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Wissenschafts-Youtuber wegen Sprengstoffherstellung festgenommen
Ein Youtuber mit über einer Million Abonnenten wurde von der Guardia Civil festgenommen. Lokale Medien berichten von Strohfeuer und...
Festnahme eines Wissenschaftskommunikators wegen Chemie-Tutorials auf YouTube
Ein Youtuber mit mehr als einer Million Abonnenten wurde von der Guardia Civil verhaftet, weil er angeblich Sprengstoffe herstellte und diese Tutorials auf seinem Kanal zeigte. Die Nachricht erreichte die Abendnachrichten mit einem Aufwand, der sonst nur bei Terroristenverhaftungen üblich ist: Achtzehn Beamte, eine Hausdurchsuchung und eine aufgebrochene Tür. Das Problem ist jedoch, dass der Kanal laut langjährigen Zuschauern der wissenschaftlichen Vermittlung dient: Experimente, Chemie, Physik und didaktische Erklärungen. Die Mischung aus Thermit – die kein Sprengstoff ist – und das Abbrennen von Stroh ohne vorherige Genehmigung durch die Gemeinde tauchen in lokalen Zeitungen als Teil der untersuchten Fakten auf.
Was ihm tatsächlich vorgeworfen wird und was lokale Medien berichten
Die Version, die in lokalen Medien kursiert, deutet auf geringfügige Delikte hin: ein Abbrennen von Stroh ohne die erforderliche Genehmigung der Gemeinde und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, weil er den Beamten nicht die Wohnungstür öffnete. Kein Terrorismus. Dennoch gaben das Innenministerium (Ministerio del Interior) und die Guardia Civil in sozialen Netzwerken bekannt, es handele sich um einen wegen illegaler Sprengstoffherstellung festgenommenen Youtuber inklusive Video-Tutorials. Der Unterschied zwischen beiden Darstellungen ist gewaltig.
Der Youtuber selbst veröffentlichte ein Video mit dem Titel „Die ganze Wahrheit über meine Festnahme wegen Sprengstoffherstellung“, das Kapitel zu den ihm vorgeworfenen Straftatbeständen enthält: Artikel 568, 348, 357 und 556.1 des Strafgesetzbuchs. Darin analysiert er die Geschichte der Durchsuchung, die Gründe für die Verhaftung und die anschließende mediale Manipulation. Das Video wurde zur wichtigsten Gegenquelle gegenüber der medialen Inszenierung.
Thermit ist kein Sprengstoff: Ein Fehler, den niemand korrigierte
Thermit ist eine pyrotechnische Mischung, die extreme Temperaturen erreicht, aber nicht detoniert. Es ist kein Sprengstoff. Ob man damit einen sprengfähigen Gegenstand herstellen kann, ist eine andere Diskussion. Auf YouTube gibt es seit über einem Jahrzehnt Hunderte von Videos über Thermit, einige davon von spanischen Youtubern. Die Frage, die im Raum steht, ist, warum Inhalte, die seit Jahren verfügbar sind und zum digitalen Bildungsarchiv gehören, nun kriminalisiert werden.
Die Rückverfolgbarkeit chemischer Vorläuferstoffe ist ein weiterer Aspekt. Es gibt eine Liste von Produkten, die als Sprengstoffvorläufer dienen könnten. Verkäufer sind verpflichtet, Aufzeichnungen zu führen, Käufer benötigen eine Lizenz oder Genehmigung. Als Privatperson ist es praktisch unmöglich, bestimmte Konzentrationen zu kaufen: Man zahlt entweder das Dreifache für verdünnte Lösungen oder erhält sie gar nicht erst. Wer Schaden anrichten will, tut dies trotzdem. Diese Maßnahmen treffen ehrliche Bürger und bremsen Kriminelle nicht.
Das Gewaltmonopol und doppelte Standards
Der Staat beansprucht das Gewaltmonopol und meint es ernst. Die Festnahme eines friedlichen Wissenschaftskommunikators durch achtzehn Beamte steht im Kontrast zum Gefühl der Straflosigkeit bei gewöhnlichen Kriminellen oder Terroristen. Vergleiche mit anderen Fällen – Dschihadisten, Autobomben, entgangenen Netzwerken – tauchen immer wieder auf. Dies ist keine Tatsache, sondern eine weit verbreitete Wahrnehmung: Die Guardia Civil geht hart gegen Schwache vor und zeigt sich nachsichtig gegenüber Starken.
Manche behaupten, der junge Mann habe sich nicht eingeschüchtert lassen und seine Rechte wahrgenommen, woraufhin eine rachsüchtige Reaktion folgte. Andere sehen darin einen Versuch, von aktuellen politischen Themen abzulenken. Fakt ist, dass der Kanal aus Vorsicht Dutzende von Videos, darunter sehr aufwendige, gelöscht hat. Ein Vermittler, der aus Angst seine eigene Arbeit löscht, ist kein Terrorist. Es ist ein Symptom.
Wie steht es um die Wissenschaftskommunikation in Spanien?
„Wissenschaft interessiert nicht, wenn sie nicht interessiert.“ Diese Zusammenfassung kursiert mit Bitterkeit. Der Fall wirft eine unbequeme Frage auf: Wo liegt die Grenze zwischen dem Lehren von Chemie und dem Herstellen von Sprengstoffen? Wer entscheidet das? Ein Beamter, ein Medium, ein Tweet der Guardia Civil? Die Antwort ist vorerst ein 48-minütiges Video und eine Verleumdungsklage, die manche bereits lautstark fordern.
Die Angelegenheit ist noch offen. Es gibt kein Urteil, keine Verurteilung, keine Entscheidung. Nur einen jungen Mann, einen Wissenschaftskanal und eine schwebende Frage: Wenn so etwas jemandem passiert, der Wissenschaft erklärt, was passiert dann mit jemandem, der nur fragt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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