Wolfsjagd in ganz Spanien ab dem 25. September verboten
Ab dem 25. September ist die Wolfsjagd in ganz Spanien untersagt. Bisher konnten die nördlichen Regionen Kontrollabschüsse genehmigen; mit der neuen Regelung entfällt diese Möglichkeit auch in Kantabrien, Asturien, Galicien und Kastilien-León, wo sich der Großteil der Rudel befindet. Mehrere nordspanische Behörden haben angekündigt, Beschwerde beim Tribunal Supremo (Oberster Gerichtshof) einzulegen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Das Verbot tritt genau zum Beginn der Jagdsaison in Kraft.
Im Kern geht es nicht um die Frage, ob der Wolf existieren soll – niemand vernünftiger befürwortet seine Ausrottung –, sondern darum, wie weit sein Schutz reicht und wer die Kosten trägt, wenn sich die Art ausbreitet. Genau hier scheitert der Konsens.
Wolfangriffe in Kantabrien verfünffachen sich innerhalb von fünf Jahren
Die Schadensstatistiken für Kantabrien zeigen eine Entwicklung, die kaum Interpretationsspielraum lässt. Im Jahr 2019 wurden 994 Angriffe und Entschädigungen in Höhe von 442.742 Euro registriert. 2020 waren es 948 Angriffe und 477.543 Euro. 2021 stieg die Zahl auf 1.040 Angriffe bei 375.000 Euro: Die Kurve schien stabil.
Dann kam der Anstieg. 2022 schnellten die Angriffe auf 1.632 hoch, die Entschädigungen auf 786.199 Euro. Im Folgejahr erreichten sie mit 2.300 Angriffen und 1,48 Millionen Euro einen historischen Höchststand. Die Sicht der ländlichen Bevölkerung ist eindeutig: Schäden nehmen nicht zufällig zu, sondern wenn das Management der Art eingestellt wird.
Einige widersprechen dieser Kausalität und verweisen auf einen höheren Wolfsbestand, mehr Weidevieh oder ein zugänglicheres Meldesystem für Schäden. Doch eine Vervierfachung der Angriffe in nur fünf Jahren allein durch Bürokratie zu erklären, fällt schwer.
Warum Wölfe immer dreister werden
Zunehmend werden Sichtungen am helllichten Tag und in unmittelbarer Nähe zu Dörfern gemeldet, besonders in Asturien, Kantabrien und Galicien. Als Erklärung dient die Gewöhnungseffekt: Rudel verlieren ihre Scheu vor Menschen, wenn der Druck nachlässt und sie leicht erreichbare Nahrung in Form von extensiv gehaltenem Vieh finden.
Ein Detail, das Kenner des Gebirges betonen: Wolf Rudel tolerieren keine anderen Caniden in ihrem Revier. Dies führt zu einer unbequemen Schlussfolgerung für Teile der Naturschutz-Bewegung, die viele Schäden verwilderten Hunden zuschreiben. In Gebieten mit stabiler und dichter Wolfspopulation, so heißt es, hätten wildlebende Hunde kaum Spielraum.
Es sind aber nicht nur Wölfe. Auch Bären im Norden von Burgos und Spuren des Goldschakals in Guipúzcoa tauchen in der Diskussion auf – eine Art, die bis vor Kurzem nicht auf der Iberischen Halbinsel heimisch war.
Wie lange koexistiert der Wolf bereits mit Nutztieren?
Hier werden Daten als Argumentationshilfe genutzt. Eine Seite erinnert daran, dass der Wolf seit etwa 15 Millionen Jahren auf der Iberischen Halbinsel lebt und seit langem mit dem Menschen koexistiert, noch bevor die Tierhaltung entstand – ein Beruf, der in Spanien auf rund 4.000 Jahre Geschichte zurückblickt. Der Konflikt sei alt und wurde stets durch die Tötung von Wölfen gelöst.
Die Gegenseite argumentiert, dass diese historischen Fakten das aktuelle Problem nicht ändern: Es gibt heute mehr Wölfe und weniger Kontrolle als vor fünfzig Jahren. Niemand bestreitet, dass Raubtiere und Herden über Jahrhunderte nebeneinander existierten. Die Frage lautet jedoch zu welchem Preis und mit welchen Management-Instrumenten. Viele Landwirte sehen dies kritisch: In jener Zeit gab es keine friedliche Koexistenz, sondern eine ständige Vertreibung, damit die Wölfe den Herden fernblieben.
