Warum man immer wieder toxische Menschen anzieht: die Debatte um soziales Pech

Achtzig Antworten auf die Frage, warum wir immer toxische Menschen anziehen: Karma, Schwingung, Horoskop, Eigennutz und Selbstkritik. Kein Konsens.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum man nur schlechte Menschen anzieht: die Theorie vom sozialen Magneten

Warum ziehe ich nur schlechte Menschen in mein Leben? Die Frage, vor drei Monaten in einem Verschwörungsforum gestellt, hat achtzig Antworten und eine Handvoll Theorien hervorgebracht, die vom Karma bis zum Horoskop reichen. Der Verfasser des ursprünglichen Beitrags behauptet, „normal, ohne Störungen oder so" zu sein, besteht aber darauf, eine „schwarze Hand" zu haben, die wie ein Magnet für toxische Menschen wirkt. Und er fügt hinzu: „Oder aber 95 % von euch in Spanien sind einfach Mist."

Die Diskussion beginnt mit einer Mischung aus Humor und Frustabbau. Jemand erbittet eine göttliche Belohnung in Form von „einer Misato Katsuragi, die mir ein Kartoffelomelett aus Teruel macht". Ein anderer antwortet mit dem Sprichwort, dass es besser ist, allein zu sein als in schlechter Gesellschaft. Doch der Ton kippt bald, und ernsthafte Erklärungen tauchen auf: hohe Schwingung, Karma, das Gesetz der Anziehung, das Horoskop.

Die Magneten-Theorie: Du ziehst an, was du zu verdienen glaubst

Eine der meist wiederholten Denkrichtungen besagt, dass wir anziehen, was wir zu verdienen glauben, nicht was wir tatsächlich verdienen. Das ist die These dessen, der behauptet, „wir können das Karma beherrschen". Die Idee hat eine psychologische und eine esoterische Version, und beide existieren im Thread ohne große Reibung nebeneinander. Die esoterische Version spricht von „hoher Schwingung" und davon, dass die „Füchse" – die Opportunisten – sich auf jeden stürzen, der schwach wirkt oder es allen recht machen will.

Die psychologische Version ist unbequemer: Wenn du immer wieder vom gleichen Menschentyp umgeben bist, liegt das Problem vielleicht nicht an deinem Umfeld. „Du wirkst wie eine ziemlich toxische Person", hält jemand dem Verfasser entgegen. Ein anderer fügt hinzu: „Jeder hält sich für normal und für einen guten Menschen." Selbstkritik kommt in solchen Gesprächen meist spät und mit Vorbehalten.

Eigennutz als Filter für Beziehungen

Es gibt eine Analyse, die immer wieder auftaucht und mehr mit Soziologie als mit Esoterik zu tun hat: Die Menschen nähern sich dir wegen dessen, was sie aus dir herausholen können. „Man zieht immer berechnende Menschen an, die sich für das interessieren, was sie aus dir herausholen können; wenn sie sehen, dass du nichts zu holen hast, verlieren sie das Interesse", fasst ein Teilnehmer zusammen. Dieselbe Logik gilt für Freundschaften und Paarbeziehungen: Wer wegen Auto, Haus oder Reisen kommt, verschwindet, wenn die Quelle versiegt.

Die Diagnose wird auf die gesamte Gesellschaft ausgeweitet. „Guten Menschen geht es schlecht, sozialen Psychopathen geht es meistens gut", sagt ein anderer. Und eine weitere Stimme fügt hinzu: „Wenn sie sehen, dass du glücklich bist, kannst du davon ausgehen, dass du erledigt bist, denn dann werden sie auf dich losgehen; Glück muss man für sich behalten." Misstrauen ist hier keine Strategie mehr: Es ist eine Weltanschauung.

