40 Jahre Haft und 3,6 Millionen Euro wegen Bar-España-Hoax gefordert

Die spanische Staatsanwaltschaft fordert 40 Jahre Haft und 3,6 Millionen Euro vom Urheber des Bar-España-Hoax. Der Fall löst erneut die Debatte über die Verhältnismäßigkeit der Strafe aus und…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

40 Jahre Haft und 3,6 Millionen Euro wegen Bar-España-Hoax gefordert
40 Jahre Haft und 3,6 Millionen Euro wegen des Bar-España-Hoax gefordert

Ein Blogger, der unter dem Namen „Un Técnico Preocupado“ (Ein besorgter Techniker) schrieb, verbreitete jahrelang die Behauptung, in einer Bar in Benicarló würden Kinder missbraucht, und dass ein Pädophilenring die Taten vertusche. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn 40 Jahre Haft und eine zivilrechtliche Haftung von 3.600.000 Euro. Der Fall hat die Debatte neu entfacht, wo legitime öffentliche Anklage endet und Hetze beginnt, und ob die Strafe im Verhältnis zum verursachten Schaden steht.

Es handelt sich nicht um einen Einzelfall böser Absicht. Laut Prozessberichten sagten mehrere Anwohner und Geschäftsleute aus, die Anschuldigungen hätten ihr Geschäft und ihre Gesundheit ruiniert: Ein Fotograf berichtete, er habe sein Studio schließen müssen, weil man ihn als Aufzeichner der angeblichen Übergriffe hinstellte, und ein Ehepaar erklärte, in eine Depression gefallen zu sein und das Haus nicht mehr verlassen zu haben. Der Angeklagte selbst hat in seinem Widerrufsschreiben eingeräumt, dass ihm heute keine Belege mehr zur Verfügung stehen, um seine Anschuldigungen gegen konkrete Personen aufrechtzuerhalten.

Was ihm genau vorgeworfen wird – und warum die Summe Empörung auslöst

Ihm wird üble Nachrede mit Publikmachung vorgeworfen: die Anschuldigung von Straftaten in Wissen um deren Falschheit oder mit leichtfertiger Missachtung der Wahrheit. Die Verteidigung argumentiert, der Angeklagte habe an die Aussagen der Kinder geglaubt und sich widerrufen sowie aufgehört zu veröffentlichen, als diese ihre Version änderten. Das ist die Grenze zwischen einem absichtlichen Hoax und dem Fehler eines Menschen, der einem Zeugnis vertraut. Das Problem: Die Ermittlung hat Jahre von Veröffentlichungen und mehrere Geschädigte angehäuft.

Die Forderung von 40 Jahren und 3,6 Millionen hat Alarmglocken ausgelöst. Manche vergleichen die Summe mit Urteilen für Totschlag und schlussfolgern, das System habe beschlossen, diesen Mann als Abschreckung zu benutzen. Dagegen steht ein unspektakuläres juristisches Argument: Die Summierung der Strafen für fortgesetzte üble Nachrede und der Betrag der zivilrechtlichen Haftung werden anhand des nachgewiesenen Schadens für jeden Geschädigten berechnet, nicht anhand der Sympathie für den Angeklagten. Trotzdem wirkt die Proportion schief.

Der doppelte Standard der Medien, die Schlagzeilen ohne Beweise druckten

Der häufigste Vergleich ist der mit den Medien. Kritiker weisen darauf hin, dass eine Zeitung eine Schlagzeile veröffentlichte, die dem toxikologischen Gutachten widersprach, das sie selbst beifügte – und dass niemand 40 Jahre für die Verantwortlichen fordert. Der Gedanke hat Substanz: Wenn ein Hoax von einer Redaktion mit Anwälten verstärkt wird, ist die Strafe eine tief vergrabene Richtigstellung; wenn ein Privatmann mit einem Blog ihn verstärkt, ist es der persönliche Ruin. Genau diese Asymmetrie lesen viele als Warnung.

Der andere Streitpunkt ist der Widerruf. Der Angeklagte hat erklärt, ihm fehlten Belege, um die Anschuldigungen aufrechtzuerhalten – nicht, dass er die Fakten erfunden habe. Der Unterschied ist für den Straftatbestand wichtig, aber auch für die öffentliche Debatte: Ein Teil der Öffentlichkeit ist weiterhin überzeugt, dass hinter dem Fall etwas Real steckt, das mit dem Verfahren begraben wurde. Dafür gibt es keine Beweise in den Akten, und das sollte man ohne Umschweife sagen.

Spendenaktion: Solidarität oder Streisand-Effekt

Der Vorschlag, eine Sammelaktion zur Finanzierung der Verteidigung und einer eventuellen Entschädigung zu starten, schwebt über der gesamten Diskussion. Befürworter argumentieren, ein Privatmann könne eine Anschuldigung dieses Ausmaßes ohne finanzielle Unterstützung nicht bekämpfen, und Solidarität mit dem Angeklagten sei alles, was ihm bleibe. Kritiker entgegnen, wer jemanden finanziere, der ohne Beweise Anschuldigungen gegen konkrete Nachbarn verbreitet habe, belohne den bereits verursachten Schaden.

Das Detail, das verunsichert, ist nicht die Summe. Es ist die Tatsache, dass sieben Jahre später die Toxikologie des Mediums, das die Geschichte verstärkte, das Gegenteil seiner eigenen Schlagzeile sagte – und niemand dafür zur Rechenschaft gezogen wurde.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (156 Antworten).

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