3.000 € Gehaltserhöhung: 88 € netto für dich, der Rest fürs Finanzamt
Ein Bekannter von Napalm, ein Kunde von ihm, zeigte ihm seine Gehaltsabrechnung: Anfang des Jahres hat ihm die Firma 3.000 € brutto mehr gegeben. Das monatliche Nettoergebnis: 88 € mehr. Ja, richtig gelesen: 3.000 € brutto im Jahr werden zu 1.232 € netto (88 € x 14 Gehälter). Die Firma zahlt insgesamt rund 3.500 € (Gehalt + Sozialabgaben), und der Arbeitnehmer behält 1.232 €. Weniger als 35 % für den Arbeitnehmer. Der Rest geht ans Finanzamt und die Sozialversicherung. Das Forum hält sich nicht zurück.
Die schmerzhafte Rechnung
Der Thread beginnt mit einer vernichtenden Rechnung, die jeder Angestellte nachvollziehen kann. Eine Bruttoerhöhung von 3.000 € bedeutet laut Einkommensteuertarif und Sozialabgaben, dass der Arbeitnehmer nur 88 € netto pro Monat bekommt. Napalm nennt es "Raub" und fügt hinzu, dass die Gesamtkosten für die Firma bei rund 3.500 € liegen. Das heißt: Von jedem zusätzlichen Euro, den die Firma ausgibt, erhält der Arbeitnehmer 35 Cent. Den Rest kassiert der Staat. Die Foristen legen schnell nach: pamplinero erinnert daran, dass ab einem Gehalt von 60.000 € der Grenzsteuersatz der Einkommensteuer über 45 % liegt und mit Sozialabgaben mehr als die Hälfte jeder Erhöhung an den Fiskus geht. "Ab einem bestimmten Niveau lohnt sich Mehrarbeit nicht mehr", urteilt er.
Resignation und Zynismus im Forum
Der Ton der Debatte schwankt zwischen Resignation und bitterem Zynismus. CASUAL(MENTE) gesteht, dass seine einzigen Erhöhungen aus Tarifabschlüssen kommen und er keinen Finger rührt. Naplam stimmt zu: "Anstrengung lohnt sich nicht." Politische Kommentare tauchen auf: esforzado sticht gegen diejenigen, die behaupten, dass man im Sozialismus für die Omas und die Armen arbeitet, nicht für den eigenen Vorteil. Dr. Fleischman und andere kontern mit Zahlen. Cuasi-pepito lenkt die Debatte derweil auf eine hypothetische Ankunft von "Liberalen", die Sozialleistungen und öffentliche Stellen kürzen würden, sodass Akademiker um prekäre Jobs konkurrieren. Doch der Kern des Threads bleibt steuerlich: Die Steuerlast auf Arbeitseinkommen entmutigt Gehaltsaufstiege.
Wie lange noch dieser Zustand?
Der Thread bietet keine Lösungen, hinterlässt aber eine unbequeme Frage: Wenn der Staat den Großteil jeder Erhöhung einstreicht, welchen Anreiz hat ein Arbeitnehmer dann, sich weiterzubilden, die Firma zu wechseln oder mehr Verantwortung zu übernehmen? Foristen, die das selbst erlebt haben, drücken es mit einer Mischung aus Ohnmacht und unterdrückter Wut aus. Die Gehaltsabrechnung lügt nicht, und der Einkommensteuerrechner auch nicht. Solange die Steuerlast nicht reformiert wird, bleibt die "Gehaltserhöhung" weitgehend eine direkte Transferleistung ans Finanzamt.
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