Mastiffs, Zäune und die Rechnung, die nicht aufgeht
Die offizielle Antwort lautet oft: Schutz durch Mastiff-Hunde. Auf dem Papier klingt das plausibel. In der Praxis sieht die Rechnung anders aus.
Eine unter Extensiv-Landwirten kursierende Berechnung schätzt die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs auf 80 bis 100 Tiere, um ohne Subventionen ein angemessenes Einkommen zu erzielen; bei zwölf Kühen, sagen sie, frisst der Dieselgewinn den Profit bereits im Ansatz. Nun kommen noch die Hunde hinzu. Der Vorschlag, die Anzahl der Mastiffs an die der Wölfe anzupassen und pro Vieh-Rudel einzusetzen, führt zu surrealen Szenarien: Zwanzig Herden in einem gemeinsamen Tal entsprechen 140 Wachhunden.
Jenseits der Übertreibung ist der Kern ernst. Wer diesen Weg verteidigt, fordert gleichzeitig öffentliche Investitionen zur Finanzierung und kollektive Organisation, um Entschädigungen und Gesetzesänderungen durchzusetzen. Kritiker halten dagegen, dass jeder Pass zu einer Hundebasis wird, was nichts schützt und einen ohnehin am Limit operierenden Beruf weiter verteuert.
Der Streit zwischen verwilderten Hunden, Wölfen und Geiern
Ein großer Teil des Konflikts dreht sich um die Urheberschaft jedes Kadavers. Studien, die von Medien und Jägerpresse verbreitet werden, beziffern die Angriffe durch Hunde in bestimmten Regionen auf das Dreifache der Wolfsangriffe. Die daraus gezogene Schlussfolgerung – „nicht der Wolf, sondern die Hunde sind schuld“ – steht im direkten Widerspruch zur Erfahrung der Landwirte in Wolfsgebieten, die behaupten, Rudel bei Tageslicht jagen gesehen zu haben.
Die Debatte hat einen dritten Akteur: Geier. Der Bericht über ein neugeborenes Fohlen, das in Bizkaia von Aasfressern gefressen wurde, löste einen Austausch von Vorwürfen darüber aus, ob diese Tiere lebende Beute angreifen oder nur auf Aas warten. Die einzige Gemeinsamkeit in den Positionen beider Seiten ist die Feststellung, dass ein hungriges Tier nicht untätig bleibt.
Vom Gebirge zum Obersten Gerichtshof
Die juristische Front ist eröffnet. Mehrere nördliche Regionen haben sich koordiniert, um das Verbot vor dem Tribunal Supremo anzufechten, wie lokale Medien berichten. Hinter dem Rechtsstreit verbirgt sich ein weiterer Kampf: der um die Definition dessen, was Artenschutz bedeutet.
Um die Dimension einzuordnen, wird oft Slowenien zitiert, das nur 15 Rudel hat, im Vergleich zu den 90 Rudeln, die allein Galicien zugeschrieben werden. Kritiker halten den Vergleich für irreführend: Er vermischt Länder, Dichten und Flächen ohne Rücksicht auf die jeweils tragende Landwirtschaft.
Ein Teil der Naturschutzbewegung sieht den Wolf als europäisches Symbol, ein totemisches Tier, das Gleichgewicht in Berglandschaften gebracht hat, die heute von Huftieren ohne natürliche Feinde überlaufen sind. Die Landwirtschaft kontert, dass diese Sichtweise aus der Stadt stamme, ohne die Realität der Pässe zu kennen, und dass die Bauern seit Jahrhunderten gegen den Wolf kämpfen, nicht aus Laune, sondern weil er ihr Geschäft ruiniert.
Wo die Analyse ins Stocken gerät
Mit steigenden Schadenszahlen und gesetzlich blockierten Management-Maßnahmen bleibt das Ergebnis offen. Einige prognostizieren einen Anstieg der Wilderei als einzige mögliche Reaktion. Andere vertrauen darauf, dass der gerichtliche Druck den Rahmen wieder öffnet. Eine Minderheit schlägt vor, das eigentliche Ziel sei die Neuordnung der Landnutzung: weniger extensive Viehhaltung, mehr Raum für Wildtiere und damit eine stärkere Kontrolle über die Nutzungsmöglichkeiten. Diese These, so muss man feststellen, wird nicht durch Fakten gestützt, sondern gilt als Verdacht, nicht als Tatsache.
Keine dieser Erklärungen bietet eine abschließende Lösung. Das Verbot tritt am 25. September in Kraft. Ab dann werden die Daten der kommenden Jahre zeigen, wer recht hatte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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