Zeit als Raumdimension: Kein Beweis für ihren Ablauf
Was ist die Zeit? Auf diese Frage kommt die Antwort schnell und ohne Zögern: eine Dimension des Raumes, präzisiert als eine, die unserer Wahrnehmung entgeht. Diese Definition klingt elegant, bis jemand auf die Falle hinweist: Wenn wir sie nicht wahrnehmen, wie können wir dann Aussagen über sie aufrechterhalten? Der Knoten hält seit Jahren an, ohne dass eine Seite nachgibt.
Der Ansatz stammt nicht aus einem Physikdepartement, sondern von jemandem, der angibt, ein Buch zu schreiben, und es der öffentlichen Prüfung unterzieht. Seine These lautet, dass die Zeit eine räumliche Dimension ist, wie Länge, Breite und Tiefe. Und wenn diese drei nicht „vergehen“, so schlussfolgert er, kann auch die vierte nicht vergehen. Wir sind es, die die Zeit durchqueren, nicht umgekehrt: das gleiche Schema wie bei einem Kilometer, der nirgendwohin geht, weil man ihn selbst zurücklegt.
Die anfängliche Neugier ist fast philologisch: Das Zitat des heiligen Paulus, das die Diskussion eröffnet, erwähnt vier Dimensionen – Höhe, Breite, Tiefe und Länge („longura“) –, wobei „Länge“ heute kaum noch verwendet wird. Der Begriff, erinnert sich der Autor, hat eine Bedeutung, die sich auf eine zeitliche Ausdehnung bezieht.
Das Experiment, das den Zeitpfeil nicht bewies
Das starke Argument ist empirisch, nicht geometrisch. Nach diesem Ansatz wurden Experten verschiedener Fachrichtungen einmal gebeten, zu beweisen, dass die Zeit von Vergangenheit in Zukunft vergeht; also dass ein Zeitpfeil existiert. Das Ergebnis war, wieder laut dieser Prämisse, ein Scheitern: Niemand konnte beweisen, dass so etwas existiert oder möglich ist.
Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz. Wir glauben weiterhin – betont der Autor –, dass die Zeit vergeht, und glauben dies ohne Beweis. Der Einwand von der anderen Seite ist immer derselbe: Wenn sie eine Raumdimension wäre, müsste sie mit einem Lineal messbar sein. Die Erwiderung erfolgt in Einheiten: Für diesen Ansatz ist eine Minute ein Viertel eines Grades innerhalb eines 360-Grad-Kreises, und Zeit- und Raummaße sind austauschbar.
Der Tesserakt: Die Gegenwart mit Würzelflächen
Hier wird Geometrie zur zentralen Sprache. Die Konstruktion ist klassisch: Ein Punkt, der sich aus sich selbst heraus erzeugt, ergibt eine Linie; die Linie eine Fläche; die Fläche einen Körper. Dieser Körper ist im Schema ein Punkt in der Zeit. Und indem er sich aus sich selbst heraus erweitert, bildet er eine Linie, eine Fläche und schließlich einen vierdimensionalen Körper, den Tesserakt: einen Würfel, dessen jede Fläche wiederum ein anderer Würfel ist.
Die Interpretation ist fast narrativ. Der zentrale Würfel wäre der gegenwärtige Moment; jede Fläche eine verfügbare Option in diesem Augenblick. Der Wechsel zu einer dieser Optionen bringt das Subjekt wieder in einen zentralen Würfel mit neuen Flächen. Und da sich Optionen in alle Richtungen öffnen, kann man hinauf oder hinab gehen. Modelle wie diese – Universen, die in Zellen wie Bits unterteilt sind – wurden bereits diskutiert, wie ein anderer Teilnehmer berichtete, mit vielversprechenden Ergebnissen, die später in Vergessenheit gerieten, ohne explizite Widerlegung.
Das ewige Jetzt und das sich wiederholende Leben
Eine andere Strömung der Diskussion, vertreten von einem Teilnehmer, leugnet das Problem direkt: Die Zeit existiert nicht. Was existiert, ist eine permanente Gegenwart, in der Veränderungen stattfinden, und wir nennen die Abfolge dieser Veränderungen Zeit. Zu sagen, die Zeit habe mit dem Urknall begonnen, wäre aus dieser Sicht absurd: Es gibt keinen Anfang für das, was nicht existiert. Der gegenwärtige Augenblick heute ist derselbe wie der Ursprung des Universums.
Aus dieser Idee leitet sich ein kreisförmiges Bild des Lebens ab. Wenn ein Leben ein Zyklus ist, wie auch die zeitlichen Einteilungen, die wir verwenden, dann kehrt alles, was in die Vergangenheit geht, wieder in die Zukunft zurück. Das Bewusstsein beleuchtet jedoch nur einen Punkt des Weges. Die Rückkehr wird nicht erinnert, und daraus, so wird argumentiert, stammen jene Kinder, die ein Instrument spielen können, ohne es gelernt zu haben.
Warum verändert sich die Zeitwahrnehmung mit dem Alter?
Die subjektive Wahrnehmung durchzieht das gesamte Thema. Das Beispiel ist eine Fruchtfliege, die nach der ungefähren Berechnung des Vorschlagenden etwa zehn Tage lebt: In dieser Zeitspanne muss sie Stadien durchlaufen, die ein Mensch in hundert Jahren abdeckt, sodass sie ihr Leben genauso lang empfindet wie wir unseres. Ein Tag entspricht einem Zehntel ihrer Existenz.
Mit diesem Maßstab erklärt sich das Gefühl, dass die Zeit sich beschleunigt. Bei der Geburt passiert dasselbe wie beim Start eines Kreisels: Es gibt eine maximale Beschleunigung, die nur abnehmen kann. Die neun Monate der Schwangerschaft konzentrieren eine enorme Menge an Veränderungen; die Kindheit behält ein hohes Tempo bei, das mit zunehmendem Alter sinkt. Die offene Frage – ob die Zeit verbraucht wird oder wir uns verbrauchen – erhält eine scharfe Erwiderung: Weder das eine noch das andere. Die Zeit erschöpft sich nicht; was ihre Grenze erreicht, ist die zeitliche Ausdehnung jedes Lebens.
Wie lange dauert eine Minute und ab wann zählt man?
Auch das Messen klärt nichts. Der Mensch muss sich im Raum wie in der Zeit verorten und schafft daher Einheiten. Wie im Thread dargelegt, ist eine Minute ein Viertel eines Grades, und ein Kreis hat 360 Grad. Da Zeit Raum ist, wären Maße austauschbar: Die Entfernung zwischen zwei Städten sind 100 Kilometer oder eine Stunde, je nach Bedarf.
Das Grundproblem ist das Fehlen eines Ursprungs. Zeit zu zählen ist wie die Frage, wie viele Umdrehungen ein Rad seit seiner Herstellung gemacht hat: Ohne überprüfbaren Startpunkt ist die Berechnung willkürlich. Dieses Fehlen einer Null, mehr als jede Paradoxie, lässt die Frage offen.
Mit diesen Teilen auf dem Tisch bleibt alles dort, wo es begann. Niemand hat die Zeit mit einem Lineal gemessen, niemand hat bewiesen, dass sie vergeht, und dennoch organisieren wir unser ganzes Leben so, als würde sie sich in eine Richtung bewegen. An dem Tag, an dem jemand den Ursprung benennt, hört sie vielleicht auf, ein Glaube zu sein.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (133 Antworten).