Wohnungskrise bremst Jobwachstum in Spanien

In vier Jahren stiegen die Wohnkosten um 38%, während Löhne nur um 12% wuchsen. Die hohe Miete hemmt nun die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wohnungskrise bremst Jobwachstum in Spanien

Bei einer Arbeitslosenquote von 11,36% finden Unternehmen keine Mitarbeiter mehr. Es mangelt nicht an Bewerbern, sondern an Wohnraum. Was früher als Ausrede galt, wird heute in Hotels, Krankenhäusern und auf Baustellen offen anerkannt. Der Wohnungsmarkt ist nicht mehr nur ein privates Drama, sondern ein wirtschaftlicher Engpass.

38% Kostenanstieg vs. 12% Lohnzuwachs

Ein Bericht von Oxford Economics beziffert den Anstieg der Wohnkosten in Spanien über die letzten vier Jahre auf 38%. Im selben Zeitraum stiegen die tariflich vereinbarten Löhne nur um rund 12%, das Mindestgehalt um 20%. Der Druck bleibt hoch: Das INE verzeichnete im ersten Quartal dieses Jahres einen Anstieg von 12,2%.

Auch die Angebotsseite hilft nicht. Seit 2021 entstanden durch Migration eine Million neue Haushalte, aber es wurden weniger als 400.000 Wohnungen fertiggestellt. Gleichzeitig locken Rekordzahlen ausländischer Touristen hohe Renditen für Ferienwohnungen, während erschwinglicher öffentlicher Wohnraum fehlt.

Vom Saisonhotel zur Lehrkraft ohne Bleibe

Hotels auf den Kanaren und Balearen schlugen zuerst Alarm wegen Personalmangel im Sommer, da Mitarbeiter keine Unterkünfte fanden. Viele bieten kostenlose Unterkunft an, um Personal zu sichern. Das Problem hat sich weit über den Tourismus hinaus ausgeweitet und betrifft nun auch Lehrer, Polizisten, Pflegekräfte und Bauarbeiter.

Verschärft wird die Lage durch die Struktur der Wirtschaft: Die meisten betroffenen Firmen sind KMUs oder Kleinstunternehmen, die ihren Mitarbeitern keinen Wohnraum garantieren können. Vom Tourismus breitet sich das Problem nun auf alle Großstädte aus.

Arbeitsmobilität blockiert

Der zweite, weniger sichtbare Effekt ist fataler: Arbeitnehmer lehnen bessere Stellen und Gehälter in anderen Städten ab, weil die Mieten den Gewinn auffressen. Die geografische Mobilität, eigentlich ein Motor des Arbeitsmarktes, ist ins Stocken geraten.

In Madrid findet man laut Forenberichten bei Budgets unter 1.600 Euro wochenlang kaum Angebote. Die Anforderungen der Makler – Mindestgehalt, drei Quartalsabrechnungen, Bürgschaften – schließen Durchschnittsverdiener oft aus. Das Ergebnis: Unbesetzte Stellenangebote und Kandidaten, die lieber bleiben, wo sie sind.

Beunruhigende Berechnungen

Die Gewerkschaft CCOO warnt seit Langem, dass der Zugang zu Wohnraum der Hauptbremse für die Beschäftigungsentwicklung sei. Ihre Schätzung ist deutlich: Eine Senkung der Wohnkosten um 30% könnte innerhalb von fünf Jahren 410.000 Arbeitsplätze schaffen und den Konsum durch Einsparungen von etwa 25 Milliarden Euro ankurbeln.

Dies macht das Thema zu mehr als einem sozialen Problem. Würden Miet-Einsparungen in Konsum fließen, wäre der wirtschaftliche Impakt erheblich. Niemand hat dies besser quantifiziert, doch niemand scheint eilig, den Mechanismus dafür anzustoßen.

Sareb, Barcelona und die Preislandschaft

Am meisten diskutiert wurde zuletzt die Sareb (spanische 'Bad Bank'), die laut Ankündigung 40.000 Wohnungen und 2.400 Grundstücke übertragen will, um den Bestand an öffentlichem, erschwinglichem Wohnraum zu erhöhen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein Signal für die politische Richtung.

Die Referenzpreise geben indes keine Ruhe. In Barcelona stieg die Miete von 14,2 Euro pro Quadratmeter im Mai 2021 auf 23,9 Euro im Mai dieses Jahres – sogar über dem Niveau von Madrid (21,7). Die Stadt, die stolz auf ihre Regulierung von Ferienwohnungen war, verzeichnet den stärksten Anstieg. Dies widerlegt viele Narrative.

Kampf der Narrative

Hier beginnen die Meinungsverschiedenheiten. Eine Fraktion sieht die Ursache in der Steuerlast auf Löhne (bis zu 80% gehen an den Staat), Kaufkraftverlust durch Geldpolitik und Deindustrialisierung mit prekären Jobs. Eine andere Gruppe nennt Bodenknappheit, regulative Hürden für Marktangeboten und den Druck durch touristische Vermietung. Eine dritte fokussiert auf das starke Bevölkerungswachstum durch Zuwanderung in kurzer Zeit.

Uneinigkeit herrscht kaum beim Endeffekt: Lohnerhöhungen ohne Eingriff in die Wohnkosten führen dazu, dass Vermieter die Mehrkosten abschöpfen. Wer die Immobilie besitzt, kassiert den Gewinn. Im ethischen Diskurs habt ihr völlig unrecht, sagen Kritiker an die Eigentümer gerichtet.

Berichte deuten darauf hin, dass die zuständige Ministerin für Wohnen mehrere Immobilien mit Hypotheken besitzt. Für manche Teilnehmer untergräbt dies die Glaubwürdigkeit ihres Kampfes gegen Spekulation.

Was passiert, wenn nichts geschieht? Die Prognose ist simpel und unangenehm: Mehr offene Stellen, weniger junge Menschen, die ausziehen, und eine Wirtschaft, die unter ihrem Potenzial wächst. Wenn eine Senkung der Wohnkosten um 30% 410.000 Jobs schaffen könnte, warum ändert sich dann nichts?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (216 Antworten).

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