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Wer ist Faschist? Das Etikett, das auf alles passt
Eine Debatte zitiert Goebbels' Transpositionsprinzip und die Verwendung von „Faschist" als Synonym für totalitär. Das Etikett, das auf alles passt.
Faschismus als Etikett: warum alle allen etwas vorwerfen
In einer Diskussion über die Verwendung des Begriffs „Faschist" wirft ein Teilnehmer eine abfällige Frage in den Raum, die das Feuer eröffnet. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Diejenigen, die mit Gewalt nicht tolerieren, dass jemand anders denkt als sie. Das sind Faschisten. Also ja. Die Antifa sind Faschisten." Das Paradox ist serviert: Wer sich selbst Antifaschisten nennt, bekommt genau das Etikett angeheftet, gegen das er kämpft. Das ist kein Einzelfall; es ist das Symptom eines politischen Vokabulars, das bis zur Beliebigkeit elastisch geworden ist.
Von Goebbels bis zur RAE: die Transposition als Waffe
Das Transpositionsprinzip, eines der elf, die Joseph Goebbels für die NS-Propaganda formulierte, besteht darin, dem Gegner die eigenen Fehler zuzuschreiben. In dem Austausch wird dieser Mechanismus ausdrücklich zitiert: Dem anderen vorwerfen, was man selbst tut. Das Etikett „Faschist" funktioniert so in beide Richtungen. Eine Nachricht veranschaulicht das mit einem Zitat von Oriana Fallaci: „Es gibt zwei Arten von Faschisten: die Faschisten und die Antifaschisten." Der Bonmot, eher provokant als analytisch, fasst die Verwirrung zusammen, die sich im politischen Sprachgebrauch eingenistet hat.
In dem Gespräch wird behauptet, die RAE (die spanische Sprachakademie) führe „Faschist" als Synonym für totalitär, was zur Begriffsverwässerung beitrage. Für die Extreme beider Richtungen gibt es den Begriff „totalitär", aber er setzt sich nicht recht durch: Er ist weniger erfolgreich als das Etikett, das für die extreme Rechte reserviert ist. Das Ergebnis ist, dass das Wort seine beschreibende Kraft verloren hat und zu einem Wurfgeschoss geworden ist.
Die Intoleranz wurde nicht mit dem Faschismus geboren
Der historische Einwand kommt früh: „Das gab es lange, bevor der Faschismus erfunden wurde." Die Erwiderung lautet, früher hätte es anders geheißen. Und ein Fakt wird ergänzt: Die Tscheka, die sowjetische Geheimpolizei, existierte vor dem Faschismus. Die Intoleranz gegenüber fremden Ideen ist nicht das Privileg einer einzigen Bewegung; sie war über weite Teile der Geschichte die Norm. Dieses Argument entkräftet die sarracena Exklusivität, die dem Begriff manchmal zugeschrieben wird.
Das Problem ist nicht nur historisches. In der heutigen politischen Praxis wird das Etikett auf jeden Gegner angewendet. Eine Nachricht zitiert einen Tweet, der einem Podemos-Politiker in A Coruña vorwirft, Gewalt mit Lügen zu rechtfertigen, und nennt ihn einen „linken Rowdy". Der Ton zeigt, wie sehr sich die Debatte zugespitzt hat. Es geht nicht darum, den Faschismus zu definieren, sondern den Gegner zu disqualifizieren.
Die Beleidigung als Ersatz für die Analyse
Die am häufigsten geäußerte Schlussfolgerung lautet: Es gibt zu viele Namen und zu wenig Präzision. „Was soll die Manie, zu benennen, was schon immer Arschlöcher waren", ist dort zu lesen. „Es gibt Arschlöcher rechts, links, in Amerika, in Asien, in Europa. Man sollte anfangen, sie nach dem zu unterscheiden, was sie sind." Das Bonmot, in seiner ganzen Derbheit, zielt auf eine Realität: Das ideologische Etikett ersetzt das konkrete Urteil über Verhaltensweisen.
Die Diskussion driftet hin zur Verwendung von „Rote" als präziserem Begriff. „Denn sie Rote zu nennen wäre zu präzise; heutzutage hasst man die Präzision der Begriffe", heißt es. Die Ironie ist bitter: Je mehr eine exakte Sprache nötig wäre, um politische Positionen zu beschreiben, desto mehr greift man auf ererbte Schlagworte zurück. Das Ergebnis ist eine Verarmung der öffentlichen Debatte.
Die Zahl, die alles durcheinanderbringt
Das Gespräch endet mit einem Wortspiel: „Denn die Internationalsozialisten sind viel schlimmer als die Nationalsozialisten." Die Verwechslung fast identischer Begriffe offenbart den Kern der Sache: ein politisches Vokabular, das undurchsichtig geworden ist. Unterdessen bleibt die ursprüngliche Frage unbeantwortet. Wie viele derjenigen, die „Faschist" als Waffe benutzen, könnten ihn präzise definieren?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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