Warum man beim Augenschließen geometrische Muster sieht

Sehen Sie geometrische Formen, wenn Sie die Augen schließen? Dieses häufige Phänomen ist als Phosphene bekannt und tritt beim Übergang zum Schlaf auf. Wir erklären den Zusammenhang.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nächtliche Phosphene: Warum man beim Augenschließen geometrische Muster sieht

Die Augen im Dunkeln zu schließen und plötzlich geometrische Formen zu sehen, die sich in rascher Folge verändern, ist eine Erfahrung, die viele Menschen machen. Sie dauert nur kurz, etwa 15 bis 20 Sekunden, und geht oft mit Tinnitus oder Ohrgeräuschen einher. Auch wenn manche das beunruhigend finden, erklärt die Neurophysiologie es als einen normalen Vorgang des Gehirns.

Der Ursprung der inneren Lichter: Phosphene und Gehirnaktivität

Die geometrischen Formen, die bei geschlossenen Augen im entspannten Zustand auftreten, werden als Phosphene bezeichnet. Sie entstehen nicht durch mechanischen Druck auf die Netzhaut; sie haben ihren Ursprung im visuellen Kortex, wenn das Gehirn sich von äußeren Reizen abkoppelt. Während des Übergangs von Wachheit zum Schlaf verarbeitet der Okzipitallappen neuronales Hintergrundrauschen und ordnet es in wiederkehrenden Mustern: Gitter, Spiralen, Tunnel, Mandalas. Es ist ein perfekt dokumentiertes hypnagogenes Phänomen.

Der Zusammenhang mit dem Ohr und Tinnitus

Wer diese nächtlichen Phosphene erlebt, berichtet oft auch von Tinnitus oder Ohrgeräuschen. Die Korrelation ist kein Zufall: Beides sind Manifestationen der Gehirnaktivität im Ruhezustand. Während der visuelle Kortex Muster erzeugt, kann der auditive Kortex Phantomgeräusche hervorbringen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das eine das andere verursacht, aber beide teilen denselben neurophysiologischen Kontext.

Wann man sich Sorgen machen sollte: Glaskörpertrübungen und Lichtblitze

Auch wenn Phosphene harmlos sind, gibt es Warnsignale, die eine dringende ärztliche Abklärung erfordern. Treten neue Glaskörpertrübungen („fliegende Mücken“), blitzartige Lichtblitze bei offenen Augen oder ein Schatten im Sichtfeld auf, könnte es sich um eine Glaskörperabhebung oder einen Netzhautriss handeln. In solchen Fällen ist der Besuch beim Augenarzt sofort nötig. Das in dieser Analyse beschriebene Phänomen fällt nicht in diese Risikokategorie.



Die neurophysiologische Erklärung ist solide: Phosphene sind die „Firmware“ des visuellen Kortex, die sich projiziert, wenn keine äußeren Eingaben vorliegen. Offen ist weiterhin die Debatte, ob diese Erscheinungen gezielt hervorgerufen werden können oder ob ihre Häufigkeit mit Stress oder Erschöpfung zusammenhängt. Für die meisten Fälle gilt vorerst: keine Behandlung nötig, nur die Beruhigung zu wissen, dass es eine normale Gehirnfunktion ist.

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