Wer zieht die Fäden? Soros, BlackRock und Kontrolltheorien

Von Soros bis BlackRock: Was hinter der Erzählung über die Kontrolle öffentlicher Bilder steckt und wo Vorurteile beginnen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wer zieht die Fäden? Soros, BlackRock und Kontrolltheorien
Wer zieht die Fäden? Soros, BlackRock und Kontrolltheorien

Wer entscheidet, dass Diversität in jedem Bildstock im Vordergrund steht? Diese Frage, die viele mit einem Achselzucken abtun würden, treibt seit fünf Jahren eine Diskussion in einem Wirtschafts-Subforum an. Der Auslöser war jemand, der beruflich Grafiken kauft und ein Muster erkennt: Jede Saison pushen Agentien ein bestimmtes Repertoire. Erst Feminismus, dann Akronyme, nun Behinderung und ethnische Vielfalt. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zur Frage „Wer kontrolliert das?“ – und genau dieser Schritt ist der Kern des Ganzen.

Was ist die NWO und wer wird beschuldigt?

Das englische Akronym für „Neue Weltordnung“ dient als Sammelbecken. Zu Beginn tauchen die üblichen Namen auf: Soros, Gates, die Familie Rothschild und in moderneren Versionen Fonds wie BlackRock neben der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Devise dieser Strömung ist einfach: Man folgt dem Geld nach oben, und damit endet die Recherche.

Manche gehen weiter und sehen die wahre Macht jenseits des Menschlichen. Einige Beiträge verweisen auf „exogene Politiken“, die uns stets regiert hätten, wobei Milliardäre zu bloßen Werkzeugen degradiert werden. Sogar ein angebliches Glaubensbekenntnis von Rockefeller über kurze Leben und schwache Geister wird zitiert – ein Text ohne verifizierbare Quelle, den kein Archiv als echt bestätigt hat.

Im Verlauf der Diskussion diversifiziert sich die Diagnose. Es kommen Investmentfonds, das Verhältnis Staat-Kapital und sogar Verweise auf HAL 9000 als Metapher für gesichtslose KI-Macht hinzu. Das ist das übliche Muster: Wenn eine Erklärung nicht ausreicht, wird eine weitere Schicht hinzugefügt.

Die ökonomische Lesart: Staaten als Filialen

Neben der reinen Verschwörungserzählung bringen einige Beiträge das Thema auf die Ebene der politischen Ökonomie. Die These lautet, dass Staaten gekauft und von einer staatenlosen Finanzoligarchie verwaltet werden und Parteien lediglich deren Delegationsbüros sind. Eine Kritik, die, befreit von Abkürzungen, an reale akademische Debatten über regulatorische Capture-Effekte und das Gewicht großer Asset Manager bei börsennotierten Unternehmen anknüpft.

Die genannten Beispiele sind konkret: Welcher Staat ist BlackRock? Welcher Staat ist das Geflecht der Soros-Stiftungen? Operieren Amazon, Netflix oder Pharmaunternehmen als De-facto-Souveräne? Das Material liefert keine Antwort, denn genau darin liegt das Problem: Einen Machtblock zu identifizieren, der nicht an Grenzen gebunden ist. Wo manche eine Verschwörung sehen, erkennen andere einfach kapitalistische Interessen ohne Nationalität.

Der Graben zwischen beiden Lesarten ist kleiner als gedacht. Die eine spricht von geheimer Koordination, die andere von konvergierenden Anreizen. Beide beschreiben dieselben Akteure.

Warum Werbung bestimmte Modelle fördert

Einer der meistdiskutierten Beiträge versucht, das Phänomen der Bildauswahl ohne geheime Gesellschaften zu erklären. Das Argument: Wer Mode, Werbung und Image bestimmt, hat erkannt, dass die westliche weibliche Kundschaft nicht mehr konkurrieren muss, um innerhalb der aktuellen Regeln des Affektmarktes attraktiv zu sein. Wenn kein Anreiz besteht, Kleidung oder Make-up zur optischen Verbesserung zu kaufen, besteht das Geschäft darin, das Gegenteilige Modell zu verkaufen: Dass jeder Körper der normale Körper sei.

Dies ist eine zynische Hypothese, die auch nur eine solche bleibt. Im Material gibt es keine Daten, die sie stützen, nur die Logik, dass Agentien auf die Nachfrage der Firmenkunden reagieren. Bemerkenswert ist, dass ein Großteil der Online-Werbung von wenigen dieser Content-Banken abhängt, was die Entscheidung darüber, welche Körper und Szenen als repräsentativ gelten, in wenigen Händen konzentriert.

Wenn die Diagnose zum Vorurteil wird

Nicht alles Material hält der Analyse stand. Ein Teil der Beiträge driftet direkt in alte antisemitische Vorurteile ab, indem er eine gesamte Gruppe als Eigentümer von Banken und Großunternehmen darstellt. Diese Art der Verallgemeinerung entbehrt jeglicher empirischer Grundlage und gehört zum klassischen Repertoire von Verschwörungstheorien, das immer wieder auftaucht, wenn ein komplexes Phänomen einen einfachen Schuldigen braucht.

Auch Verweise auf historische Führer und verschlüsselte Botschaften in Filmen oder Reden schleichen sich ein. Das ist der bekannte Mechanismus: Jede Lücke wird mit einem Zeichen gefüllt, und der Mangel an Beweisen wird als Beweis dafür interpretiert, wie gut man sich versteckt.

Fünf Jahre später, dieselbe Frage

Das Thema begann mit einer professionellen Beschwerde über Bildkataloge und endete bei Investmentfonds, Zentralbanken, außerirdischen Theorien und apokryphen Glaubensbekenntnissen. Was sich in all dieser Zeit nicht geändert hat, ist die Ausgangsfrage, die weiterhin unbeantwortet bleibt. Und sie wird unbeantwortet bleiben, solange der Maßstab für einen Beweis genau das Fehlen eines Beweises ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (158 Antworten).

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