Zwei Brüder greifen Gemeindearbeiter in Navalafuente an

Zwei Brüder griffen einen Gemeindearbeiter in Navalafuente nach einer Entlassung an. Identifiziert, aber nicht festgenommen, sorgt der Fall für Debatten über öffentliche Beschäftigung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zwei Brüder greifen Gemeindearbeiter in Navalafuente an
Zwei Brüder greifen Gemeindearbeiter in Navalafuente an

Was passiert, wenn ein Arbeitskonflikt in einer Kleinstadt mit 1.500 Einwohnern auf dem Marktplatz mit Schlägen endet und statt vor Gericht auf einer Fernsehbühne ausgetragen wird? Am vergangenen Freitag, den 21. März, griffen zwei Brüder – einer von ihnen als Gärtner im Rahmen eines Programms zur beruflichen Wiedereingliederung beschäftigt – einen Mitarbeiter des Rathauses von Navalafuente in Madrid an. Die Szene wurde aufgezeichnet und in sozialen Medien verbreitet, wodurch eine lokale Auseinandersetzung zu einem Streit über öffentliche Aufträge, Subventionen und das Recht auf Wut wurde.

Das Detail, das irritiert: Das Opfer war nicht der Bürgermeister. Die Brüder suchten den Stadtrat wegen einer Angelegenheit am Arbeitsplatz und trafen auf Yuri, einen Gemeindearbeiter, der sich laut eigener Aussage gerade eine Zigarette auf dem Platz rauchte. Die Angreifer behaupten, Yuri habe sie „fauler Maure“ genannt und ihn zu Boden geworfen. Yuri sagt, er habe nur gewartet, um den Platz abzusperren. Zwischen diesen Versionen liegen ein Disziplinarverfahren, eine falsche Anschuldigung wegen Fahrens ohne Führerschein und eine Subvention, die jemand zurückforderte.

Was am 21. März in Navalafuente geschah

Die Fakten, wie sie in der Sendung Vamos a Ver berichtet wurden, sind folgende: Zwei Zwillingsbrüder, einer davon vom Rathaus über ein Programm zur beruflichen Wiedereingliederung als Gärtner eingestellt, erschienen auf dem Dorfplatz, um mit dem Bürgermeister zu sprechen. Da sie ihn nicht fanden, stießen sie auf Yuri, einen Gemeindearbeiter. Laut der Version der Brüder nannte Yuri sie „fauler Maure“ und warf ihn zu Boden. Laut Yuri wartete er darauf, den Platz zu schließen, als die Brüder eintrafen und ihn angriffen.

Das Ergebnis war eine Prügelattacke bei hellem Tageslicht, mit Zeugen und Video. Die Angreifer wurden identifiziert, aber nicht festgenommen. Yuri, der angibt, „gestresst und ängstlich zu sein, weil sie nebenan leben, nur 70 Meter von meinem Haus entfernt mit ihrem Vater“, hat sich krankgemeldet. Das von der PP (Partido Popular) regierte Rathaus gab eine Erklärung an die Nachbarn über das Abschließen der Türen heraus und kaufte Berichten zufolge Pfefferspray für das Dorf.

Der Ursprung: Ein Disziplinarverfahren und eine Subvention

Der Konflikt beginnt nicht auf dem Platz. Er beginnt in der kommunalen Arbeitsbrigade. Einer der Brüder, Moha, war über Kurse des INEM (spanischer Arbeitsmarktbehörde) in derselben Brigade wie Yuri. Gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet und er wurde wegen schlechter Leistung entlassen. Ab da behaupten die Brüder, der Bürgermeister habe ihn feuern wollen, um eine andere Person einzustellen und das Geld einer Subvention der Comunidad de Madrid einzubehalten. „Sie wollten das Subventionsgeld zurückhaben, weil sie einen Test bestanden hatten“, sagten sie im Fernsehen.

Der andere Bruder behauptet, Yuri habe ihn fälschlicherweise beschuldigt, kommunale Fahrzeuge ohne Führerschein zu fahren: „Er ist der Grund für das Verfahren gegen mich, weil er eine falsche Anschuldigung erhoben hat.“ Er fügt hinzu, dass er einen Führerschein habe und keine Vorstrafen besitze. „Ich habe den Prozess gewonnen, ich liege vor ihnen“, versicherte er. Kurz gesagt: Die Erzählung der Angreifer ist, dass alles mit einer falschen Anschuldigung und einer ungerechten Entlassung begann. Yuris Erzählung ist, dass er keine Probleme mit ihnen hatte und dass Neid oder etwas, das ihr Vater ihnen erzählt habe, der Auslöser gewesen sei.