Das Horoskop als Diagnose: Wassermann, Steinbock und Saturn

Das Gespräch driftet zur Astrologie ab, als jemand nach dem Geburtsdatum fragt. Der Verfasser nennt es nicht, aber mehrere Teilnehmer springen auf das Thema an. Steinbock wird als Energie eines Menschen beschrieben, der „keine bösen Absichten hat, aber eine schwarze Hand oder etwas sieht, das nicht zu seinem Handeln passt". Und ein Wassermann mit Steinbock-Aszendent fühlt sich angesprochen: „Mir hat mal jemand gesagt, dass die Sache mit dem Steinbock-Aszendenten für mich ein echter Nachteil ist gegenüber dem Wassermann-Sonnzeichen, weil das Zeichen mit teils gegensätzlichen Eigenschaften sind."

Der Thread verweilt bei kuriosen Details: der Steinbock-Aszendent als Beschreibung des Erscheinungsbilds – groß, schlank, etwas saturnisch –, Saturns Verbindung zur Struktur und zu den „Kisten", was im Jargon des Threads Autos und Hobbys bedeutet. Ein Teilnehmer bestätigt, dass er sein Auto auf die Hebebühne fährt, um sich nicht bücken zu müssen, und dass seine beste Zeit in den Neunzigern und frühen Zweitausendern lag. Das Gespräch ist abgeschweift, aber niemand scheint es eilig zu haben zurückzukehren.

Die systemische Erklärung: eine Welt, die darauf ausgelegt ist, Bindungen zu zerstören

Die ehrgeizigste Antwort kommt aus dem Bereich der Verschwörungstheorien: Es gibt ein System, das darauf aus ist, menschliche Beziehungen zu zerstören – in der Familie, der Freundschaft und der Partnerschaft. „Nenn es Satan, wenn du willst. Schließlich hat es gerade jetzt die absolute Freiheit, eine ganze Weile zu herrschen", schreibt ein Teilnehmer. Die These, ohne Belege, passt zum Ton des Unterforums und zu einem vagen Gefühl, dass etwas im sozialen Gefüge zerbrochen ist.

Eine andere Nachricht deutet in dieselbe Richtung, mit irdischerer Sprache: „Man hat die Familien aus der Sozialstruktur getilgt; früher war die Familie das sichere Umfeld, heute ist sie ein unsicheres, toxisches Umfeld." Einsamkeit, Individualismus und Misstrauen werden als Ergebnis eines Plans dargestellt, nicht als Nebeneffekt von Wirtschaft und Städten.

Die Option, radikal Schluss zu machen

Angesichts so vieler Theorien setzt sich eine praktische Antwort durch: die Beziehung abbrechen und weitermachen. „Die Sache ist, mir ist das ziemlich egal. Ich beende die Beziehung und mache weiter auf volle Touren mit meinem individuellen Krieg", schreibt jemand, der dasselbe Problem zu haben sagt. Gleichgültigkeit als Schutzschild. Ein anderer Teilnehmer empfiehlt, „sie ziehen zu lassen, sie sollen andere belästigen gehen", und keine Energie an Menschen zu verschwenden, die nur Unbehagen erzeugen.

Das am häufigsten gezogene Fazit lautet jedoch: Die Menschen sind Mist, und viel kann man nicht tun. „Die meisten Menschen sind hohl im Kopf und sehr egoistisch, weil das jahrelang gefördert wurde, und das wird sich nicht über Nacht ändern. Weder Gestirne noch Karma noch Pech noch sonstwas", stellt eine Stimme fest. Der einzige Vorteil schlechter Erfahrungen, so ein anderer, sei, dass sie einem beibringen, Bosheit zu erkennen und sie kommen zu sehen.

Am Ende bleibt die ursprüngliche Frage ohne klare Antwort. Der Verfasser bat um eine Erklärung und bekam eine Karte: Karma, Schwingung, Horoskop, Eigennutz, satanisches System und Selbstkritik. Das Einzige, was niemand bestreitet, ist, dass schlechte Menschen existieren. Was den Rest angeht, wählt jeder seine eigene Theorie.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (80 Antworten).

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