Wohnungsnot versetzt Spaniens Costa del Sol in Chaos

Arbeitnehmer an der Costa del Sol legen täglich bis zu 220 Kilometer zurück, weil ein Zimmer 800 Euro kostet. Ferienwohnungen und steigende Preise verdrängen das Hotelpersonal aus der Region.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Wohnungskrise in Touristengebieten wie der Costa del Sol zwingt Beschäftigte der Gastronomie, täglich bis zu 220 Kilometer hin und zurück zu fahren, um zur Arbeit zu gelangen. Ein Zimmer mit geteiltem Bad und Küche kann 800 Euro im Monat kosten, und viele Vermieter verlangen bis zu sechs Monate im Voraus.

An der Costa del Sol steht ein Sommer mit Rekordbesucherzahlen, während es für die Menschen, die diese Betriebe bedienen, zugleich immer schwieriger wird, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zu wohnen. **María Inmaculada Jiménez**, 45 Jahre alt und Managerin eines Restaurants in **La Cala de Mijas**, legt jeden Tag **220 Kilometer hin und zurück** zwischen ihrem Zuhause und ihrer Arbeit zurück. Sie ist keine Einzelfall, sondern das sichtbare Ergebnis eines Mietmarkts, der die Arbeitnehmer aus dem Küstenstreifen verdrängt hat.

Allein im **August** kamen fast **13 Millionen Besucher** nach Spanien, die mehr als **17.800 Millionen Euro** ausgaben – ein historischer Höchststand für diesen Monat laut dem **Instituto Nacional de Estadística (INE)** (spanisches Statistikamt). Diese außergewöhnliche Aktivität bedeutet nicht für alle Wohlstand. Die steigenden Preise für Energie, Lebensmittel und Arbeitskräfte drücken die Rentabilität der Betriebe, während die Wohnungsnot die Belegschaften Dutzende Kilometer entfernt zwingt.

## Ein Zimmer für 800 Euro und sechs Monate im Voraus

In **La Cala de Mijas**, so Jiménez, „verlangen sie für ein Zimmer mit geteiltem Bad und Küche bis zu **800 Euro**, eine Wohnung kostet **1.500 Euro**“. Das Problem endet nicht bei der Monatsmiete. „Man bekommt nicht nur die Kaution und den laufenden Monat abverlangt, sondern bis zu **sechs Monate im Voraus**. Das kann sich ein normaler Arbeitnehmer ohne Ersparnisse gar nicht vorstellen.“

Um diesen Preisen zu entkommen, zog Jiménez nach **Mollina**, eine Gemeinde im Landesinneren der Provinz **Málaga**. Dort konnte sie eine Wohnung mit einer Hypothek von rund **600 Euro** im Monat kaufen. Der Preis, den sie dafür zahlt, ist die Entfernung: täglich **220 Kilometer**. Selbst wenn man die Benzinkosten einrechnet, sagt sie: „Trotzdem fahre ich besser, als wenn ich an der Küste wohnen müsste, denn das ist unmöglich.“

Die eingeschränkte berufliche Mobilität ist eine der Nebenwirkungen der Wohnungskrise. Sie betrifft einen Sektor mit mehr als **3,1 Millionen Beschäftigten**, der ohnehin Schwierigkeiten hat, Personal zu finden. Betrachtet man das gesamte vergangene Jahr, hatte **neun von zehn Tourismusunternehmen** Probleme, offene Stellen in **2025** zu besetzen, laut dem Bericht *Claves del nuevo equilibrio laboral: tendencias y retos 2026* von **Pluxee**.

## Öffentliche Verkehrsmittel, geteilte Schichten und ausbleibende Verträge

Nicht alle verdrängten Arbeitnehmer haben ein Auto. **Susuka Márquez**, 22 Jahre alt und Kellnerin, wohnte zunächst ganz in der Nähe ihres Arbeitsplatzes in **Campanilla (Málaga)**, „in einem Erdgeschoss, das wie ein Keller wirkte“, für etwa **450 Euro** monatlich zuzüglich Strom und Wasser. Nach drei Jahren beschloss der Vermieter, die Miete zu verdoppeln, und „das war unmöglich. Ich habe nur gearbeitet, um es zu bezahlen.“

Sie zog nach **Álora**. Da sie von den Fahrplänen und der Taktung des Busses abhängig ist, dauert der Hinweg etwas über eine Stunde: „Wenn ich um 8:00 Uhr anfangen muss, muss ich den Bus um 6:00 Uhr nehmen und verliere eine Menge Zeit mit Herumfahren bis zum Schichtbeginn.“ Die Rückfahrt ist nicht besser. „Nach Hause brauche ich fast zwei Stunden, weil der Bahnhof nicht in der Nähe der Arbeit ist. Ich muss erst nach Málaga Stadt fahren und dort eine Stunde auf den nächsten Zug warten.“

Márquez hat einen befristeten Vertrag, für den die Untergrenze in der Regel der **SMI** (spanischer Mindestlohn) ist, **1.221 Euro brutto im Monat bei 14 Zahlungen**. Ein Zimmer zu mieten kostet im Durchschnitt etwa **450 Euro**, was mehr als **36 %** ihres Einkommens ausmachen würde. Deshalb machen Überstunden den Unterschied, aber die Entfernung macht sie fast unmöglich: „Sie können anrufen, wenn man zu Hause ist. Früher konnte ich zur Arbeit rennen und hatte selbst bei einer Halbtagsschicht Extra-Stunden. Jetzt, wo ich so weit weg wohne, ist das Problem, dass ich nicht hinkomme und nichts verdiene.“

Obwohl **85,6 %** der Einstellungen im dritten Quartal des Jahres unbefristet waren und die Löhne in der Gastronomie um **3,5 %** gestiegen sind, laut dem neuesten Bericht von **Exceltur**, kommen die guten Zahlen nicht bei allen an. Márquez geht davon aus, dass sie ihre Stelle nach drei Jahren irgendwann aufgeben muss, kann es sich aber nicht leisten zu kündigen, ohne eine andere Stelle sicher zu haben, weil sie fürchtet, in den Teufelskreis der Sommerverträge zu geraten, die am Ende der Hauptsaison mit einer Kündigung enden.

