20,8 % der spanischen Jugendlichen haben eine psychische Diagnose

20,8 % der 10- bis 19-Jährigen in Spanien haben eine diagnostizierte psychische Störung; im Fokus steht die Debatte um Überdiagnostizierung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

20,8 % der spanischen Jugendlichen haben eine psychische Diagnose
Jeder fünfte Jugendliche in Spanien mit psychischer Diagnose

Eltern, die zum Psychiater gehen, um ein Gutachten zu erhalten, das ihr eigenes Kind entmündigen lässt. Diese Szene, von einem Fachmann geschildert, trifft auf die Zahl, die die Diskussion entfacht hat: 20,8 % der spanischen Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren haben eine diagnostizierte psychische Gesundheitsstörung. Mädchen: 21,4 %. Jungen: 20,4 %. Jeder Fünfte. Und das ist nur der Teil, der das System durchläuft.

Es gibt keine zertifizierte Epidemie. Es gibt eine unbequeme Frage: Gibt es mehr Krankheit oder mehr Etiketten?

Was bedeutet die Quote von 20,8 % Diagnosen bei 10- bis 19-Jährigen?

Die Prozentzahlen stammen aus einer Zählung der jugendlichen Bevölkerung, die Angststörungen, Depressionen, Autismus und Schizophrenie unter dem gleichen Label „diagnostizierte psychische Gesundheitsstörung“ zusammenfasst. So unterschiedliche Realitäten in einer einzigen Zahl zu bündeln, taugt für Schlagzeilen, aber nicht zum Verständnis.

Eine Lesart besagt, dass der Anstieg real ist und eine echte Verschlechterung widerspiegelt: weniger Ressourcen, mehr Druck und ein Umfeld, das nicht hilft. Die andere weist auf den gegenteiligen Effekt hin und dominiert in der kritischen Analyse: Man diagnostiziert heute, was früher einfach Leben war. Ängste wegen der Veränderungen der Pubertät. Schüchternheit beim Finden von Freunden. Schlechte Noten. Streit mit den Eltern. Jedes Unbehagen wird zur klinischen Kategorie.

Warum wird die Jugendzeit medizinisiert?

Die These der Überdiagnostizierung stützt sich auf einen Perspektivwechsel. Wenn Leid als Krankheit definiert wird, verlangt normales Leid nach Pillen. Und die Botschaft kommt überall an: institutionelle Kampagnen, soziale Medien, schulische Diskurse. Das Ergebnis, so diese Strömung, ist, dass eine ganze Generation lernt, jedes emotionale Tief als Pathologie zu interpretieren.

Dagegen steht das klassische Argument, das trotz seines Alters nicht weniger wahr ist: Die Adoleszenz ist die Phase, in der man lernt, Probleme zu bewältigen, und sie vorzeitig chemisch zu übertünchen kann Erwachsene ohne Werkzeuge zurücklassen. Die Kritik richtet sich nicht gegen jene, die Behandlung brauchen, sondern gegen die Behandlung jener, die sie nicht brauchen.

Anxiolytika mit 15 Jahren: Der Vorwurf an die Ärzte

Der hitzigste Punkt ist das Rezept. Antidepressiva und Anxiolytika für Minderjährige werden oft mit einem wiederholten Vergleich beschrieben: Sie werden wie Gummibärchen verteilt. Im Material gibt es keine offizielle Verschreibungsstatistik, nur die Klage, dass die Schwelle für Medikation zu niedrig sei.

Wer diesen Weg verteidigt, argumentiert, dass bestimmte Krankheitsbilder ohne Behandlung chronisch werden. Wer ihn bekämpft, hält dagegen, dass das jugendliche Gehirn sich noch entwickelt und dass eine Reaktion auf ein feindliches Umfeld am Ende dazu führt, dass jemand lebenslang Patient bleibt.

Soziale Medien, Dopamin und eine Zukunft ohne Versprechen

Hier unterscheidet sich die Lage von früheren Generationen. Die heutige Jugend verbringt ihre Zeit zwischen Apps, die darauf ausgelegt sind, Dopamin in Endlosschleife auszulösen, und mit Vorbildern, die kein Sportler oder Soldat sind, sondern ein muskulärer Zwanzigjähriger, ein Content-Ersteller, der stundenlang beleidigt, oder ein Model mit Filtern und Operationen.

Hinzu kommt das fehlende Horizontbild: Kein stabiler Job in Sicht, kein Haus, das Gefühl, dass sich Mühe nicht auszahlt. Wenn die Zukunft so aussieht, sind Hedonismus oder Apathie vorhersehbare Auswege. Die Kindheit, sagen Experten, ist das Gerüst, das das Gewicht des späteren Lebens trägt; wenn diese Kindheit vollgepackt mit Aktivitäten ist und in den Händen der Großeltern liegt, fällt das Gerüst dünn aus.

Armut, Familie und der wiederkehrende Faktor

Bei der materiellen Seite der Angelegenheit gibt es einen unbequemen Konsens. In einem Haushalt, in dem man das Monatsende kaum erreicht, wo zwei Jobs nicht zum Essen reichen, Schulden bestehen, Verachtung zwischen den Eltern herrscht und die Arbeitsperspektive schwarz ist, ist die angespannte Atmosphäre der perfekte Nährboden. Und der Zugang zum privaten Psychotherapeuten hängt vom Geldbeutel ab. Es wird sogar argumentiert, dass die Diagnose zu einem sozialen Marker geworden ist: Wer kein ADHS hat, hat beginnende Schizophrenie oder eine Borderline-Störung.

Schlecht gemanagte Trennungen, das Fehlen von Grenzen und Zuneigung sowie eine Gesellschaft, die die Debatte selbst als oberflächlich beschreibt, vervollständigen die Liste. Es ist nicht nur das Materielle, aber das Materielle erklärt viel.

Autismus: Störung oder Krankheit?

Der härteste Konflikt ist terminologischer Natur. Ein Teil bezeichnet es ohne Nuancen als Krankheit, mit Graden, weil eine Funktion nicht richtig arbeitet. Eine andere Antwort lautet, dass es sich um eine andere neurologische Funktionsweise handelt – mit eingeschränkten Fähigkeiten in einigen Bereichen und verstärkten in anderen – und dass es ein Fehler der Präzision ist, es Krankheit zu nennen, kein Euphemismus.

Darunter schimmert das alte Problem hervor: Es gibt Menschen, die erst mit 30, 40 oder 50 Jahren diagnostiziert wurden und ein normales Leben geführt haben, und es gibt Familien, die die lebenslange Pflege tragen, ohne dass das System ihnen den Alltag erleichtert.



Und dann ist da die Zahl, die verwirrt. Während diskutiert wird, wie viele Diagnosen überflüssig sind, umfasst der spanische Kinderimpfplan 42 Impfungen und der US-amerikanische zielt auf 72 ab. Manche schreiben die Verschlechterung der psychischen Gesundheit der Jugendlichen diesem Kalender zu, eine Hypothese, die nicht durch Beweise gestützt wird. Und ein Verdacht schwebt über allem Vorherigen: Wahrscheinlich sind es doppelt so viele, wenn man die Nicht-Diagnostizierten zählt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (175 Antworten).

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