, wie sehr die Flagge als Bekenntnis zur Zugehörigkeit funktioniert — in einem Gebiet, wo die Identität alles andere als eindeutig ist.
Manche verlagern die Feier ins Parodistische. Eine gesungene Version von Jaume primer tenia cent soldats — mit dem Refrain «Ori ori ori xup» — kursiert als liebevolle Verhöhnung des offiziellen Folklores. Die Grenze zwischen Hommage und Spott ist in Valencia besonders porös.
Die Sprache, die nie heilende Kluft
Die valencianische Sprache — oder katalanische, je nachdem, wer die Karte zeichnet — bleibt der häufigste Reibungspunkt. Eine Nachricht tut sie mit Verachtung ab; eine andere antwortet mit Ironie über die Bildung der Kritikerin. Es ist keine neue Debatte: Es ist die Wunde, die die Transición (der spanische Übergang zur Demokratie) offenließ und die jedes Jahr am 9 d'Octubre wieder aufbricht.
Die offizielle Feier meidet das Thema. Die Straße nicht. «Feliz día de la terreta» ("Frohen Tag der kleinen Heimat"), fasst jemand zusammen, und in diesem Wort — terreta — passt alles: die Heimat, der Gemüsegarten, die Paella und auch das Unbehagen, nicht genau zu wissen, was da eigentlich gefeiert wird.
Ein Fest mit mehr Fragen als Antworten
Der 9 d'Octubre wirkt wie ein Spiegel der valencianischen Widersprüche: Königreich und Autonomie, Senyera und spanische Flagge, Jaume I. und der Cid, Valencianisch und Kastilisch. Niemand gewinnt den Kampf, weil ihn niemand ernsthaft führt.
Kann man eine Identität feiern, ohne vorher zu klären, welche Identität das eigentlich ist?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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