Zerstückelungstäter flieht in Barcelona: ging auf einen Kaffee und kehrte nicht zurück

Ein Häftling, der zu mehr als 10 Jahren verurteilt wurde, weil er seinen Mieter zerstückelt hatte, ist bei einem Kaffee-Ausgang in Barcelona geflohen. Wie war das möglich?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zerstückelungstäter flieht in Barcelona: ging auf einen Kaffee und kehrte nicht zurück

Wie ist es möglich, dass ein Mann, der zu mehr als zehn Jahren verurteilt wurde, weil er seinen Mieter getötet und zerstückelt hat — und die Überreste in Container in der Innenstadt von Barcelona geworfen hat — das Gefängnis bei einem begleiteten Ausgang mit seinem Therapeuten verlässt, sich in ein Café setzt, aufsteht, die Autotür öffnet und einfach verschwindet? Am Dienstag, den 21. Juli, kehrte der Ire William Morrow A., Insasse der Justizvollzugsanstalt Quatre Camins, nach einem geplanten Ausgang nicht zurück. Die Mossos (katalanische Polizei) suchen ihn, doch die Geschichte ist bereits ein Denkmal für das Chaos im spanischen Strafvollzug.

Die Fakten: ein Ausgang wie im Film

Morrow wurde wegen eines abscheulichen Verbrechens verurteilt: 2021 zerstückelte er den Mann, dem er eine Wohnung in der Straße Casanova vermietet hatte. Das Urteil, mehr als zehn Jahre, hinderte ihn nicht daran, in nur vier Jahren den offenen Vollzug (dritten Vollzugsstufe) zu erreichen. Und das ist nicht alles: Die Vollzugsbehörde gewährte ihm einen therapeutischen Ausgang, um in Barcelona einen Kaffee zu trinken. Begleitet von seiner Therapeutin und seiner Partnerin stieg der Häftling aus dem Fahrzeug, betrat ein Lokal und öffnete in einem unbeobachteten Moment die Tür und floh. Die Therapeutin erklärte, von seinen Absichten nichts gewusst zu haben. Die Partnerin ebenfalls. Niemand ahnte, dass ein Mann, der einen anderen in Stücke geschnitten hat, böse Absichten haben könnte.

Das Strafvollzugssystem auf der Anklagebank

Der Fall öffnet die Debatte über die Resozialisierungspolitik in Spanien neu. Während Morrow draußen einen Kaffee genoss, verbüßen andere Verurteilte wegen Sensual — wie im Fall der Manada — lange Strafen ohne vergleichbare Ausgänge. Der Unterschied in der Bewertung ist so offensichtlich, dass er grotesk wirkt. „Zu 10 Jahren verurteilt und nach 4 schon auf kleinen Ausflügen“, fasst eine Analyseströmung zusammen, die den fehlenden Proportionalitätssinn anprangert. Die Zahlen sind hartnäckig: Laut Daten des Generalrats der Justiz beträgt die durchschnittlich tatsächlich verbüßte Strafe bei Tötungsdelikten etwas mehr als die Hälfte der verhängten Strafe, doch in Fällen besonderer Grausamkeit wie diesem sollte die Gewährung des offenen Vollzugs die Ausnahme sein. Oder zumindest sein.

Die juristische Detailsache: Flucht oder einfaches Weggehen?

Eine technischere Analyse deutet darauf hin, dass die Flucht nicht als schwerwiegender Strafvollzugsbruch gilt, weil Morrow einfach eine Tür öffnete, die nicht verschlossen war. Artikel 469 des spanischen Strafgesetzbuchs verlangt „Gewaltanwendung gegen Sachen“, um die Flucht zu erschweren, und das Öffnen einer Tür ohne Aufbrechen passt nicht dazu. „Empörend ist nicht die Arithmetik der Flucht, sondern der offene Vollzug und die Ausgänge, bevor die Hälfte der Strafe für Tötung und Zerstückelung verbüßt ist“, fasst ein Jurist zusammen. Das heißt: Das System erlaubt es einem Zerstückelungstäter, in vier Jahren in den offenen Vollzug zu gelangen und sich dann, nach seiner Flucht, nur einer geringen Strafe zu stellen, allein weil er nichts aufgebrochen hat.

Das Ergebnis: ein frei herumlaufender Zerstückelungstäter in Barcelona, eine Therapeutin, die sich aus der Affäre zieht, und das allgemeine Gefühl, dass das katalanische Strafvollzugssystem wie ein Sieb funktioniert. Jetzt fehlt nur noch, dass der Flüchtige wieder eine Wohnung vermietet. Das nächste Opfer trinkt seinen Kaffee vielleicht in Ruhe.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (81 Antworten).

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