Ein Drittel der Spanier gibt an, unter psychischen Störungen zu leiden
33 % der Spanier betrachten ihre psychische Gesundheit als beeinträchtigt, gegenüber 26 % im Jahr 2023 und 31 % im Jahr 2025. Dies ist der vierthöchste Wert in Europa, nur hinter dem Vereinigten Königreich, Irland und der Türkei, so das am Dienstag vorgestellte VI Weltbericht zur psychischen Gesundheit von Axa. Diese Zahl steht im Widerspruch zu einer unbequemen Paradoxie: Spanien erreicht 62,3 von 100 Punkten beim psychologischen Wohlbefinden, über dem weltweiten Durchschnitt (61,8). Das Land befindet sich nicht am Ende der Rangliste der Welt, sondern an der Spitze Europas. Und das tröstet auf einem alternden und verarmenden Kontinent niemanden.
Die Studie, durchgeführt von Ipsos mit 19.000 Teilnehmern aus 18 Ländern, klassifiziert die psychische Gesundheit in vier Stufen: blühend, stabil, schwächelnd und kämpfend. Der Anteil der Bevölkerung, der potenziell von schweren oder extremen Formen von Depression, Angst oder Stress betroffen ist, liegt bei 28 %, leicht über dem europäischen Durchschnitt (27 %). Bei den 18- bis 24-Jährigen steigt diese Zahl jedoch auf 42 % und bei den 25- bis 34-Jährigen auf 44 %. Die Generationenkluft ist kein Detail, sondern der Kern des Problems.
Welche Faktoren werden als Ursache für die Verschlechterung genannt?
Laut Bericht sind die drei am stärksten belastenden Faktoren die Unsicherheit über die Zukunft in einer sich schnell wandelnden Welt (52 %), finanzielle Instabilität und Arbeitsplatzunsicherheit (51 %) sowie soziale und politische Unzufriedenheit (45 %). Keiner dieser Faktoren ist klinischer Natur; alle sind wirtschaftlicher und politischer Art. Hier liegt die erste unbequeme Erkenntnis: Die Debatte um die psychische Gesundheit in Spanien hat sich faktisch in eine Diskussion über Löhne, Wohnraum und institutionelle Stabilität verwandelt.
Hinzu kommt die Bildschirmnutzung: durchschnittlich 4,9 Stunden täglich ohne Berücksichtigung der Arbeitszeit. Spanien gehört zu den europäischen Ländern mit der höchsten Nutzung, liegt aber deutlich unter den Philippinen oder Thailand (6,4) und Brasilien (6). Eine Korrelation zwischen Bildschirmzeit und psychologischem Unbehagen wird im Bericht nicht nachgewiesen, doch dieses Argument taucht in allen Diskussionen zum Thema auf.
Wie schätzen die Menschen ihren Zustand selbst ein?
In der Analyse spaltet sich die Diskussion in zwei Lager. Ein Ansatz argumentiert, dass das Unbehagen weitgehend materieller Natur ist: Löhne, die keine Lebensplanung ermöglichen, prekäre Arbeitsverhältnisse, unerschwinglicher Wohnraum und das diffuse Gefühl, dass Anstrengung nichts mehr garantiert. Aus dieser Sicht übertreiben die Betroffenen nicht, sondern übersetzen eine reale wirtschaftliche Degradierung in klinische Sprache.
Der andere Ansatz weist auf kulturelle Komponenten und emotionale Bewältigungsstrategien hin. Es wird argumentiert, dass der Anstieg teilweise auf eine größere Bereitschaft zurückzuführen ist, Probleme anzuerkennen – was früher verschwiegen wurde, wird heute ausgesprochen – sowie auf einen normalisierten Konsum von Psychopharmaka, ohne dass dies bedeute, dass es den Menschen schlechter geht. Manche gehen weiter und behaupten, langfristige psychiatrische Medikation führe zu Toleranz und Abhängigkeit, und dass es lebensverändernde Maßnahmen brauche, nicht Rezepte. Dies ist eine umstrittene Aussage, die im Material nicht belegt ist und sollte als Meinung betrachtet werden.
Die Alterslücke und die Geschlechterlücke
Der beunruhigendste Wert ist nicht die globale Quote von 33 %, sondern die 42 % und 44 % in den jungen Altersgruppen. Eine Generation betritt den Arbeitsmarkt mit schlechteren Verträgen als ihre Eltern, ohne Aussicht auf Wohneigentum und mit dem Gefühl, dass der soziale Aufzug stehengeblieben ist. Der Bericht formuliert es nicht so explizit, aber die Zahlen deuten darauf hin.
Parallel dazu wird beim Konsum von Psychopharmaka eine geschlechtsspezifische Differenz beobachtet: Es wird vermutet, dass ein erheblicher Teil der Frauen Antidepressiva einnimmt, wobei diskutiert wird, ob dies echtes Leid widerspiegelt oder eine höhere Bereitschaft, Hilfe zu suchen. Die alternative Lesart ist, dass Männer aus Scham oder Gewohnheitsmangel weniger häufig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Beide Hypothesen kursieren, keine ist abschließend geklärt.
Hintergrundrauschen: Politik, Soziale Medien und Misstrauen
Ein Teil der Analyse verbindet psychologisches Unbehagen mit dem politischen und medialen Klima. Korruption, Polarisierung, das Gefühl, dass Institutionen nicht reagieren, und ein ständiger Strom negativer Nachrichten schaffen ein Umfeld, das laut dieser Lesart die kollektive psychische Gesundheit erodiert. Dies ist keine bewiesene These, aber der Bericht streift sie, indem er soziale und politische Unzufriedenheit als dritten Faktor nennt (45 %).
Soziale Medien werden in der Diskussion eher als Verstärker denn als alleinige Ursache gesehen. Ständiger Vergleich, unnötige Konflikte und die Exposition gegenüber alarmierenden Inhalten gelten als Zutaten eines Cocktails, der besonders junge Menschen betrifft. Auch hier gilt: Korrelation ohne nachgewiesene Kausalität.
Was wird vorgeschlagen und was wird diskutiert?
Die zirkulierenden Vorschläge reichen vom Individuellen – Lebensstil ändern, weg von der Stadt, Bildschirmzeit reduzieren – bis zum Strukturellen – bessere Löhne, Wohnraum und Jobstabilität. Niemand bestreitet die Existenz des Problems. Diskutiert wird die Diagnose und vor allem, wer die Kosten trägt. Denn wenn das Unbehagen wirtschaftliche Wurzeln hat, reicht eine therapeutische Sitzung nicht aus. Und wenn es kulturelle Wurzeln hat, hilft auch kein Beschäftigungsprogramm allein.
Der Bericht stellt Spanien mit 62,3 von 100 Punkten dar, über dem weltweiten Durchschnitt, aber mit einem Drittel der Bevölkerung, die sich als betroffen erklärt. Der Widerspruch bleibt bestehen. Er wird nur festgestellt. Unterdessen warten die Daten der jungen Generation weiterhin darauf, dass jemand entscheidet, wie damit umgegangen werden soll.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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