30-jährige Anleihe über 5 %, Gold bei 27 % der Reserven: Märkte positionieren sich neu

Die 30-jährige US-Staatsanleihe notiert seit 27 Tagen über 5 %, die 20-jährige Auktion brachte 5,469 %, der höchste Wert seit 1986. Gold macht inzwischen 27 % der globalen Reserven aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die 30-jährige Anleihe übersteigt 5 %, und Gold wiegt in den Reserven mehr als der Dollar

Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe liegt seit dem Beginn der Finanzkrise am längsten über 5 %: 27 Tage in diesem Jahr, fast 19 % aller Handelstage, der höchste Wert seit 2007. Das ist kein Einzelfall. In der Woche, in der die französische Rendite Höchststände seit 2008 und die deutsche seit 2011 erreichte, wurde die 20-jährige Staatsanleihe-Auktion des Treasury mit einer Rendite von 5,469 % abgeschlossen, dem höchsten Wert seit 1986, bei schwacher Nachfrage. Der Rentenmarkt diskutiert nicht mehr, ob die Kreditaufnahme der Staaten mehr kosten muss; er bewertet die Unsicherheit.

Gleichzeitig hat Gold, einer im Thread kursierenden Rechnung zufolge, die Staatsanleihen und den Dollar als größtes Reserveasset der Welt überholt: Es macht 27 % der globalen Reserven aus, gegenüber 22 % bei Anleihen und 15 % beim Euro. Basel III stufte es in Kategorie Tier 1 ein, auf demselben Risikoniveau wie Staatsanleihen und Bargeld. Das sind zwei Seiten derselben Bewegung: Das Geld sucht Zuflucht außerhalb des Papiers, das verschuldete Staaten ausgeben.

Die 30-jährige Anleihe, die nicht unter 5 % fällt

Die Zahl stammt von Bloomberg: Die US-30-jährige hat in diesem Jahr an 27 Tagen die 5 % überschritten, rund 19 % aller Handelstage, so viele wie seit 2007 nicht mehr. Hinter der Schlagzeile steckt ein wiederkehrendes Muster. Jedes Mal, wenn die Rendite unter diese Schwelle fällt, liegen die relativen Tiefs höher. Die verbreitetste Lesart: 5 % ist nicht mehr eine punktuelle Obergrenze, sondern ein unbequemer Boden geworden.

Der Auktionskalender verstärkt diesen Eindruck. Das Treasury platzierte 13 Milliarden Dollar an 20-jährigen Anleihen zu 5,469 %, die höchste Rendite bei einer Auktion dieser Laufzeit seit 1986, dem Jahr, in dem die Emission eingestellt wurde; 2020 wurde sie wieder aufgenommen. Morningstar bewertete die Nachfrage als schwächer als erwartet. Und im Juni verkauften ausländische Investoren laut Treasury-Daten Wertpapiere im Wert von 72 Milliarden Dollar und reduzierten ihre Bestände auf 9,3 Billionen.

Manche halten die Bewegung für Ausdruck höherer Inflationserwartungen und eines gestiegenen Ausfallrisikos, gegen das die Notenbanken alles tun werden. Dagegen steht das Gegenargument: Die Realzinsen sind weiterhin negativ, und ein Anheben über 4 % würde die Treasury-Bills verteuern, die Steuereinnahmen abkühlen und die Börse werfen. Das heißt: Staatsbankrott. Der Markt bewegt sich zwischen diesen beiden Wänden.

Warum steigt Gold, wenn Anleihen mehr abwerfen?

Weil Gold aufgehört hat, mit der Anleihe zu konkurrieren, und nun mit dem Dollar konkurriert. Das Metall macht inzwischen 27 % der globalen Reserven aus, gegenüber 22 % bei Staatsanleihen und 15 % beim Euro, und Basel III stufte es in Kategorie Tier 1 ein, sodass Institutionen es als funktionales Reserveasset behandeln dürfen. China kauft weiter: Es hat im ersten Halbjahr rund 25 % der jährlichen Goldproduktion geschluckt, und dazu kommt die Produktion, die nie durch offizielle Kanäle geht. Die People's Bank hat zudem einen Teil ihrer Reserven von London nach Hongkong verlagert.

