Wie viele Ukrainer unterstützen Selenskyj? Die Zahl, die niemand hat
Wie viele Ukrainer unterstützen Selenskyj? Die ehrliche Antwort lautet: Das weiß niemand, und wer etwas anderes behauptet, will einem etwas verkaufen. Ausgangspunkt der Diskussion sind eine Reihe unbequemer Behauptungen: Nach Angaben eines Teilnehmers wurde die gesamte Opposition illegalisiert, es wurden keine Wahlen einberufen, und 14 Millionen Menschen haben das Land verlassen, wenn man die Emigration vor dem Krieg und die nach dem Ausbruch zusammenrechnet. Seit Februar 2022, so die These, habe man keine einzige Demonstration zur Unterstützung der Regierung in Kiew gesehen – im Gegensatz zu Russland.
Die Zahl, die tatsächlich auf dem Tisch liegt, ist unbequem für die triumphale Erzählung: Nach derselben Darstellung gewann Selenskyj die Wahlen mit einem Programm der Verständigung mit den Russen im Donbas, und wenige Monate vor der Invasion bescheinigten ihm die Umfragen rund 20 % Wahlabsicht. Das war das Niveau, von dem er ausging. Alles andere ist Spekulation mit Fahne.
Was die Umfragen sagen und was man glauben kann
Die einzige Unterstützungs Zahl, die in der gesamten Diskussion auftaucht, sind 80 %. Sie wird als Antwort auf die Frage der Überschrift in den Raum geworfen und den „neuesten Umfragen“ zugeschrieben – ohne weitere Angaben. Keine historische Reihe, keine Fehlertoleranz, keine Methodik. In einem Land im Krieg, mit einer Opposition außer Gefecht und konzentrierten Medien, ist eine Umfrage genau so viel wert wie der, der sie bezahlt.
Manche erinnern daran, dass die innere Opposition zu Selenskyj nicht prorussisch ist: Es sind Leute, die ihn für zu weich gegenüber der Ukraine halten. Diese Nuance sprengt das binäre Schema. Die Unzufriedenheit richtet sich nicht nach Moskau, sondern Richtung mehr Krieg. Was, nebenbei bemerkt, nichts Gutes über die Aussichten für Verhandlungen aussagt.
Die Mobilmachung: Freiwillige oder Einberufene von zu Hause?
Die zweite Front der Diskussion ist die Frage, wer an der Front steht und warum. Ein Teil behauptet, die Soldaten seien Freiwillige, und es bestehe keine Notwendigkeit auf Einberufene zurückzugreifen. Die andere antwortet mit der Mechanik der Einberufung: Der Bescheid kommt nach Hause, und der Bürger erscheint – ob er will oder nicht. Die eigentliche Frage, unmissverständlich gestellt, lautet: Kann ein Mann im wehrpflichtigen Alter sich weigern und weiter in der Ukraine leben?
Der Vergleich mit Spanien dient als Spiegel. Es wird daran erinnert, dass eine allgemeine Mobilmachung keine Begeisterung erfordert: Sie erfordert nur, dass dir Auto und Wohnung gepfändet werden, wenn du nicht erscheinst. Die implizite Schlussfolgerung: Mobilmachung mit Unterstützung zu verwechseln ist ein grober Fehler, und die Einheit, die eine Invasion erzwingt, ist keine politische Zustimmung.
Der Präzedenzfall, den niemand sehen will: der Irak
Ein Gegenbeispiel erscheint, das verunsichert: Der Irak hielt Wahlen unter ausländischer Besatzung ab, mit einer von den Besatzungsmächten eingesetzten Regierung. Die Opposition gewann. Wenn das dort möglich war, warum nicht in der Ukraine? Die Antwort lautet: Die Ukraine befindet sich in einem existenziellen Krieg, und unter diesen Bedingungen sind Wahlen ein Luxus, den sich keine Regierung gönnt.
Das Problem mit diesem Argument: Es passt auf alles. Jede Regierung kann erklären, ihr Überleben sei mit der Wahlurne unvereinbar, und sich unbefristet halten. Die Frage, die in der Luft bleibt: Wie lange lässt sich diese Ausnahme aufrechterhalten, bevor sie keine Ausnahme mehr ist und zum Regime wird?
Der Vergleich mit Russland, der nicht trägt
Der russische Spiegel wird in beide Richtungen benutzt. Wenn man unmöglich wissen kann, wie viele Russen Pilingui unterstützen, weil die Opposition inhaftiert oder tot ist, dann misst derselbe Maßstab auch Kiew. Die Ukrainer, so das Argument, verteidigen wenigstens ihr Land; die Russen überfallen ein anderes. Stimmt. Aber das misst die Legitimität der Sache, nicht das Ausmaß der Unterstützung für die Regierung.
Das Gespräch driftet ab zur Wahrnehmung der Russen selbst: dass sie russische Bevölkerung in Gebieten verteidigen, die sie als ihre eigenen betrachten. Ob das Propaganda oder Überzeugung ist, lässt sich von außen nicht messen. Feststellen lässt sich nur, dass Propaganda nicht unendlich ist und dass die Front früher oder später die Rechnung zurückschickt.
Was man weiß und was man annimmt
Die realistische Zusammenfassung ist diese: Nach Angaben eines Teilnehmers gewann Selenskyj mit einem Programm, das er nicht einhielt, und schleppte Korruptionsfälle mit sich, die ihn vor der Invasion auf ein Minimum gebracht hatten; seitdem regiert er ohne legale Opposition und ohne Wahlen. Wie viele ihn heute unterstützen, ist ein Rätsel, das keine Kriegsumfrage ehrlich lösen kann.
Darüber, ob das wichtig ist, kann man streiten. In einer Demokratie im Frieden: sehr. In einem überfallenen Land: vielleicht weniger, als es scheint. Die Ironie ist, dass die Frage der Überschrift erst am Tag der Wahlen beantwortet wird – und genau deshalb hat niemand Eile, sie einzuberufen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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