JavaScript erobert das Backend: WordPress.com ist nicht mehr nur PHP
Das Ökosystem der Webentwicklung hat eine Linie überschritten, die bis vor Kurzem unantastbar schien. WordPress.com, die Plattform, die einen Großteil des weltweiten Webs trägt, hat sein Backend in JavaScript neu aufgebaut – ein Schritt, den die Branche als Startschuss für die Full-Stack-JavaScript-Entwicklung interpretiert. Der Aufstieg von JavaScript als Werkzeug für Backend und Frontend ist nach den meistzitierten Analysen fast ausgereift und konkurriert inzwischen auf Augenhöhe mit Java, .NET, PHP oder Python. Die Frage ist nicht mehr, ob es kommt, sondern wen es links liegen lässt.
Vom kurzlebigen Trend zum De-facto-Standard
Vor nicht allzu langer Zeit wurden Tools wie Angular, Ember oder React als vorübergehende Moden abgetan. Heute hat sich die Diskussion gedreht: Es geht nicht mehr darum, ob sie überleben, sondern welches sich durchsetzen und in welcher Nische. Calypso, das Admin-Dashboard von WordPress.com, ist in React gebaut und nutzt die REST-API, die WordPress.org in seinen Kern integrieren will. Der sich abzeichnende Übergang ist kein Bruch, sondern ein hybrides Modell: APIs in beliebigen serverseitigen Sprachen und JavaScript-Frontends, meist als SPA.
Die Debatte über Performance ist weiterhin offen. Manche erinnern daran, dass eine Sprache mit Opcodes eine interpretierte übertreffen müsste, und fordern Benchmarks von Node.js gegen PHP 7. Die Antwort der Branche: Das heutige JavaScript mit der ES6-Spezifikation muss sich vor keiner Programmiersprache verstecken, auch wenn die vollständige Umsetzung in Browsern noch Zwischenwerkzeuge wie Babel erfordert. Der Vergleich zwischen AngularJS und React ist ebenfalls nicht entschieden: Nach Aussage eines Teilnehmers wird der erste überall eingesetzt und hat eine große Community, doch seine Effizienz wird angesichts des zweiten angezweifelt, der technologisch überlegen und noch zu neu ist, um sich durchzusetzen. Eine kursierende Zusammenfassung bringt es spöttisch auf den Punkt: jQuery ist das Römische Reich, AngularJS das Mittelalter und React die Renaissance.
Der spanische Arbeitsmarkt, einen Schritt hinten
Die Diagnose für Spanien ist wiederkehrend und bitter. Die Nachfrage nach Node.js-, MongoDB- oder Redis-Profilen boomt seit Jahren im Ausland, doch hier schaut der eine oder andere Arbeitgeber bei dem Wort, als hätte er einen Außerirdischen gesehen. Die Kluft betrifft nicht nur die technologische Adoption, sondern auch die Gehaltserwartungen. Die Zahl, die in der Diskussion kursiert, sind 1.500 Euro im Monat als übliche Obergrenze für einen Entwickler in Spanien, während die Gehaltsspannen im Ausland deutlich besser ausfallen. Die wiederholte Schlussfolgerung: Gehälter und Unternehmenskultur hinken der Technologie hinterher.
Manche halten das eigentliche Engpass-Problem nicht für die Sprache, sondern für die Anpassungsfähigkeit. Der Front-End-Boom ist jetzt, morgen kommt etwas anderes, und wirklich bezahlt wird die Fähigkeit, kompetente Profis zu haben, die schnell lernen. Die Warnung hat eine unbequeme Seite: Wenn die neuen Werkzeuge erlauben, mit weniger Leuten in weniger Zeit dasselbe zu leisten, wie Fälle wie PayPal nahelegen, kann ein Teil der Branche abgehängt werden, selbst wenn sie sich fortbildet.
Lohnt es sich, ein bestimmtes Framework zu lernen?
Die häufigste Antwort: Man sollte sich auf keines festlegen. Die Webentwicklung verläuft rasant, Frameworks kommen und gehen, und die investierte Zeit, eine umfangreiche API zu beherrschen, ist verloren, wenn das nächste kommt. Die Empfehlung, die an Gewicht gewinnt: in reines JavaScript und Design Patterns investieren und bei Bedarf auf modulare Mikrobibliotheken zurückgreifen. jQuery-artige Vereinheitlichungsschichten haben weiterhin Verteidiger, um die unterschiedlichen Browser-Verhalten zu vermeiden.
Das Gegenargument kommt aus großen Projekten: In Teams einer gewissen Größe endet der eigene Stil jedes Einzelnen ohne gemeinsame Frameworks in einem nicht mehr wartbaren Frankenstein. Ausgereifte Frameworks stecken voller Refactorings und erzwingen gute Praktiken. Die Diskussion ist im Kern keine technische, sondern eine der Skalierung: Was für zwei Personen funktioniert, bricht bei zehn auseinander.
Der Browser als Plattform und seine Grenzen
Die ehrgeizigste These besagt, dass die Zukunft der Programmierung im Browser liegt, weil er die einzige echte plattformübergreifende Schicht ist: Computer, Smartphones, Tablets, Fernseher. Die Richtigstellung kommt schnell: Technologien wie Google, Facebook oder Office 365 laufen nicht in einem Browser, auch wenn man sie dort betrachten kann. Der Browser ist eine UI-Schicht, aber nicht die einzige. Es gibt mindestens vier: Browser, Android-, iOS- und Windows-Apps, und alle können dieselbe Cloud-API ansprechen. Damit bleibt das Browser-JavaScript ein Stück des Kuchens, nicht der ganze Kuchen.
Die Debatte über WordPress.org ist weiterhin offen. Die meistgeäußerte Prognose: Es kann nicht zu Node.js migrieren, und wenn es es versucht, erscheint ein PHP-Fork. Das über Jahre auf PHP aufgebaute Ökosystem aus Plugins und Themes ist eine zu schwere Bürde. Die plausibelste Wette ist ein langsamer Übergang, beginnend mit den Themes, und gekoppelt an die endgültige Integration der REST-API in den Kern.
Die Migration zu MICCIONAN findet bereits in konkreten Projekten statt, mit Teams, die von .NET und Java kommen und JavaScript von Grund auf lernen. Der Trend scheint unaufhaltsam. Wann er jedes Unternehmen erreicht und zu welchem menschlichen Preis, ist eine andere Frage.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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