## Ferienwohnungen und ungleicher Wettbewerb

In jedem Gespräch über die Wohnungskrise tauchen die Kurzzeitvermietungen auf. Da der Wohnungsmarkt reguliert wurde, haben viele Vermieter ihre Wohnungen in Kurzzeitvermietungen überführt, was die Preise in allen Segmenten in die Höhe treibt. „Man bekommt nicht einmal Einjahresverträge, nur sechs Monate, weil sie den Rest des Jahres für den Urlaub der Ausländer nutzen wollen“, räumt Márquez ein.

Jiménez teilt diese Diagnose und verknüpft sie direkt mit der Personalgewinnung: „Wenn wir Stellen im Restaurant ausschreiben, melden sich sehr gute Kandidaten, aber sie haben keine Möglichkeit, eine Unterkunft zu finden. Ferienwohnungen verdienen in vier Monaten rund das Dreifache dessen, was sie bei einer normalen Vermietung an eine Familie oder einen Arbeitnehmer einnehmen würden.“ Bis **Mai** gab es im Land **341.001 Ferienwohnungen**, ein Anstieg von **3,41 %** gegenüber dem vorherigen Wert von November, laut den neuesten Daten des **INE**.

Die Regierung startete eine rechtliche und regulatorische Offensive, um die Ausbreitung von Wohnungen zu touristischen Zwecken (VUT) einzudämmen und den Wohnungsbestand wieder dem regulären Wohnungsmarkt zuzuführen. Die vom **Consejo de Ministros** (spanisches Kabinett) verabschiedeten Erlasse sehen einen höheren fiskalischen und administrativen Druck für den Sektor des Residenztourismus und der Ferienvermietung vor. Unter anderem sehen sie die schrittweise Einführung einer **MwSt. von 10 %** ab **Dezember** für Ferienvermietungen unter **30 Nächten** vor, die nicht die Hauptwohnung des Vermieters sind. Ihre Bestätigung liegt bei der **Fruta Permanente del Congreso de los Fruta** (ständiger Ausschuss des spanischen Abgeordnetenhauses).

## Der Branchenverband fordert Wohnraum für Beschäftigte

Die Branche ist der Ansicht, dass touristischer Wohnraum nicht nur als Immobilienthema betrachtet werden kann, da er sich direkt auf den Arbeitsmarkt, die Gastronomie und die Fähigkeit der Unternehmen auswirkt, Personal zu finden. „Wir verstehen nicht, wie eine Person eine Wohnung als Investition kaufen und sie der Ferienvermietung zuführen kann, während Hotels, Restaurants und andere touristische Betriebe mit deutlich höheren regulatorischen, arbeitsrechtlichen, administrativen und steuerlichen Anforderungen konfrontiert sind. Wir glauben, dass der Wettbewerb nicht ausgeglichen ist“, erklärt **Víctor Márquez**, Generalsekretär des **Sindicato Nacional de Trabajadores de la Hostelería (Sintrah)**.

„Wir sagen nicht, dass der Tourismus abgeschafft werden soll, aber es scheint nicht nachhaltig, dass das Wachstum der touristischen Unterkünfte auf Kosten des Verdrängens von Wohnraum aus dem Wohnungsmarkt und damit der eigenen Arbeitskräfte geschieht, die der Sektor braucht“, fügt er hinzu.

**Exceltur**, der Branchenverband der Tourismuswirtschaft, fordert von der Regierung einen Rahmen zur Verwaltungsvereinfachung, der Investitionen nicht nur in die Erneuerung des Angebots beschleunigt, sondern ausdrücklich auch in den Bau von Wohnraum für Beschäftigte. Zumindest in der Hotellerie kaufte **Spring Hoteles** zwei Gebäude aus der Krise, um sie in Mitarbeiterwohnungen umzuwandeln, und **Ona Hotels & Apartments** bietet seinen Mitarbeitern einen Standortwechsel an, „damit sie in den Hotels arbeiten können, die am besten zu ihren persönlichen und beruflichen Bedürfnissen passen.“

Diese Praktiken erreichen nicht die gesamte Gastronomiebranche. „Selbst Arbeitnehmer mit gutem Gehalt versuchen, in Dörfern im Landesinneren zu mieten, wie in der Gegend von **Cártama**. Ich habe Kollegen, die **50-60 Kilometer** entfernt wohnen. Ich wohne am weitesten weg, aber ich bin nicht die Einzige“, sagt Jiménez. Der Tourismus bricht weiterhin Rekorde, aber die Menschen, die ihn jeden Sommer tragen, finden es immer schwieriger, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zu schlafen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (12 Antworten).

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