Der australische Traum als Gegenentwurf zum Lärm und Frust in Spanien

Der «australische Traum» gewinnt Anhänger gegenüber der Polarisierung in Spanien: Sicherheit, hohe Löhne und strenge Einwanderung als Anziehungspunkte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der australische Traum als Gegenentwurf zum Lärm und Frust in Spanien
Australien, die stille Oase, die manche Spanien vorziehen

Zwei Termine im Jahr. Die Australian Open und der Formel-1-Grand-Prix. Außerhalb dieser beiden Fenster, so eine These, die stark umläuft, verschwindet das größte Land Ozeaniens aus den Nachrichten und lebt abseits des Lärms. Aus dieser Prämisse entsteht der australische Traum, präsentiert als Ersatz für einen erschöpften amerikanischen Traum. Und nicht als Ziel eines Flugtickets, sondern einer Wiedergeburt.

«Wenn ich mich wiedergebären lassen müsste, würde ich mir wünschen, in Australien geboren zu werden», fasst die Überlegung zusammen. Wer sie verfasst, sagt, er liebe Spanien, beschreibt aber ein Spanien, das zum Pulverfass geworden ist, und verortet die Traumkarte an zwei konkreten Koordinaten: Sydney oder Gold Coast. Der Neid, fügt er hinzu, sei gesund.

Warum taucht Australien nicht in den Nachrichten auf?

Die Ausgangsüberlegung ist geopolitisch: Während drei Viertel des Planeten in Kriege und Polarisierung verwickelt sind, gibt es ein Land, das in einer Ecke der Karte unbemerkt bleibt, ohne Feinde und im Visier von niemandem. Daher die Frage, mit der das Thema eröffnet wird: Wann hat man zuletzt eine Nachricht über Australien gesehen, die nicht sportlich war?

Dieser Abwesenheit wird eine Liste von Tugenden zugeschrieben: keine Terroranschläge, keine Schießereien, keine Messerstechereien, niedrige Kriminalitätsrate, gute Löhne und gute Strände. Der gezeichnete Kontrast ist explizit: In einem Spanien und einem Europa, wo man nach dieser Erzählung einen Messerstich oder einen Raubüberfall erleiden kann, gehe man dort zu jeder Uhrzeit auf der Straße. Es ist eine Wahrnehmung, keine Statistik: Niemand belegt sie mit einer einzigen offiziellen Zahl.

Bessere Löhne und höhere Preise: die Rechnung ohne Zahlen

Der wirtschaftliche Kern des Arguments lässt sich in einem Satz zusammenfassen: höhere Preise, aber deutlich bessere Löhne als bei uns. Das Land wird zudem als restriktiv bei der Einwanderung beschrieben, «das Gegenteil von Spanien und Europa», und dieses Merkmal wird als Vorteil und nicht als Problem dargestellt. Darin liegt die grobe Paradoxie der These: Die eigene geschlossene Tür wird gelobt, genau während die der anderen kritisiert wird.

Auffällig ist, was fehlt. In der gesamten Argumentation taucht kein einziges Durchschnittsgehalt, keine Miete, kein Kriminalitätsindex und keine Angabe zu den Lebenshaltungskosten auf. Das Paradies stützt sich auf Eindrücke und auf Bilder von lächelnden Menschen.

Spinnen, Krokodile und eine Vergangenheit als Sträflingskolonie

Der am häufigsten geäußerte Einwand diskutiert nicht die Wirtschaft, sondern die Fauna: Spinnen, Schlangen, Krokodile, Haie. Die Antwort darauf fällt schnell aus: Als gäbe es im Rest der Welt keine Viecher. Der zweite Vorwurf ist historischer Natur und hat mehr Substanz: Großbritannien deportierte Sträflinge nach Australien, was als Erinnerung daran dient, dass der Ursprung des Landes keineswegs erlesen war.

Zu diesen beiden Bedenken kommt ein drittes, unbequemeres hinzu: in ein Land auszuwandern, das von einer als megaproggressiv und megawoke beschriebenen Regierung geführt wird, ausgerechnet während man genau das in der Heimat kritisiert. Und es tauchen einige Anschuldigungen über Polizeimaßnahmen wegen bestimmter Postings in sozialen Netzwerken auf, Behauptungen, die ohne jeden Beleg in den Raum gestellt werden, ebenso wie andere darüber, wer das Land wirklich kontrolliert.

Das Land, in dem einer behauptet, geboren zu sein

Unter den Einwänden taucht eine Kuriosität auf, die den allgemeinen Ton durchbricht: Jemand behauptet, dort geboren zu sein, ohne australische, sondern mit dänischen und deutschen Wurzeln. Die Anekdote erinnert daran, dass Australien kein abstraktes Experiment ist, sondern ein Land überlagerter Migrationen.

Auch die Aussortierten werden aufgelistet: die USA wegen der Waffen, Lateinamerika wegen der Unsicherheit, Russland wegen der Rekrutierung, der Nahe Osten wegen des politischen Klimas, China wegen einer als beunruhigend empfundenen Homogenität und Thailand wegen der Reptilien, die im Badezimmer auftauchen können. Aus dieser Siebung geht ein einziger geografischer Überlebender hervor.

Der Wunsch ist solide. Die Bilanz, nicht vorhanden. Niemand nennt ein Gehalt, eine Miete oder eine Kriminalitätsrate. Das australische Paradies definiert sich am Ende durch alles, was man ihm unterstellt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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