23 Indizien gegen CAM-Schwiegersohn reichen nicht für Verurteilung

Die Anklage stützte den Fall der CAM-Witwe auf 23 Indizien, die ohne DNA oder Schmauchspuren fielen. Das Verfassungsgericht bestätigte den Freispruch.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

23 Indizien gegen CAM-Schwiegersohn reichen nicht für Verurteilung
Die 23 Indizien gegen den Schwiegersohn, die nie zum Beweis wurden

Am Nachmittag des 9. Dezember 2016 wurde María del Carmen Martínez, Witwe des ehemaligen Präsidenten der CAM Vicente Sala, in der Waschhalle des Autohauses Novocar in Alicante mit zwei Schüssen ermordet. Der einzige Angeklagte war ihr Schwiegersohn Miguel López, der Manager des Betriebs. Ein Geschworenengericht sprach ihn frei, und Jahre später bestätigte das spanische Verfassungsgericht (Tribunal Constitucional) diesen Freispruch. Rechtlich bleibt der Mord unaufgeklärt.

Die Anklage legte eine Liste von 23 Indizien vor, die seit fast einem Jahrzehnt kursiert und im Alter nicht besser wird. Sie vermischt Fakten mit eigenem Gewicht – wie die Waffenlizenz und olympisches Schießen – mit Verdächtigungen, die auf sehr wenig Substanz beruhen. Motiv, Zugang und Fachwissen machen niemanden zum Mörder. In einem Rechtsstaat nennt man das Verdacht, nicht Beweis.

Was die 23 Indizien gegen den Schwiegersohn aussagten

Das erste war die familiäre Spannung: Der Angeklagte hatte ein Motiv. Das dritte besagte, dass nur drei Personen und der Schwiegersohn wussten, dass das Opfer an diesem Nachmittag ins Autohaus kommen würde. Das vierte: Er hatte die Autoschlüssel und fuhr das Fahrzeug zur Waschhalle. Danach folgten das Handy, das Minuten vor der Tat ausgeschaltet war, die drei Minuten, die er zu Hause verbrachte – laut Anklage genug Zeit, um sich zu waschen und die Waffe loszuwerden – sowie eine Reihe von Details, die hintereinander gelesen einen typischen Täter zeichnen.

Das Problem liegt in der Methode. Wie ein Forumsteilnehmer ironisch bemerkte: Wenn familiäre Spannungen als Motiv gelten, gibt es in Spanien Millionen potenzielle Mörder; wenn Wissen über den Aufenthaltsort eines anderen verdächtig macht, wäre jeder Verdächtige, der sie verfolgt hätte. Dass niemand einen anderen Verdächtigen kommen oder fliehen sah, bedeutet nicht, dass es keinen gab. Nach dieser Logik wäre es seltsam, keine 23 Indizien gegen irgendeinen Verwandten zu finden.

Die Sekretärin, die Kameras und die DNA: Die Indizien, die zusammenbrachen

Hier bröckelt die Anklage. Die Sekretärin, von der behauptet wurde, der Schwiegersohn habe sie gebeten, seine Schwiegermutter kurzfristig einzubestellen, bestritt vor Gericht, dies der Polizei erzählt zu haben. Ein Polizeibericht besagte, Miguel López habe Wochen vor der Tat angeordnet, Kameras abzuschalten; später stellte sich heraus, dass diese schon viel länger defekt waren. Der Strafrechtsprofessor José Muñoz Clares von der Universität Murcia zerlegte den Ermittlungsbericht im Fernsehen, und ein Forumsteilnehmer ergänzte, dass die Polizei Fakten erfindet, wenn sie nichts hat. Lokale Polizisten räumten ein, die Uhrzeit falsch notiert zu haben, zu der ein Mitarbeiter das Opfer gesehen haben soll.

Auch Laboruntersuchungen halfen nicht. In der häuslichen Werkstatt des Verdächtigen fanden sich weder Messingpartikel noch Schmauchspuren, und die entnommenen Proben stimmten nicht mit den Patronenhülsen überein. Die dort gefundene DNA widerlegte die Hypothese, dass er geschossen habe. Am Tatort lagen zudem Brillen, die das Opfer nicht trug: Niemand konnte erklären, wem sie gehörten.

Indizien, die auf die Kinder und die Ehefrau deuteten

Zwei Söhne des Angeklagten posteten nach Bekanntwerden des Verbrechens Nachrichten auf Instagram: Einer lud ein Foto mit „Schachmatt“ hoch, der andere kommentierte respektlos gegenüber seiner Großmutter. Wenn das als Indiz gilt, wussten die Söhne etwas vom Plan; wenn sie nichts wussten, beweisen die Posts nichts und gehören nicht auf die Liste. Ähnlich ist es mit dem telefonischen Schweigen zwischen dem Angeklagten und seiner Frau in den folgenden Wochen, obwohl das Telefon abgehört wurde: Als Indiz gewertet, deutet es darauf hin, dass auch sie von dem Vorhaben wusste. Keiner der beiden wurde wegen Beihilfe angeklagt. Das Indiz wurde nur in eine Richtung verwendet.

Vom Freispruch zum Konflikt zwischen Oberstem Gerichtshof und Verfassungsgericht

Der ermittelnde Richter José Luis de la Fuente drängte die Polizei, die festgefahrene Untersuchung abzuschließen. Der Leiter der Mordkommission fasste es mit einem Satz zusammen, der zum Emblem des Falls wurde: „Die Logik führt uns zu ihm, denn wenn er es nicht war, wer dann?“ Das ist kein Beweis, sondern ein zirkulärer Schluss.

Das Geschworenengericht sprach Miguel López frei. Der Oberste Gerichtshof (Tribunal Supremo) hob das Urteil wegen eines Verfahrensfehlers auf und ordnete eine Neuauflage an. Die Staatsanwaltschaft beim Verfassungsgericht unterstützte diese Wiederholung nicht und bezeichnete sie als bloße Verfahrensverstöße. Dazwischen lag ein Protokoll, das die Juryvorsitzende den Parteien nicht übergab und das später vernichtet wurde. Das Verfassungsgericht setzte die Neuauflage jahrelang aus und hob schließlich die Anordnung des Obersten Gerichtshofs auf: Das verletzte Recht war das des Angeklagten, nicht zweimal für dieselbe Tat angeklagt zu werden.

Warum der Mord an der CAM-Witwe ungelöst blieb

Weil die Ermittlungen auf eine Person fokussiert waren und andere Hypothesen ignorierten. Ein befreundeter Anwalt des Opfers sagte aus, sie habe erwähnt, dass Dokumente ihrer Geschäfte durchsucht worden seien, und ihm empfohlen, einen Leibwächter zu engagieren. Diese Spuren wurden nie gründlich verfolgt.

Das Muster erinnert an den Fall Rocío Wanninkhof, bei dem die Polizei sich auf eine Verdächtige konzentrierte und die Zigarettenkippe ausschloss, die Tony King belastete. El País veröffentlichte später einen Podcast, der der Polizei Manipulation vorwirft und eine konkrete Person als Haupttäter benennt. Ein Forumsteilnehmer schlug scherzhaft eine eigene Theorie vor: „Der Auftragskiller ist jemand Junges, der gerade anfängt, und die Waffe ist ein Familienerbstück.“ Jede Geschichte passt, wenn man die Daten passend auswählt.

Das Ergebnis steht fest: Ein Mord ohne gerichtlichen Schuldigen und eine Familie, die zweimal zerbrochen ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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