Wer ist Yuri und warum seine Krankmeldung wichtig ist

Yuri ist kein Beamter auf Lebenszeit. Er ist ein angestellter Gemeindearbeiter, was praktisch bedeutet, dass man ihn morgen kündigen kann, wenn man will. Das macht ihn weder unantastbar noch schuldig, erklärt aber, warum das Rathaus schnell gehandelt hat: Ein befristeter Mitarbeiter, der von zwei Nachbarn angegriffen wird, die nur 70 Meter entfernt wohnen, ist ein Sicherheitsproblem, nicht nur ein arbeitsrechtliches. Yuri sagt, er habe vorher keine Probleme mit den Brüdern gehabt, wohl aber mit ihrem Vater, der ebenfalls im Rathaus arbeitete: „Oft beleidigte er mich.“

Yuris Krankschreibung wegen Angstzuständen wurde in sozialen Medien als Bestätigung gelesen, dass der Konflikt nicht mit einer Anzeige beigelegt wird. Die Krankschreibung eines der Brüder, der sich ebenfalls wegen Depressionen krankmeldete, wurde als Manöver interpretiert. In einem Ort mit 1.500 Einwohnern sind zwei gleichzeitige psychische Ausfälle in derselben kommunalen Brigade kein Detail am Rande: Sie sind das Symptom dafür, dass der Konflikt von der professionellen auf die persönliche Ebene und dann ins Fernsehen gewechselt ist.

Die Debatte im Hintergrund: Öffentliche Aufträge und Subventionen

Über den konkreten Fall hinaus hat die Episode eine Diskussion darüber ausgelöst, wie in der lokalen Verwaltung eingestellt wird. Programme zur beruflichen Wiedereingliederung und Kurse des INEM sollen Arbeitslose integrieren, werden in kleinen Gemeinden aber zum einzigen verfügbaren Einstellungsmechanismus. Das erzeugt zwei Effekte: Zum einen werden Stellen nach administrativen Kriterien vergeben, nicht nach Marktlogik; zum anderen führt eine Entlassung nicht dazu, dass man sich eine neue Stelle sucht, sondern dass man nach Verantwortlichen sucht.

Einige argumentieren, das Problem liege im Design: Wenn das Rathaus eine Subvention für die Einstellung einer Person erhält und diese dann entlässt, verlangt das Gesetz die Rückzahlung des Geldes. Das schafft einen perversen Anreiz, Arbeitnehmer auch bei schlechter Leistung zu behalten. Dagegen spricht das Argument, dass die Alternative wäre, niemanden einzustellen. Das Ergebnis ist jedenfalls, dass eine Entlassung wegen geringer Leistung in einer Attacke auf dem Dorfplatz endet.

Was der Bürgermeister sagt und was nicht

Das Rathaus von Navalafuente, regiert von der PP, hat sich für Stillschweigen und eine Erklärung an die Nachbarn entschieden. Es hat die identifizierten Angreifer nicht festgenommen. Es hat öffentlich nicht erklärt, warum das Disziplinarverfahren eingeleitet wurde. Und es hat nicht klargestellt, ob die Subvention der Comunidad de Madrid gefährdet war. Der Kauf von Pfefferspray für das Dorf, falls bestätigt, wäre die beredteste Maßnahme: Statt den Konflikt zu lösen, bereitet man die Nachbarn auf den nächsten vor.

Das Fernseh-Interview mit den beiden Brüdern, bei dem die gesamte Szene aufgezeichnet wurde und keine Festnahmen erfolgten, wurde von Teilen der Öffentlichkeit als Zeichen der Straflosigkeit gedeutet. Von anderen als Hinweis darauf, dass der Fall mehr Facetten hat als angenommen. Was sich nicht geändert hat, ist das Wesentliche: Yuri lebt weiterhin 70 Meter von seinen Angreifern entfernt, und der Prozess, falls er kommt, hat noch nicht begonnen.



Am Ende geht es nicht darum, wer auf dem Platz recht hat, sondern warum ein Arbeitskonflikt in einem 1.500-Seelen-Dorf eine Fernsehbühne brauchte, um wahrgenommen zu werden. Die Antwort liegt, wie fast immer, in den Akten, die niemand gelesen hat.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (136 Antworten).

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