Das andere Standbein ist das Misstrauen gegenüber dem, was tatsächlich in den Tresoren liegt. Treasury-Sekretär Scott Bessent erklärte, das gesamte US-Gold sei „vorhanden und erfasst“ und werde zu Marktpreisen mit über einer Billion Dollar bewertet. Die Antwort des Ökonomen Doug Casey war die von jedem, der schon einmal eine Prüfung gesehen hat: Woher will er das wissen, wenn seit Jahrzehnten keine durchgeführt wurde.

Silber, zwischen 69 und 75 Dollar

Das Industriemetall führt seinen eigenen Kampf. Citi hält ein kurzfristiges Kursziel von 75 Dollar pro Unze und erwartet 90 Dollar in 6 bis 12 Monaten, wobei die Investitionsnachfrage gegenüber der industriellen an Bedeutung gewinnt. Technisch wird eine mögliche Kopf-Schulter-Formation beobachtet: Ein Bruch des Wochenhochs bei 69,03 Dollar würde Tests von 71,05 und 72,10 auslösen, mit wahrscheinlichem Ziel bei rund 75. Nicht alle kaufen das: Manche warten auf weitere Rücksetzer, bevor sie zukaufen, und andere warnen, Silber sei nach einer Sitzung mit 5,9 % Verlust nahe der überkauften Zone gewesen.

Die Liquidationswoche hinterließ grobe Zahlen: Silber 5,4 % im Minus, Gold 4,1 %, Platin 4,3 %. Die kursierende Diagnose: Deleveraging von Hedgefonds und ein verschlechtertes globales Liquiditätsumfeld. Dann kam die Wende: Der Beschluss, das Volumen der Anleihe-Rückkaufoperationen zur Stützung der Liquidität zu verdoppeln, beflügelte die Rohstoffe, mit Gold um 181 Dollar an einer Sitzung, 4,2 %, dem größten Gewinn seit Februar.

Öl und die Raffinerie, die nie ruht

Rohöl hat seine eigene Chronik. Die großflächige Zerstörung von Raffinerien in Russland und dem Nahen Osten durch die Kriege in der Ukraine und im Iran überlastet die übrigen Raffinerien der Welt, die ohne die nötigen Wartungsstillstände laufen, um die Preise nicht noch weiter zu treiben. Das Risiko: Ein schwerer Defekt könnte sie monatelang außer Betrieb setzen. Vor diesem Hintergrund ist Brent raketenschnell gestiegen, und manche projizieren 120 Dollar.

Auch die politische Seite des Themas wird gehandelt. Führende US-Wirtschaftsverbände warnten in einem Brief vor einem Verbot von Diesel-Exporten mit dem Argument, dass es die Kraftstoffpreise erhöhen statt senken würde. Der Vergleich, der gezogen wird: das argentinische Verbot von Rindfleischexporten – ohne rentable Abnehmer hört man auf, Rinder zu züchten.

Die versteckte Schulden der KI und der Verbraucher, der ausgeht

Die Jahresabschlüsse von Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle offenbarten versteckte Schulden von 1,65 Billionen Dollar, achtmal mehr als vor vier Jahren, im Wettlauf um den Bau von Rechenzentren. Morgan Stanley und Moody's haben das Problem in ihren Berichten angesprochen. Parallel dazu erreichten die US-Immobilienverkäufe im September ihren niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, mit dem Pending-Sales-Index der NAR bei 66,0.

Der Verschleiß zeigt sich auch im langen Rückspiegel: 1971 kostete ein Neubau das Äquivalent von zweieinhalb Jahren Jahreseinkommen eines Durchschnittshaushalts; heute übersteigt er das Zehnfache dieses Einkommens. Die Miete stieg von einem Sechstel des Monatsgehalts auf rund 40 %.

Die Frage, die offen bleibt

Die Debatte, ob die Renditen ihren Höchststand erreicht haben, ist ungelöst. Jeder schwache Verbraucherdatenpunkt drängt in die eine Richtung, jede schwache Auktion in die andere. Währenddessen häuft sich Gold in asiatischen Tresoren, und die 30-jährige Anleihe notiert seit 27 Handelstagen über 5 %. Niemand hat bisher erklärt, was passiert, wenn beides gleichzeitig wahr ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (1168 Antworten).

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